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13 März 2019

VERBLÜHEN & VERWELKEN

KünstlerInnen sind immer ein Stück weit Forscher, wenn auch mit höchst eigenartigen Methoden: Feldforscher, Naturforscher, Gefühlsforscher, Chaosforscher, Erinnerungsforscher. Traumforscher, Wortforscher. Ich erforsche zurzeit das „Wesen der Glut“. Dabei bin ich auf eine Forschungsreihe gestoßen, die ich vor 12 Jahren begonnen habe, die aber nie – obwohl sehr akribisch gemacht – einen Weg in die Öffentlichkeit gefunden hat. Manchmal müssen Ideen reifen wie ein guter Wein.
 
Victor Hugo sagt: Nichts auf der Welt ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist.
 
Und wenn die Zeit gekommen ist, dann muss man sie am Schopfe packen. Das mache ich jetzt und heute und gebe der 12 Jahre zurückliegenden Hibiskus-Forschung einen Raum, betrachte sie als ein Geschenk an mich selbst und stelle ihr das Gedicht „Du musst das Leben nicht verstehen“ zur Seite.

VERBLÜHEN

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Du musst das Leben nicht verstehen,
dann wird es werden wie ein Fest.
Und lass dir jeden Tag geschehen
so wie ein Kind im Weitergehen von jedem Wehen
sich viele Blüten schenken lässt.
 
Sie aufzusammeln und zu sparen,
das kommt dem Kind nicht in den Sinn.
Es löst sie leise aus den Haaren,
drin sie so gern gefangen waren,
und hält den lieben jungen Jahren
nach neuen seine Hände hin.
Rainer Maria Rilke, 8.1.1898, Berlin-Wilmersdorf
 
VERWELKEN

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Und so kann das Ganze als Rauminstallation aussehen:



26 Januar 2017

Adlerschwingen und Flüstertöne

Von der Macht des Geistes und der Kraft der Gedanken sind viele Menschen überzeugt. Es gibt weltweit große geistige und spirituelle Führer, die Glück, Erfolg, Gelassenheit, innere Zufriedenheit und Sinn versprechen. Im Stil des „Time“-Magazins, das jedes Jahr eine Liste der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten zusammenstellt, und des “Forbes”-Magazins, das die Mächtigen der Welt in Rangfolge auflistet, veröffentlicht das englische Magazin “Mind Body Spirit” jährlich eine alternative Liste der 100 spirituell einflussreichsten lebenden Personen. Sie reicht vom Dalai Lama über den Papst bis hin zu Paulo Coelho und Marianne Williamson. Allen gemeinsam ist, dass sie Veranstaltungen in riesige Hallen füllen – gerade und komischerweise in Amerika - sie werden zum gefeierten spirituellen Event und spiegeln die Sehnsucht tausender Menschen, ihr geistiges Chaos zu entwirren.
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Die junge Frau, die ich beim Sterben begleite, wird Angesicht ihres Todes immer hellhöriger für Botschaften aus einer vermeintlich anderen Welt. Sie träumt intensiver und lässt Erinnerungen zu, die sie lange verdrängt hat. Erinnerungen an Gestalten, die sie als Kind gesehen hat, an Träume, die ihr wichtig sind, an Worte, die ihr zugeflüstert worden sind. Ich schreibe dieser Frau nach unseren Treffen immer „Neue Anfänge“ und schicke sie ihr zu. Das ist ein gewachsenes Ritual und die zugeschickten „Neuen Anfänge“ geben ihr die Möglichkeit, die Dinge um sie herum zu ordnen und weiter oder anders darüber nachzudenken.
 
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Auszug aus „Neuer Anfang Nr. 20:

…  Eigentlich begleiten sie mich schon ein Leben lang. Merkwürdig, dass mir das erst jetzt so richtig bewusst wird. Lange Zeit habe ich es einfach ausgeblendet und Strategien entworfen, um nichts zu bemerken. Aber wenn ich genau hinsehe, dann waren sie eigentlich immer um mich herum, haben mich nie alleine gelassen: Stimmen, Gestalten, Schatten.
 
Als Kind sah ich sie in meinem Elternhaus, aber auch draußen, auf Spielplätzen, Straßen und Wäldern. Meine Umgebung war geradezu bevölkert von Gestalten, die immer vom Boden bis zur Decke reichten. Drinnen waren sie schon groß, draußen wuchsen sie ins Unermessliche. Riesenhafte Gestalten mit großen Köpfen und langen Gliedmaßen, die mich ein bisschen an die alten Wäscheklammern meiner Mutter erinnerten. Mit geschlossenen Augen und Mündern standen sie einfach da, beobachtend. Sie waren mir vertraut. Ihre Anwesenheit beruhigte mich nicht nur, sie gehörten einfach dazu, sie waren normal. Sie waren anders als alles, was ich bisher gesehen habe, aber sie waren wunderschön. Sie begleiteten mein Leben. ...
 
 
 
 
 
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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!
Ein kleiner Junge malt das Blaue vom Himmel herunter.


09 November 2016

HEUTE MAL *** ANDERS/ Teil III

HEUTE MAL >>> anfangen

„Nichts ist leichter als Selbstbetrug, denn was ein Mensch wahrhaben möchte, hält er auch für wahr.“ Das sagte der bedeutende griechische Redner Demosthenes schon vor 2500 Jahren. Manchmal kommt mir der Verdacht, dass wir seit dem kaum noch etwas dazu gelernt haben. Alles, was wir heute über uns wissen, das wussten die klugen Köpfe damals im alten Griechenland auch schon.

Demosthenes sagte ebenfalls: „Kleine Gelegenheiten sind häufig der Anfang großer Unternehmen.“ Übersetzt heißt das wohl, dass es gar nicht die großen Ideen, Projekte, Konzepte und Pläne sind, die die Welt verändern, sondern dass es vielmehr die kleinen, oftmals unbeachteten, manchmal alltäglichen Dinge sind, die einen Berg ins Rollen bringen können. Das könnte man ja ausprobieren: wenn ich an „kleine Gelegenheiten“ denke, dann denke ich zum Beispiel an einige junge Frauen, denen ich auf meiner Pilgerreise nach Santiago de Compostela immer wieder begegnet bin. Sie trugen eine kleine Tasche mit bunten Bändern bei sich. Sobald sie in einer Herberge angekommen sind, haben sie sich ein schönes Plätzchen gesucht und angefangen, aus den bunten Bändern farbenfrohe Freundschaftsbänder zu knüpfen – um diese dann auf ihrem weiteren Weg gleich weiter zu verschenken. Seitdem faszinieren mich diese Bänder – auch, wenn ich ihre Knot-und Knüpftechniken nicht verstehe.
Das wäre eine schöne "kleine Gelegenheit" zum HEUTE MAL>>> anfangen: jeden Tag ein Freundschaftsband knüpfen – und das dann gleich weiter verschenken. Ich bin gespannt, welches große Unternehmen aus dieser kleinen Handlung heraus entstehen könnte. „Sich selbst zu überraschen ist, was das Leben lebenswert macht.“ Das sagte der irische Schriftsteller Oscar Wilde vor 50 Jahren.
 
 
Der Anfang ist gemacht. Das erste geknotete Armband
aus Paketschnur, weißen Baumwollfäden und einer Unterlegscheibe ist fertig.
Nun muss es nur noch verschenkt werden.
 
und so ist das Armband entstanden:
 
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Heute fängt auch am anderen Ende der Welt etwas Neues an. Und ich hoffe sehr,
das sich die Sorgen und Befürchtungen so vieler Menschen (auch meiner eigenen) nicht bewahrheiten werden.
 
 
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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!
Die Botschaft einer jungen Frau aus Afghanistan.
 

28 Juni 2016

GHOSTWRITER

Die Welt ist voller Muster. Muster spiegeln unsere Gewohnheiten, Routinen, Schönheitsideale. Es gibt Zeiten, in denen Muster keine Gültigkeit mehr haben, wenn kein Tag mehr wie der andere ist. Zeiten, die aus dem gewohnten Rahmen fallen, sind oftmals Extremsituationen, Ausnahmezustände und voller Geheimnisse.
 

Seit vielen Monaten begleite ich eine junge Frau, die sterben wird. Seit einigen Wochen bin ich ihre Ghostwriterin, d.h. ich schreibe für sie ihre Gefühle, Stimmungen und Gedanken auf, die sie mir mitteilt. Ihr selbst fehlt die Kraft dazu. Ich schreibe ihr kurze Texte, in denen sie sich wiederfinden kann. Sätze, die Räume zum Nachdenken und Türen zum Weiterdenken öffnen. Einer dieser Texte geht so:


Auszug
Schönheit
Seit gestern sind meine Fingernägel wieder so, wie sie sein sollen. Orange. Monatelang habe ich sie vernachlässigt. Ich hatte keine Zeit und keine Kraft für Maniküre, obwohl mir meine Hände viel bedeuten. Ich mag meine Hände, sie sind lang und ausdrucksstark. Jetzt, mit orangefarbenen Fingernägeln und dem Piercing am rechten kleinen Finger schaue ich sie mir wieder gerne an, lasse sie für sich sprechen.
 

Die Veränderungen meines Körpers möchte ich mir am liebsten nicht anschauen, möchte wegsehen und sie verstecken. Sie stimmen nicht mit meiner Vorstellung von Schönheit überein. Früher war ich stolz auf meine Rundungen, meinen Busen, mein Dekolleté, meinen Hintern. Ich fühlte mich begehrenswert und sexy. Ich fühlte mich nicht nur so, ich war es auch.

Heute bin ich dünn und finde keine Rundungen mehr. Lange habe ich nicht mehr richtig in den Spiegel geschaut. Ich kann mein Spiegelbild nicht ausstehen, empfinde meinen Körper beinahe als eine Zumutung, weil er meine Krankheit und meinen Zustand verrät. Doch auch das verändert sich.
Manchmal mache ich mich schön, verwöhne mich und lasse mich verwöhnen. Duftende Bäder und Makeup. Ich mag nach wie vor nicht gerne in den Spiegel schauen, mag dem, was mich anschaut, nicht begegnen. Aber manchmal werfe ich doch einen verstohlenen Blick hinein und spüre die Schönheit, die in mir ist. Eine neue Schönheit. Eine unbekannte Schönheit. Eine entspannte Schönheit, die mit sich im Einklang ist – oftmals.

Manchmal bin ich richtig neugierig auf diese neue Schönheit.




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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die gerade in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE! 
 

Fensterreihen, Vogelschwärme, Häuser
Kinder aus Syrien, Afghanistan und dem Kosovo
7 Tage nach ihrer Flucht







05 Januar 2016

WEGE & UMWEGE - weitergehen

Liebe AMEIZON-Freund(-innen), Nacht-Schwärmer(-innen) und Lebenskünstler(-innen)
 
Das AMEIZON-Projekt neigt sich nach 15 Monaten dem Ende. Durch die vielen Einträge und Veröffentlichungen über „Ameisenschwärmen, Pilgerwegen und Internetgiganten wie Amazon“ durfte ich in dem vergangenen Jahr viel mit und von euch lernen:
 
  • Ohne diesen blog wäre meine Teilnahme an dem bundesweiten Pilotprojekt für Künstler zu dem Thema DIVERSITÄT an der Bundesakademie in Remscheid nicht möglich gewesen
  • Die daraus entstandenen Kunstaktionen vor Hamburger Notunterkünften mit geflüchteten Menschen aus aller Welt, aus der so viele unglaubliche Bilder entstanden sind, haben darin ihren Ursprung
  • Auf der Ameisenwarte in Bayern durfte ich alles über Ameisen erfahren und bin jetzt stolze und zertifizierte (Stadt-)Ameisenhegerin mit einem offiziellem „Ameisenhegeschein“
  • Natürlich konnte ich meiner Lust am Schreiben endlich einmal richtig frönen
  • und viele Ideen „zu Ende denken“
  • Die Blog-Aktion „Foot-Shooting“ skizzierte meine neue Installation über
    (eigene+fremde)(flucht+pilger)WEGE
  • Und letztendlich durfte ich mit diesem kleinen Ausflug in die Gefilde des „social-media“  Möglichkeiten und Grenzen hautnah erleben. 
 
Jetzt werde ich mich auf meine kommende Ausstellung konzentrieren. Sie findet im Flandernbunker/ Kiel statt – ein sehr markanter Ausstellungsort – und wird am 8. Mai eröffnet. Ich kenne diesen Bunker gut, denn ich habe dort schon vor 25 Jahren „gearbeitet“, also Rauminstallationen entworfen, fotografiert, gefilmt, vertont, collagiert. 
 
BUNKER#HEIMAT
wird die Ausstellung heißen und ein Logo gibt es auch schon dazu. 
 
 
Natürlich werden dort auch Themen, die in diesem blog vorgekommen sind, auftauchen. Vieles davon wird mit einfließen. Daher bedanke ich mich besonders für die vielen wertvollen Kommentare, für eure Treue und für eure Anregungen. 
 
 
 Ich würde mich sehr freuen, euch auf der Ausstellung im Mai begrüßen zu dürfen.
Mit einem großen DANKESCHÖN! verabschiedet sich die AMEIZON-Hegerin

mit einem Lieblingszitat von der Königen.

Zu einem guten Ende gehört ein guter Anfang
Konfuzius

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alle weiteren Informationen: