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21 März 2019

OM(G)_2.0 >>> Teil I

Glut ist ein Sinnbild für extreme Gefühle. Sie reichen von dem sprichwörtlichen glühenden Zorn bis zur brennenden Liebe. In der Literatur, im Film, in der Philosophie und in der Kunst. Im religiösen Kontexten beschreibt Glut sowohl den vernichtenden Zorn Gottes als auch die hingebungsvolle Zuwendung der Gläubigen.
Im Weltverständnis des frühen vedischen Kultur Indiens ist die Glut – auch Tapas genannt - eine Urenergie, die das Denken und Fühlen bewegt, die lebendig macht und über das hinausführt, was gegeben ist. Sie entsteht aus Reibung zwischen dem Offenbaren und dem Unsichtbaren, dem Wort und dem Geist, dem Atem und dem Ich.
 
Glut symbolisiert die energiegeladene Sprengkraft zwischen einer willkürlichen, alles vernichtenden Urgewalt und der aufbauenden Kraft universeller Hingabe und Liebe. Tatsächlich findet Glut mit ihrer extrem zerstörerischen und gleichsam erneuernden Eigenschaft im Erdinneren ihre Entsprechung. Glühendes Eisen ist zusammen mit Nickel wahrscheinlich der Hauptbestandteil des Erdkerns und erzeugt mit seinen thermischen Kräften im äußeren Kern das Erdmagnetfeld.
 
Um diesem ambivalenten, zutiefst polarisierenden Wesen der Glut auf die Spur zu kommen, habe ich Video-und Klangaufnahmen in einer Eisengießerei machen dürfen. Für die Installation OM(G)_2.0 erforsche ich den Rhythmus und das Wesen der Glut - und den schmalen Grat zwischen Liebe und Wut, wenn es um große Gefühle geht.

Glut-Rhythmus 1. Versuch mit "Schlacke": Film ab + Ton ab
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16 Januar 2019

WUT_GLUT_MUT


Heiße Gefühle & heilige Bücher
 
Alle reden von Gefühlen – aber keiner traut sich, sie zu zeigen. Außer Künstler*Innen vielleicht - die werden dafür bezahlt. Eine ganze Unterhaltungsindustrie lebt von zur Schau gestellten Gefühlen. Was früher die Wandgemälde von Michelangelo, die Mysterien des Hieronymus Bosch oder die Höllendarstellungen der Gebrüder Bruegel waren, sind heute Dokusoaps wie „Dschungelcamp“, (GNTM) „Germany next Topmodel“, (DSDS) „Deutschland sucht den Superstar“ und „Richterin Salesch“.
Außerhalb der Kunst und der Unterhaltungsindustrie wird das Zeigen von Gefühlen mit einem oftmals peinlichen Kontrollverlust gleichgesetzt. Wer sich zu großen Gefühle wie unbändige Wut, bohrender Neid, abgrundtiefe Trauer oder auch überbordende Freude bekennt, wird schräg angeschaut. Man nimmt Abstand, das macht Angst. Hier wird bei Beerdigungen nicht lauthals geweint wie in anderen Kulturkreisen – und auch nicht vor Freude auf der Straße getanzt.
Im Grund sind wir eine ziemlich gefühlsarme Gesellschaft, komplett ungeübt im Umgang mit unseren Basisemotionen, die ja im Grunde einen wesentlichen Bestandteil unserer menschlichen Existenz ausmachen. Schon im Kindergarten werden Gefühle limitiert, negativ besetzt und in Schule und Beruf haben sie nichts mehr zu suchen.

Wo ist ein Raum für Gefühle?  

Heilige Bücher aller Religionen sind voll von ihnen. Die Bibel, der Koran, die Veden oder der Thanach sind gefüllt mit heißen, glühenden, brennenden Gefühlen - Trauer, Wut, Liebe, Zorn, Neid, Überraschung, Furcht und Ekel - poetisch ausgemalt in klangvollen Bildern.
Vielleicht ist das der Grund, warum im Namen Gottes, Allahs und Jahwes so viele erbitterte Kriege und furchterregende Auseinandersetzungen stattfinden. Weil jede Art von Spiritualität große Gefühle weckt, sie zum Ausdruck bringt, sie nahezu einfordert. Und wir als komplett Ungeübte im Umgang mit großen Gefühlen können angesichts brennender Liebe und  glühendem Zorns leicht ins Schwimmen geraten.
 
 
Angst vor dem Ertrinken. 
Hesekiel 24,11
Stelle den Topf leer auf die Glut, damit er heiß wird und sein Erz glüht
und seine Unreinheit schmilzt und sein Rost abgeht!

 Hohelied 8,6
Setze mich wie ein Siegel auf dein Herz und wie ein Siegel auf deinen Arm.
Denn Liebe ist stark wie der Tod, und ihr Eifer ist fest wie die Hölle.
Ihre Glut ist feurig und eine Flamme des HERRN. 
 Markus 8
Denn wer sein Leben behalten will, der wird's verlieren; und wer sein Leben verliert
um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird's behalten. Denn was hilft es dem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen und Schaden zu nehmen an seiner Seele?  
 Matthäus 5,44
Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde; segnet, die euch fluchen;
tut wohl denen, die euch hassen; bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen.
Mose 1 29,14
Fürwahr, du bist von meinem Gebein und Fleisch.
Psalm 44,6
Herr, in deinem Namen zertreten wir unsere Gegner!
 

05 Juli 2018

MUMMENSCHANZ

Nach einer kleinen Pause – in der eine Reise nach Anafora in Ägypten, ein Aufbau der Installation ROTSEHEN auf der Nordart und eine Einladung nach Ulaanbaatar in der Mongolei meine ganze Aufmerksamkeit gefordert hat – geht es jetzt endlich weiter mit
 
DENKEN IN BILDERN
und der Frage
Warum ist das Vermummen auf Demonstrationen verboten und auf Prozessionen erlaubt?

Auf Demonstrationen muss die Identität jedes einzelnen nachgewiesen werden können. Wenn das nicht möglich ist, droht eine einjährige Haftstrafe. Das gilt jedoch nur für die Teilnehmer, nicht für die begleitenden Polizisten. Die dürfen unerkannt bleiben.
Bei Prozessionen ist das Vermummen und Verschleiern ausdrücklich erlaubt und gewünscht. Prozessionen gibt es seit tausenden von Jahren, sie sind ein wesentlicher Bestandteil vieler Religionen, eine Art ritueller Fußmarsch zu einem bestimmten Ort. Auf Prozessionen wird maskiert, verschleiert, vermummt und es entstehen große Gruppen von Menschen, die alle gleich aussehen. Rein optisch gesehen gibt es kaum noch einen Unterschied zwischen Nonnen, Mönchen Burka-Trägerinnen, und anderen Teilnehmern. Alles sieht sich zum Verwechseln ähnlich. Auf der Prozession auf La Palma zur Heiligen Woche sehen die Büßer wie Mitglieder des rassistischen und gewalttätigen Ku-Klux-Klans aus. Unter den Verschleierungen scheinen sich alle Religionen, Weltanschauungen und Überzeugungen optisch zu vermischen.
 
Die Individualität des Einzelnen rückt in den Hintergrund und es ist nicht mehr wichtig, dass wir als ein einzigartiges Wesen gesehen und anerkannt zu werden. Stattdessen werden wir Teil eines Ganzen, das in sich eine eigenständige Kraft hat und ein faszinierendes Eigenleben entwickeln kann. Eine Eigendynamik, die kaum aufzuhalten ist. Wir bekommen sie spielerisch auf Flashmobs und Critical-Mass-Aktionen zu spüren und ganz elementar dann, wenn viele Menschen etwas gemeinsam wollen und ihre eigenen Bedürfnisse, Wünsche und Besonderheiten dahinter zurückstellen.
 
Vermummte
Polizisten
Katholische Nonnen
Burka-Trägerinnen
Katholische Nonnen
Mönche Pathos
Buddhistische Mönche
Kardinäle
 
Das kann Angst machen - muss aber nicht.
 
Heilige Woche La Palma

18 August 2017

Kneipen-Weisheit

Wie werde ich glücklich, erfolgreich und schön?  Frage Google.  Google  ist ein reiner Pool für geistige Erneuerung. Dort gibt es mentale Coach*Innen, spirituelle Führer*Innen, Channeler*Innen und Heiler*Innen, die massenhaft das Glück versprechen. >>> Secret-Wiki, das Portal für Persönlichkeitsentwicklung, Spiritualität und Nachhaltigkeit stellt das gesammelte Wissen für eine neue Welt zur Verfügung. So finde ich dort die 17 Unterschiede zwischen armen und reichen Menschen und wie ich mit Hilfe des Gesetzes der Anziehung Reichtum in mein Leben ziehen kann. Mit ankreuzbaren Checklisten kann ich feststellen, ob ich möglicherweise hochsensibel bin, ein Indigomensch oder über einzigartige Fähigkeiten verfüge und es gibt 3-5-8-15-21-Tage-Programme, die mein Leben glücklicher, schöner und lebenswerter machen sollen.
Dabei zeigt die kontinuierlich wachsende Meditationsforschung, dass wir  ein glückliches Leben nicht einfach einkaufen können, sondern das es über viele Jahre hinweg gelernt werden muss.
Auf Initiative des Dalai Lama hin begann in den 1980er Jahren ein regelmäßiger Dialog zwischen dem 14. Dalai Lama Tendzin Gyatsho und führenden westlichen Wissenschaftlern. Sie wollten mit zahlreichen Studien untersuchen, ob und wie sich eine regelmäßige Meditationspraxis auf das Gehirn auswirkt. Dafür haben Mönche  mit vielen tausend Stunden Meditationserfahrung aus einem tibetischen Klosters sich bereit erklärt, die Aktivitäten ihres Gehirnes messen zu lassen. Während ihrer Meditationseinheiten über Liebe und Mitgefühl wurden Gehirnströme und Gehirnaktivitäten mittels MRT und EEG aufgezeichnet. Die Ergebnisse  waren verblüffend deutlich. Es konnte einerseits eine signifikante Zunahme und Verdichtung der Nervenzellkörper im Gehirn lokalisiert werden. Darüber hinaus zeigte sich schon nach wenigen Sekunden der Mediation ein sprunghafter Anstieg der seltenen Gammawellen, die mit geistiger Höchstleistung (peak performance), starker Fokussierung und Konzentration in Verbindung gebracht werden.
 
Demnach gibt es ein absolut sicheres  Rezept für
nachhaltige Glückserfahrungen, echtes Mitgefühl, tiefe Liebe und weniger Hass: 
 einfach einige tausend Stunden meditieren. 
 
Die Fotocollagen setzen sich auf der rechten Seite aus Bildern von einem koptischen Klosters nahe Kairo/ Ägypten zusammen. Die Andachten und Messen dieser koptischen Kirche finden täglich in der Morgen- und Abenddämmerung und statt, dauern etwa drei bis vier Stunden und sind durchaus mit einer regelmäßigen Meditationspraxis vergleichbar.
Auf der linken Seite sind  Beileidsbekundungen für die Opfer eines religiös motivierten Attentates zu sehen - hier nicht für die Opfer des gestrigen Anschlages in Barcelona, sondern für die Menschen aus Manchester, die im Juni diesen Jahres während eines Konzertbesuches einem Selbstmordanschlag zum Opfer gefallen sind - darunter viele Kinder.

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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!
 

19 Juli 2017

ANAPHORA >>> das Hochgebet

Letztes Jahr im Sommer habe ich eine Veranstaltung über die Möglichkeiten und Grenzen eines interreligiösen Dialoges besucht. Mich interessiert das Thema zwischen den Religionen sehr, besonders im Hinblick auf die stetig wachsenden Gewalttaten, die im Namen Gottes–Allahs-Jahwe-Buddha-Brahma-ect früher wie heute passieren.
Auf dieser Veranstaltung bin ich von einem koptischen Bischof nach Ägypten eingeladen worden, genauer gesagt in ein koptisches Kloster, das er gegründet hat und das nahe bei Kairo mitten in der Wüste liegt. Es war eine ganz besondere Einladung für mich und sie bildet die Basis für das Kunstprojekt, an dem ich gerade arbeite. Daher bin ich trotz aller Bedenken das Wagnis eingegangen und im Mai dieses Jahres dorthin aufgebrochen.
Die koptischen Christen werden in Ägypten verfolgt, und auch während meines Aufenthaltes dort wurde ganz in der Nähe auf ein ähnliches Kloster ein Anschlag mit vielen Toten und Verletzten verübt.

„Kopte“ heißt nichts anderes als „Ägypter“. Die koptischen Christen gehören der altorientalischen Kirche Ägyptens an, eine der Ostkirchen. Sie hat sich schon sehr früh von der katholischen Kirche abgespalten und hält bis heute urchristliche Rituale lebendig.
Während meines Besuches dort habe ich junge, moderne, aufgeschlossene Mönche und Nonnen kennengelernt. Ich durfte ihre wundervoll gesungenen Liturgien miterleben und die einfache und trotzdem unglaublich kostbare Schönheit dieses Ortes quasi „einatmen“.
 
Die Ruine eines koptischen Klosters.
 
Alle Religionen, ob monotheistische oder poltheistische, erzählen von dem Frieden unter den Menschen, der Freiheit des Geistes und der allgegenwärtigen Liebe Gottes. Warum gibt es gerade im Namen Gottes so viel Krieg Leid, Hass, Unfreiheit, Gewalt und Terror auf der Welt? Verpackt in wundersame Namen wie: Glaubenskrieg, Religionskrieg, Heiliger Krieg, Kreuzzüge, Inquisition, Nahostkonflikt, 30-jähriger Krieg, Nordirlandkonflikt und Dschihad (vollkommen unvollständige Liste) – man könnte meinen, dass sich fast die ganze Welt in einem Religionskrieg befindet. 
 
 
Im WWW braucht man nicht lange nach Bildern der Gewaltsuchen. Sie sind allgegenwärtig, omnipräsent und massenhaft vertreten.
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Ein junger Mann, vermutlich aus dem Irak, zeichnet Hubschrauber, die Bomben abwerfen und daneben eine Jesidische Flagge. Die Jesiden sind eine kurdisch sprechende religiöse Minderheit. Das Jesidentum, auch Ezidi genannt, entstand ca. 3000 Jahre vor Christus, ist also über 5000 Jahre alt. Seit 2014 werden Jesiden, die  im Norden des Iraks leben, auf Grund Ihres Glaubens verfolgt, versklavt, getötet oder zwangsbekehrt. Der Gott der Jesiden heißt EZNA, wobei EZ für Ich und DA für geben steht. EZNA bedeutet also: sich geben oder sich hingeben.
 
Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!
 

13 Juli 2017

ART & ANIMALS

Die Sommerpause ist vorbei. Nach einer unglaublichen (Zeit-)Reise in ein koptisches Kloster nahe bei Kairo/ Ägypten – ein Kunstprojekt darüber ist in Arbeit und wird selbstverständlich hier zusehen sein – einer wundervollen Wanderung in den Schottischen Highlands und drei Ausstellungseröffnungen geht es jetzt weiter mit: 
Kunst mit Tieren ist seit den frühen Höhlenzeichnungen ungebrochen im Trend. Auf der aktuellen documenta in Kassel sind am Sonntag die pittoresken Goldenen Reiter von Ross Birell nach einem 100 Tage langen und 3000 Kilometer weiten Ritt aus Athen angekommen. Von tausenden Besuchern freudig erwartet und umjubelt wurden die „documenta-Reiter“ und der „Götterhengst Hermes“ begeistert in Empfang genommen. Anne Imhoff, die gerade den goldenen Löwen der Biennale in Venedig gewonnen hat, benutzt für ihre wunderbaren Kunstaktionen auch Wachhunde und Esel. Und Joseph Beuys wurde weltberühmt, als er sich in einer New Yorker Galerie mit einem Kojoten zusammen einsperren ließ.
 
Anne Imhoff 2013 - Joseph Beuys 1974 - Ross Birell 2017
Warum ist Kunst mit Tieren so attraktiv? Vielleicht, weil wir Menschen die Tiere insgeheim um ihre Selbstverständlichkeiten beneiden. Sie leben vollkommen im Hier und Jetzt (wenn auch instinktgesteuert), stellen sich selbst und andere nicht in Frage und haben keine Angst vor dem Tod und dem Sterben. 
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Die Kunstinstallation ROTSEHEN – VOM UMGANG MIT DER WUT, die gerade auf der Höhler Biennale in Gera gezeigt wird, hieß ursprünglich „Der Schrei der Esmeralda“. Esmeralda ist ein junges, wildes, freiheitsliebendes Uhuweibchen. Im Zuge der Videoarbeit mit Esmeralda und anderen europäischen Uhus konnte ich ihr natürliches und überlebenswichtiges Aggressionspotential visuell erforschen und es mit den aktuellen „wütenden Zeiten“ in Beziehung zu setzen.
  
HÖHLER BIENNALE 2017 - Gera / Auswahl Deutscher Installationskunstpreis
7-Kanal-Videoinstallation - 1 Raspberry Pi-Netzwerk - 1 Sound Surround System














 
Video.js | HTML5 Video Player
 
 
Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet, die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden. Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte. DANKE! 

Kinder und Erwachsene malen und zeichnen immer wieder Fische.
Fischschwärme umgeben von Raubfischen, die Schiffe begleiten. Fluchterfahrungen.

 

13 April 2017

De ira >>> ZORNIGE ZEITEN

Die WUT ist überall. Sie ist greifbar und spürbar in der Politik, in den Religionen, unter Kollegen, unter Nachbarn, in der Familie, zwischen ehemals Liebende, zwischen Eltern und Geschwister, in Fußballteams, unter Chefs und Angestellten. 
Nachrichten ohne WUT und Aggressionen sind langweilig und erst Katastrophen sorgen für hohe Einschaltquoten. Unsere Fernsehlandschaft ist reinste WUT-Kultur. In zahllosen Krimis wird in einer Tour gemordet, getötet, gemetzelt und gestorben, was das Zeug hält. Allerorten liegen Leichen, fließt Blut. Gefolterte, geschändete Frauen, aufgehängte, durchbohrte Leiber, explodierende Autos, gezückte Pistolen, tropfendes, sickerndes, fließendes Blut. 
Hasskommentare und shitstorms in sozialen Netzwerken sind zum Alltag geworden. Mit Rufmord-Kampagnen, übler Nachrede und Mobbing-Attacken werden Männer, Frauen und Kinder an den Rand des Wahnsinns getrieben.
 
 
Man könnte meinen, zurzeit wird über alle verfügbaren Mittel WUT geschürt.
WUT auf das Andere, WUT auf das Fremde, WUT auf sich selbst.
Wozu brauchen wir diese allgegenwärtige WUT?
Ist es uns womöglich zu langweilig geworden, weil alles im Leben so geordnet, abgesichert und festgelegt ist?
Oder ist es die versteckte Sehnsucht nach großen Gefühlen? 
 
ROTSEHEN
Video.js | HTML5 Video Player VOM UMGANG MIT DER WUT
 
 
"De ira – Über die WUT"
ist eine schriftliche Abhandlung von L. Annaeus Seneca,
ein römischer Philosoph, Dramatiker, Naturforscher, Politiker und
einer der meistgelesenen Schriftsteller seiner Zeit.
Er wurde ca. im Jahre 4 v.Chr. geboren und hatte augenscheinlich 
schon damals viel mit dem Phänomen der WUT zutun.

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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!
Kinder und Erwachsene aus Syrien, Afghanistan und dem Kosovo
malen gemeinsam von „stürmischen Zeiten“.

03 Januar 2017

ROTSEHEN - vom Umgang mit der Wut

Rot gilt als Farbe des Feuers oder des Blutes. Im Hebräischen haben die Worte Blut und Rot den gleichen Ursprung: Rot heißt "adom" und Blut heißt "dam". Mit Blut und Feuer verbinden wir positive und negative Eigenschaften. Dem Hass, dem Krieg, der Aggression und dem Blutvergießen stehen die Kraft, die Liebe, die Wärme und die Leidenschaft gegenüber. Rot ist ebenfalls die Farbe wilder Gefühlsausbrüche: Wenn man sich schämt oder wenn man wütend wird, errötet man. Wer die Kontrolle über sich selbst verliert, "sieht rot" und das, worauf wir gereizt oder aggressiv reagieren, wird zum „roten Tuch“. 
Die tief rot-orangenen Augen von dem Uhu Esmeralda haben mich zu der Installation ROTSEHEN inspiriert. Jetzt freue ich mich sehr darüber, dass diese Installation im neuen Jahr auf der Gera-Höhler Biennale in Gera zu sehen sein wird. Ein guter Start für 2017! Die Höhler in Gera gehören zu einem fantastischen, unterirdischen Tunnelsystem direkt unter der Altstadt. Genau das richtige Ambiente für die Installation, in deren Mittelpunkt die Augen eines Uhus stehen.
 
Bei einer internationalen Ausschreibung wie die für die Gera Höhler-Biennale reichen viele gute Künstler ihre Vorschläge, Ideen und Konzepte ein. Es ist eine attraktive Ausstellungsmöglichkeit, nicht nur, weil dort der Deutsche Installationskunst-Preis vergeben wird. Genommen werden am Ende von den vielen hundert internationalen  Bewerbungen ca. 20 Künstlerinnen. Daher werde ich hier Auszüge aus dem Konzept "ROTSEHEN - vom Umgang mir der Wut", einzelne Schritte der Realisierung und natürlich das Ergebnis, das Mitte Juni auf der Gera-Höhler-Biennale zusehen sein wird, hereinstellen.

Fotoskizzen aus dem Konzept: Materialproben - Inspirationsquelle - Simulation
 
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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!
Ein kleiner Junge aus Syrien, ca.5 Jahre alt, "hortet" rote Farben
aus Angst, sie könnten ihm wieder genommen werden.
Ein etwa gleich alter Junge aus Afghanistan malt einen ganzen Bereich der Tafel
hochkonzentriert und akribisch genau rot an.

23 November 2016

DIY & ZEN

Back to the roots – zurück zum Handwerk. Viele Menschen entdecken für sich gerade jetzt das Wunder des Handwerkens neu. Do-It-Yourself heißt das Zauberwort, und an vielen Orten wird zusammen gestrickt, genäht, gehäkelt und vieles mehr. Heraus kommen wunderschöne Unikate, die verschenkt, geliebt und bewundert werden können.
Beeindruckende Meister der Handwerkskunst kommen auch aus Japan. Sie beherrschen ihr Handwerk nahezu perfekt und üben es beharrlich und mit unendlicher Geduld aus. So entstehen fantastische Rauminstallationen mit gigantischen Ausmaßen. Vielleicht können solche Künstler nur deshalb aus Japan kommen, weil sie sich dort im ZEN geschult haben.
 
link >>> Chiharu Shiota
link >>> Motoi Yamamoto
 
ZEN in Japan ist weniger eine Glaubensrichtung, sondern vielmehr eine intuitive Lebenseinstellung, die schwer in Worte gefasst werden kann. Annähernd bedeutet ZEN: >>> in der Gegenwart zu leben und diese durch und durch zu erfahren >>> frei von den Ablenkungen und trügerischen Konflikten der materiellen Welt zu sein >>> und sich am grundlegenden Wunder des Lebens selbst zu erfreuen.
Um dieser Geisteshaltung nahezukommen, gibt es handwerkliche Rituale, die mit viel Beharrlichkeit und Hingabe zur Vollkommenheit reifen können: >>> die Kunst des Bogenschießens >>> die Schreibkunst >>> oder die Kunst der Gartengestaltung.
Vollkommenheit hört sich gut an, und so kam die Kunst des ZEN vor ca. 80 Jahren auch bei uns im Westen an. Nur genügten uns die herkömmlichen Ziele aus Japan nicht mehr, sondern wir reicherten sie mit gewinnträchtigeren und lukrativeren Elementen an. So entstanden zahlreiche ZEN-Variationen: von >>> Business-Zen über >>> Therapie-Zen bis zu >>> Wellness-Zen und >>> Street-Zen. Es gibt sogar ein >>> ZEN-DEPOT für ethisch-ökologische Geldanlagen und eine >>> ZEN-Akademie für Führungskräfte, die nachhaltige und kraftvolle Erfolge verspricht.
 
Alle diese ZEN-Angebote haben eines gemeinsam: sie sind unglaublich teuer.
+++
Seit einigen Monaten begleite ich eine junge Frau, die aus Afghanistan geflohen ist.
Sie ist knapp über 20 Jahre alt, hat vor wenigen Wochen eine Tochter bekommen und
bewohnt mit ihrem Mann einen knapp 12 m2 großen Container in einer Flüchtlingsunterkunft.
Sie hat in Kabul ihr Abitur gemacht und dort angefangen zu studieren.
Musste wegen einer Zwangsverheiratung aus dem Land fliehen und
wurde von Mitgliedern der Familie verfolgt, geschlagen und misshandelt. Sie konnte nur
mit Mühe einem Säureangriff entkommen. Trotz der permanenten Bedrohung
hat sie ihr Studium beendet, als Dolmetscherin gearbeitet und konnte schließlich
über viele Stationen hinweg bis nach Deutschland gelangen. Sie hat alle familiären,
kulturellen und persönlichen Wurzeln komplett verloren, hat einen
ungewissen Aufenthaltsstatus und steht vor dem Nichts. Sie ist zutiefst traumatisiert
und glaubt, dass ihr Leben jetzt zu Ende ist.
+++
Schade, dass diese hochdotierten westlichen Zen-Meister nicht einfach mal
komplett umsonst und entgegen jedem unternehmerischen Verstand in die Notunterkünfte
kommen können, um die inneren Wogen der dort wohnenden Menschen zu glätten.
 

Ein kleines Mädchen aus Afghanistan malt immer wieder
Schwärme von Menschen mit weit aufgerissenen Augen und Mündern.
 
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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!

02 November 2016

Die NACKTEN und die TOTEN

Die junge Frau, die ich zurzeit im Hospiz begleite, erzählte mit gestern, dass sie gerne ihren Seelenfrieden finden möchte. Sie glaubt, wenn sie ihren Seelenfrieden gefunden hat, könne sie leichter Abschied nehmen und sterben. Sonst würde ihr Sterben zur Qual werden, weil es etwas gibt, das sie hier festhält.
 
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Gestern war der erste November. In den Tagen um den ersten November herum wird überall auf der Welt der Toten (oder der toten Seelen) gedacht  - manchmal grau und ernst so wie hier bei uns, manchmal aber auch grellbunt, ausgelassen und fröhlich. Diese Tage haben so wundersame Namen wie Allerheiligen, Allerseelen oder  auch Tag der Toten. 
In Mexiko wird genau heute und gerade jetzt eben dieser Tag der Toten, der Día de Muertos gefeiert. Es ist eines der wichtigsten Feiertage dort überhaupt und von der UNESCO zum >>> Meisterwerk des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit ernannt. Nach altmexikanischem Glauben kommen die Toten einmal im Jahr zu Besuch aus dem Jenseits und feiern gemeinsam mit den Lebenden ein fröhliches Wiedersehen mit Musik, Tanz und gutem Essen. Der Tag der Toten ist alles andere als trüb und schwermütig. Ganz im Gegenteil, jedes Jahr werden mexikanische Friedhöfe und Hausaltare (ofrendas) mit Geschenken, Essen und Getränken (natürlich Tequila) dekoriert, um die Seelen der Verstorben zurück zur Erde zu locken. Die Seelen finden bei ihrem Besuch auf der Erde also all die Sachen wieder, die ihnen zu Lebzeiten so gut gefallen haben. Auf den Straßen herrscht buntes Treiben. Wohnungen werden prachtvoll mit Blumen, Kerzen und bunten Todessymbolen aller Art dekoriert. Es gibt sogar Totenkopfkekse mit Marzipan und schokoladenüberzogene Zuckerguss-Skelette zum Aufessen. Die lokalen Friedhöfe dienen dabei als Haupt-Austragungsort. Auf den geschmückten Gräbern wird zusammen gegessen, getrunken, musiziert, gesungen und gelacht. .

Alle Dinge sind beseelt.

Thales von Milet
(um 625 - 545 v. Chr.),
griechischer Philosoph und Mathematiker
>>> einer der Sieben Weisen <<<
 
 
 
Genau heute und gerade jetzt startet auch der US-Fotograf Spencer Tunick ein neues Kunstprojekt. Er versammelt zum Tag der Toten und anlässlich des >>> Calaca Festivals in San Miguel 300 nackte Menschen um sich, bekleidet sie mit hauchdünnen, transparenten Stoffen und lässt sie in den trockenen Graslandschaften von Mexiko umhergehen. 


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Es gibt andere Friedhöfe, an denen nicht nur heute, sondern über das ganze Jahr hinweg gespielt, flaniert und ausgeruht wird. Das sind die Friedhöfe im afghanischen Kabul. An den Wochenenden besuchen dort ganze Familien den Kart-e-Sakhi Friedhof. Der Friedhof liegt im Westen Kabuls und gehört zu den größten der Stadt. Er ist eine Oase des Friedens und der Ruhe. Ein Ort, an dem auch Frauen draußen an der frischen Luft sein können, ohne Angst haben zu müssen. Eine Oase des Friedens in einem zutiefst uneinigem Land – ein Ort, an dem man die Seele baumeln lassen kann. 
 
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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
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Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!

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Die Nackten und die Toten ist der 1948 erschienen Debütroman von Norman Tailer. Er schrieb selber dazu: "Der Riesenerfolg des Buches ,Die Nackten und die Toten' warf mich beträchtlich aus der Bahn, und ich verbrachte die darauffolgenden Jahre damit, das Leben zu verschlingen wie ein siegreicher Mann - obwohl ich noch gar kein Mann war und auch gar kein Talent, das Leben zu genießen. Ich war prominent, und ich war leer. Ich mußte das Leben wieder von vorn anfangen."

19 Oktober 2016

zwischen AGGRESSIV und KREATIV

Landläufig glaubt man, Adler, Habichte und Falken würden ständig in den Lüften kreisen um nach Beute Ausschau zu halten. Das stimmt so nicht. Greifvögel sind höchstens einmal am Tag aktiv und entwickeln dabei einen Stoffwechsel wie ein Hochleistungssportler. Die Beutejagd verlangt ihnen so viel ab, dass sie sich den Rest des Tages, also 23,5 Stunden, davon erholen müssen, sprich ausruhen. Falkner sagen dazu, sie „stellen“ sich auf. Die meiste Zeit des Tages verbringt der Greifvogel auf einem Baum oder einem Felsen. Still, beobachtend, man könnte fast meinen, er meditiert. Charakteristisch für Greifvögel ist also ihre zielgenaue Aggression in Kombination mit stundenlangen Ruhephasen, die man auch „Greif-Meditation“ nennen könnte.
 
Das Wort Aggression kommt aus dem Lateinischen und ist erst einmal wertneutral. Es setzt sich aus den Silben ag für „zu, nach hin“, gradi für „schreiten, festen Schrittes gehen“ und gradus für „Schritt“ zusammen. Aggression könnte man also von seinem Ursprung her mit „Festen Schrittes zu etwas hingehen“ übersetzen Demnach wäre jede zielgerichtete Aktivität als aggressiv einzustufen. Heute fasst man den Begriff Aggression natürlich wesentlich enger.

Das Wort Meditation kommt ebenfalls aus dem Lateinischen, und heißt übersetzt „nachdenken, nachsinnen, überlegen“. Der Ursprung der Meditation wird im Fernen Osten vermutet, genauer dem heutigen Afghanistan, wo sie vor gut 4000 Jahren als eine Art spirituelle Geistessschulung entwickelt wurde.
Heute befassen sich Neurowissenschaftler mit den Auswirkungen der Meditation auf unser Gehirn. Sie untersuchen beispielsweise die Gehirne von buddhistischen Mönchen während ihrer Meditation in einem MRT. Dabei haben sie festgestellt, dass regelmäßiges meditieren speziell den präfrontalen Kortex aktiviert und stärkt. Das ist der Bereich im Gehirn, der für unsere Entschlossenheit, unsere Handlungsbereitschaft, unser Planungsvermögen und unsere Problemlösungen zuständig ist – und der normalerweise leider eher schlecht entwickelt ist. Außerdem werden während einer Meditation im Gehirn Thetawellen erzeugt. Thetawellen (7 - 4 Hz) sind die Wellen des Unterbewussten. Sie kommen besonders im Traum, in der Meditation, bei Gipfelerfahrungen und während kreativer Zustände vor.
 
Kurz gesagt macht es die Mediation für uns also leichter, 
 kreativ, lösungsorientiert und punktgenau zu handeln.
Vielleicht können Greifvogel nur deshalb so zielgerichtet handeln,
weil sie die meiste Zeit des Tages meditierend zubringen?
 
Die roten Augen eines Uhu-Weibchens wechseln kaum merklich
zwischen unverhohlener Aggression und konzentrierter Beobachtung.

Ein Junge aus Afghanistan/Kabul malt ein feuerrotes Haus ohne Fenster und mit verschlossener Tür.

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DANKE! 
 

05 Oktober 2016

Der Zorn der Sterbenden


darüber spricht man nicht

 
Sterbende Menschen können manchmal richtig wütend werden. Dabei ist wütend noch eine harmlose Bezeichnung. Wutentbrannter oder blinder Zorn trifft es besser. Ich habe diese Wut, sterben zu müssen, mehrfach erlebt. Merkwürdigerweise betrifft das häufig Menschen, die in ihrem Leben Führungspositionen innehatten. Die es also gewohnt waren, weitreichende Entscheidungen zu treffen und dadurch das Leben vieler anderen Menschen nachhaltig mitzubestimmen. Menschen aus dem Management, der Wirtschaft, der Politik.
 
Sterbende halten ihre Wut am Lebensende nicht mehr zurück, sondern leben sie rückhaltlos aus. Sie zeigt sich in hochaggressiven verbalen Attacken, theatralischen Schimpftriaden, permanentem Nörgeln oder streitsüchtigen Bemerkungen. Kurz, sterbende Menschen können manchmal unausstehlich, hinterlistig und durchtrieben sein. Keiner ist davor sicher, weder Freunde, Familie, Kollegen oder andere nahestehende Menschen. 
 
Viele Angehörige und Wegbegleiter sind darauf in keiner Weise vorbereitet – wie auch – nehmen die aggressive Wut persönlich und wenden sich ab. Sie ist auch schwer zu ertragen, doch dahinter steht oftmals der Neid auf alle diejenigen, die nicht in absehbarer Zeit sterben müssen und weiterhin ihre Träume und Wünsche realisieren können.
 
Vor allem aber auch die Angst davor, dass es kein gutes Bild von ihnen geben wird,
das nach ihrem Tod in der Erinnerung der Hinterbliebenen einen Platz finden könnte. 
 
Welches Bild von mir möchte ich in den Köpfen der Menschen wissen, die mir wichtig sind?
 
Die Blüte des Zornes ist die Raserei.
Euripides

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die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!  
Milan, 8 Jahre alt, malt ein grellrotes Flugzeug,
einen Spähpanzer und ein Haus  mit einer grünen Tür.
Grün ist die Farbe der Hoffnung.
 

29 September 2016

Der Adler im Ameisenpanzer

Der menschliche Schöpfergeist kann verschiedene Erfindungen machen,
doch nie wird ihm eine gelingen,
die schöner, ökonomischer und geradliniger wäre
als die der Natur,
denn in ihren Erfindungen fehlt nichts,
und nichts ist zu viel.
 
Leonardo da Vinci
 
Die Evolution hat im Laufe der Zeit geniale Lösungen für Anpassungen an extreme Lebensräume entwickelt. Ob im Wasser, an Land oder in der Luft – wer überleben will, braucht besondere Fähigkeiten und Eigenschaften.
Die BIONIK ist ein Forschungsgebiet zwischen Biologie und Technik. Bioniker  versuchen, die Geheimnisse von Naturprinzipien zu entschlüsseln und sie als Vorbild für die Entwicklung neuer technischer Lösungen zu nutzen. Zum Beispiel untersuchen sie das Schwarmverhalten von Ameisen – um unseren chaotischen Verkehr besser lenken zu können, um Transportprobleme in den Begriff zu bekommen und um Massenpaniken bei Großveranstaltungen verhindern zu können.

Straßen von Ameisen
Straßen von Menschen

Das Schwarmverhalten von Ameisen, Fischen und Vögeln bietet erstaunlich viele, teils grotesk anmutende Parallelen zu unserem menschlichen Verhalten. So bietet ein Schwarm in erster Linie Schutz vor (Freß-)Feinden. Wenn etwas Fremdes näher kommt, dass uns möglicherweise bedrohen könnte, dann rücken wir erst einmal zusammen. Gemeinsam sind wir stark. Einer für alle. Alle für einen. Eine uralte Überlebensstrategie. Unter Vielen ist man sicherer als alleine.

 
Tierschwarm
Menschenschwarm

Nur, wo bleibt der Einzelne im Schwarm? Wo bleibt unsere Individualität, das Besondere, Unverwechselbare? Dafür scheint in einem Schwarm kein Platz zu sein. Wir finden in der Gemeinschaft zwar den Schutz, den wir brauchen – aber im Grunde kokettieren wir doch sehr mit dem Naturell eines Raubvogels. Sind fasziniert von seiner Einzigartigkeit, seiner Autonomie, seiner Stärke, seiner vermeintlichen Überlegenheit.
 

Vielleicht treffen wir oftmals solche merkwürdigen, absolut chaotischen und sich teilweise widersprechenden Entscheidungen, weil wir ständig zwischen den beiden Extremen hin-und-herspringen: den Schutz der Gemeinschaft auf der einen Seite, und die Lust an der Einzigartigkeit auf der anderen.
 
>>> Der Adler im Ameisenpanzer <<<

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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE! 
Ein junger Mann aus Kabul zeichnet Eindrücke seiner Überfahrt:
unter dem Boot befindet sich Fischschwarm und ein Hai.