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20 August 2019

SEI ENDLICH – Mode mit Sinn

VON DER KUNST, DIE EINMALIGKEIT AUSZUHALTEN
 Jeder Moment ist einmalig. Jeder.
Wenn etwas einmalig ist, dann ist es etwas Besonderes,
etwas Unwiederbringliches, etwas Kostbares.
 
Wir Menschen neigen dazu, der kostbaren Einmaligkeit eines jeden Moments auszuweichen. Einmaligkeit erinnert an Vergänglichkeit und an die panische Angst, etwas zu verlieren. Trotz der immer größer werdenden Sehnsucht nach dem HIER UND JETZT suchen wir nach Berechenbarkeit und Wiederholbarkeit. Wo ist dieses geheimnisvolle JETZT?
 
Alle wissenschaftlichen Entdeckung beruhen auf Versuchsanordnungen, die jederzeit exakt wiederholt werden können. Industrielle durchrationalisierte Produktionsketten garantieren ein immer gleiches Ergebnis. Gesetze und Regelwerke gelten zumindest auf dem Papier für jeden Menschen gleich. Versicherungen grenzen jedes unkalkulierbare Risiko aus und die Gesetze des logischen Denkens strafen jedem intuitiven Gefühl lügen. Wenn etwas wiederholt werden kann, dann wird es sicher, kalkulierbar, ersetzbar – und käuflich.
 
In der Kunst begegnen wir der Einmaligkeit, dem Unikat, der Magie des Augenblicks, dem Musenkuss. Die Kunst besteht darin, die Einmaligkeit zu entdecken, dem flüchtigen Moment einen Raum zu geben, ihn Besonders zu machen, poetisch zu verdichten – und seine Vergänglichkeit auszuhalten.

Es gibt Gebrauchsanweisungen, um das persönliche Glück neu zu finden, wie das Glücks-Tagebuch auf dem Nachttisch, in denen man täglich mindestens drei Dinge hereinschreibt, die gut verlaufen sind und zum eigenem Glück beitragen könnten. Warum nicht ein Buch über die Einmaligkeit eines Tages schreiben, um sich an die Vergänglichkeit und damit an den Wert eines Augenblicks zu erinnern?
Oder ein Mode-Label entwerfen, um sich die Erinnerung an das HIER UND JETZT auf den Körper zu schreiben. Mit Wort-Bildern wie: sei endlich – endlich sein – ganz da – jetzt zeit – be now – hier und jetzt


 
Selbstverständlich mit Biosiegel, nachhaltig produziert und für jedes verkaufte Teil gibt es 5% Spenden an ambulante und stationäre Hospizdienste, Palliativ-Care-Teams und Trauerarbeitsgruppen. 
 
MODE MIT SINN



 

21 März 2019

OM(G)_2.0 >>> Teil I

Glut ist ein Sinnbild für extreme Gefühle. Sie reichen von dem sprichwörtlichen glühenden Zorn bis zur brennenden Liebe. In der Literatur, im Film, in der Philosophie und in der Kunst. Im religiösen Kontexten beschreibt Glut sowohl den vernichtenden Zorn Gottes als auch die hingebungsvolle Zuwendung der Gläubigen.
Im Weltverständnis des frühen vedischen Kultur Indiens ist die Glut – auch Tapas genannt - eine Urenergie, die das Denken und Fühlen bewegt, die lebendig macht und über das hinausführt, was gegeben ist. Sie entsteht aus Reibung zwischen dem Offenbaren und dem Unsichtbaren, dem Wort und dem Geist, dem Atem und dem Ich.
 
Glut symbolisiert die energiegeladene Sprengkraft zwischen einer willkürlichen, alles vernichtenden Urgewalt und der aufbauenden Kraft universeller Hingabe und Liebe. Tatsächlich findet Glut mit ihrer extrem zerstörerischen und gleichsam erneuernden Eigenschaft im Erdinneren ihre Entsprechung. Glühendes Eisen ist zusammen mit Nickel wahrscheinlich der Hauptbestandteil des Erdkerns und erzeugt mit seinen thermischen Kräften im äußeren Kern das Erdmagnetfeld.
 
Um diesem ambivalenten, zutiefst polarisierenden Wesen der Glut auf die Spur zu kommen, habe ich Video-und Klangaufnahmen in einer Eisengießerei machen dürfen. Für die Installation OM(G)_2.0 erforsche ich den Rhythmus und das Wesen der Glut - und den schmalen Grat zwischen Liebe und Wut, wenn es um große Gefühle geht.

Glut-Rhythmus 1. Versuch mit "Schlacke": Film ab + Ton ab
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13 März 2019

VERBLÜHEN & VERWELKEN

KünstlerInnen sind immer ein Stück weit Forscher, wenn auch mit höchst eigenartigen Methoden: Feldforscher, Naturforscher, Gefühlsforscher, Chaosforscher, Erinnerungsforscher. Traumforscher, Wortforscher. Ich erforsche zurzeit das „Wesen der Glut“. Dabei bin ich auf eine Forschungsreihe gestoßen, die ich vor 12 Jahren begonnen habe, die aber nie – obwohl sehr akribisch gemacht – einen Weg in die Öffentlichkeit gefunden hat. Manchmal müssen Ideen reifen wie ein guter Wein.
 
Victor Hugo sagt: Nichts auf der Welt ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist.
 
Und wenn die Zeit gekommen ist, dann muss man sie am Schopfe packen. Das mache ich jetzt und heute und gebe der 12 Jahre zurückliegenden Hibiskus-Forschung einen Raum, betrachte sie als ein Geschenk an mich selbst und stelle ihr das Gedicht „Du musst das Leben nicht verstehen“ zur Seite.

VERBLÜHEN

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Du musst das Leben nicht verstehen,
dann wird es werden wie ein Fest.
Und lass dir jeden Tag geschehen
so wie ein Kind im Weitergehen von jedem Wehen
sich viele Blüten schenken lässt.
 
Sie aufzusammeln und zu sparen,
das kommt dem Kind nicht in den Sinn.
Es löst sie leise aus den Haaren,
drin sie so gern gefangen waren,
und hält den lieben jungen Jahren
nach neuen seine Hände hin.
Rainer Maria Rilke, 8.1.1898, Berlin-Wilmersdorf
 
VERWELKEN

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Und so kann das Ganze als Rauminstallation aussehen:



16 Januar 2019

WUT_GLUT_MUT


Heiße Gefühle & heilige Bücher
 
Alle reden von Gefühlen – aber keiner traut sich, sie zu zeigen. Außer Künstler*Innen vielleicht - die werden dafür bezahlt. Eine ganze Unterhaltungsindustrie lebt von zur Schau gestellten Gefühlen. Was früher die Wandgemälde von Michelangelo, die Mysterien des Hieronymus Bosch oder die Höllendarstellungen der Gebrüder Bruegel waren, sind heute Dokusoaps wie „Dschungelcamp“, (GNTM) „Germany next Topmodel“, (DSDS) „Deutschland sucht den Superstar“ und „Richterin Salesch“.
Außerhalb der Kunst und der Unterhaltungsindustrie wird das Zeigen von Gefühlen mit einem oftmals peinlichen Kontrollverlust gleichgesetzt. Wer sich zu großen Gefühle wie unbändige Wut, bohrender Neid, abgrundtiefe Trauer oder auch überbordende Freude bekennt, wird schräg angeschaut. Man nimmt Abstand, das macht Angst. Hier wird bei Beerdigungen nicht lauthals geweint wie in anderen Kulturkreisen – und auch nicht vor Freude auf der Straße getanzt.
Im Grund sind wir eine ziemlich gefühlsarme Gesellschaft, komplett ungeübt im Umgang mit unseren Basisemotionen, die ja im Grunde einen wesentlichen Bestandteil unserer menschlichen Existenz ausmachen. Schon im Kindergarten werden Gefühle limitiert, negativ besetzt und in Schule und Beruf haben sie nichts mehr zu suchen.

Wo ist ein Raum für Gefühle?  

Heilige Bücher aller Religionen sind voll von ihnen. Die Bibel, der Koran, die Veden oder der Thanach sind gefüllt mit heißen, glühenden, brennenden Gefühlen - Trauer, Wut, Liebe, Zorn, Neid, Überraschung, Furcht und Ekel - poetisch ausgemalt in klangvollen Bildern.
Vielleicht ist das der Grund, warum im Namen Gottes, Allahs und Jahwes so viele erbitterte Kriege und furchterregende Auseinandersetzungen stattfinden. Weil jede Art von Spiritualität große Gefühle weckt, sie zum Ausdruck bringt, sie nahezu einfordert. Und wir als komplett Ungeübte im Umgang mit großen Gefühlen können angesichts brennender Liebe und  glühendem Zorns leicht ins Schwimmen geraten.
 
 
Angst vor dem Ertrinken. 
Hesekiel 24,11
Stelle den Topf leer auf die Glut, damit er heiß wird und sein Erz glüht
und seine Unreinheit schmilzt und sein Rost abgeht!

 Hohelied 8,6
Setze mich wie ein Siegel auf dein Herz und wie ein Siegel auf deinen Arm.
Denn Liebe ist stark wie der Tod, und ihr Eifer ist fest wie die Hölle.
Ihre Glut ist feurig und eine Flamme des HERRN. 
 Markus 8
Denn wer sein Leben behalten will, der wird's verlieren; und wer sein Leben verliert
um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird's behalten. Denn was hilft es dem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen und Schaden zu nehmen an seiner Seele?  
 Matthäus 5,44
Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde; segnet, die euch fluchen;
tut wohl denen, die euch hassen; bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen.
Mose 1 29,14
Fürwahr, du bist von meinem Gebein und Fleisch.
Psalm 44,6
Herr, in deinem Namen zertreten wir unsere Gegner!
 

05 Juli 2018

MUMMENSCHANZ

Nach einer kleinen Pause – in der eine Reise nach Anafora in Ägypten, ein Aufbau der Installation ROTSEHEN auf der Nordart und eine Einladung nach Ulaanbaatar in der Mongolei meine ganze Aufmerksamkeit gefordert hat – geht es jetzt endlich weiter mit
 
DENKEN IN BILDERN
und der Frage
Warum ist das Vermummen auf Demonstrationen verboten und auf Prozessionen erlaubt?

Auf Demonstrationen muss die Identität jedes einzelnen nachgewiesen werden können. Wenn das nicht möglich ist, droht eine einjährige Haftstrafe. Das gilt jedoch nur für die Teilnehmer, nicht für die begleitenden Polizisten. Die dürfen unerkannt bleiben.
Bei Prozessionen ist das Vermummen und Verschleiern ausdrücklich erlaubt und gewünscht. Prozessionen gibt es seit tausenden von Jahren, sie sind ein wesentlicher Bestandteil vieler Religionen, eine Art ritueller Fußmarsch zu einem bestimmten Ort. Auf Prozessionen wird maskiert, verschleiert, vermummt und es entstehen große Gruppen von Menschen, die alle gleich aussehen. Rein optisch gesehen gibt es kaum noch einen Unterschied zwischen Nonnen, Mönchen Burka-Trägerinnen, und anderen Teilnehmern. Alles sieht sich zum Verwechseln ähnlich. Auf der Prozession auf La Palma zur Heiligen Woche sehen die Büßer wie Mitglieder des rassistischen und gewalttätigen Ku-Klux-Klans aus. Unter den Verschleierungen scheinen sich alle Religionen, Weltanschauungen und Überzeugungen optisch zu vermischen.
 
Die Individualität des Einzelnen rückt in den Hintergrund und es ist nicht mehr wichtig, dass wir als ein einzigartiges Wesen gesehen und anerkannt zu werden. Stattdessen werden wir Teil eines Ganzen, das in sich eine eigenständige Kraft hat und ein faszinierendes Eigenleben entwickeln kann. Eine Eigendynamik, die kaum aufzuhalten ist. Wir bekommen sie spielerisch auf Flashmobs und Critical-Mass-Aktionen zu spüren und ganz elementar dann, wenn viele Menschen etwas gemeinsam wollen und ihre eigenen Bedürfnisse, Wünsche und Besonderheiten dahinter zurückstellen.
 
Vermummte
Polizisten
Katholische Nonnen
Burka-Trägerinnen
Katholische Nonnen
Mönche Pathos
Buddhistische Mönche
Kardinäle
 
Das kann Angst machen - muss aber nicht.
 
Heilige Woche La Palma

17 Januar 2018

MENSCHEN & MUSTER


Ich bin eigentlich ganz anders, aber ich komme selten dazu.
Ödön von Horvath

Mein Tag ist geprägt von Mustern: Denkmuster, Essmuster, Glaubensmuster, Wahrnehmungsmuster, Beziehungsmuster, Tagesmuster, Bewegungsmuster. Sie ziehen eine Spur durch mein Leben und beeinflussen meine Handlungsmöglichkeiten.


Wieviel am Tag gestalte ich eigentlich noch selbst – und wieviel vom Tag ist einfach nur ein sich ständig wiederholendes Muster?

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Carpe Diem – Pflücke den Tag

03 Januar 2018

Die Kraft der Vorstellung >>> Teil I

Auf meiner 33-tägigen Pilgerreise von Pamplona nach Santiago de Compostela habe ich eines gelernt: wenn ich mein Ziel sehe – die Spitze eines Kirchturmes zum Beispiel – dann komme ich auch an, egal, wie weit es bis dahin noch sein mag. Eine Erkenntnis, die durchaus alltagstauglich ist. 

Wenn ich also eine bildliche Vorstellung von dem habe, was ich erreichen möchte, dann besteht eine gute Chance, diese auch in die Tat umsetzen zu können. Je klarer die Vorstellung, desto besser. Vorstellung meint in diesem Fall, ein konkretes inneres Bild vor Augen zu haben und/oder eine erkennbare Vision auf dem Papier zu erstellen. Für mich ist es absolut verblüffend, wie sehr sich die ersten Ideen-Skizzen meiner Installationen in der tatsächlichen Umsetzung wiederfinden. Und wie im Laufe der letzten zehn Jahre diese Art von Visualisierung immer realistischere Formen angenommen hat.
 
 
2008
 
2010

2011

2011/2014

2016/17
 

Vorstellungskraft scheint wie ein Muskel zu sein, den ich trainieren kann.
Wie stelle ich mir also 2018 vor?
 
In diesem Sinne wünsche euch ich ein wunderschön-kreatives neues Jahr
mit vielen schönen, nachhaltigen und tiefgründigen Ideen!

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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte. DANKE!
Kinder aus den Notunterkünften malen gemeinsam an ihren Wunsch nach einem eigenen, geschützten Zuhause.
 

01 Dezember 2017

memento mori >>> Was bleibt?

Nach einer „schöpferischen“ Pause – in der es den Deutschen Installationskunstpreis 2017 in der Kategorie Publikumspreis für die Installation ROTSEHEN in Gera für mich gab – VIELEN LIEBEN DANK DAFÜR, WAS FÜR EINE WUNDERBARE ANERKENNUNG – eine unglaublich beeindruckende Islandreise hinter mir liegt und hoffentlich ein interkulturelles Austauschprojekt in der ägyptischen Wüste vor mir – bin ich jetzt wieder da. Mit neuen Fragen zum Leben, zum Sterben und zur Kunst im Gepäck freue ich mich sehr auf euch!
 

memento mori >>> was bleibt?
Nicht alle aber viele Menschen wünschen sich, über ihren Tod hinaus in möglichst guter Erinnerung zu bleiben. Unzählige Grabsteine mit den Namen oder dem Abbild der Verstorbenen sind Zeugnis dieser Sehnsucht. Dem Wunsch, dass etwas bleibt, unzerstörbar und in Stein gemeißelt: der eigene Name als Teil der persönlichen Identität. 

nomen est omen – der Name ist ein Zeichen


Weltweit gibt es WALL OF NAMES oder WALK OF FAMES, die diese Sehnsucht publikumswirksam sichtbar machen. Begehbare Gedenkorte meist für Kriegsheld*Innen, Holocaust-Opfer, Prominente oder berühmte Wissenschaftler*Innen, Denker*Innen und Künstler*Innen. Menschen, die es aufgrund von außergewöhnlichen Leistungen, Fähigkeiten oder Umständen „zu etwas gebracht haben“, „sich einen Namen gemacht haben“.

 
Menschen, die sich allein dadurch auszeichnen, gute zwischenmenschliche Beziehungen gepflegt zu haben und für ihre Mitmenschen in wertvoller, liebender Erinnerung geblieben sind, die im Zusammenleben oder Zusammensein etwas Besonderes hinterlassen haben – Worte, Gefühle, Gerüche, Eindrücke, Geschichten, Erlebnisse - das möglicherweise über Jahre hinaus für die Hinterbliebenen spürbar sind, bekommen so eine öffentliche Anerkennung nicht.
Warum eigentlich nicht?


Alltagsheld*Innen 
Heilige des Alltags

28 Juli 2017

TAG des ZORNS - Teil 1

In Jerusalem ist heute von der palästinensischen Fatah der TAG DES ZORNS ausgerufen worden. TAGE DES ZORNS wurden schon oft und in vielen Ländern ausgerufen, jedes Mal verbunden mit Gewalt und meistens im Namen irgendeines Gottes.
Der TAG DES ZORNS heißt auf lateinisch DIES IRAE und ist der Anfang eines christlichen Liedtextes aus dem Mittelalter. Die Melodie des Liedes gleicht einem gregorianischen Gesang und wurde auf Totenmessen, zu Allerheiligen oder im Stundengebet lautstark gesungen. Die ältesten Strophen dieses Liedes stammen aus dem 12. Jahrhundert.
 
DIES IRAE Originalsequenz aus dem 13. Jahrhundert
 
Der Originaltext beschreibt wortgewaltig und poetisch die Schrecken des Jüngsten Gerichtes mit all seinem Wehen und Zagen und Schaudern und Richten. Dieser fast 800 Jahre alte Gesang TAG DES ZORNS bzw. DIES IRAE ist bis heute eine Inspirationsquelle für Komponisten, Filmemacher, Maler und Schriftsteller. So gibt es berühmte DIES-IRAE-Requiems u.a. von Verdi, Mozart oder Benjamin Britten.

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Zorn, Wut und Gewalt scheinen untrennbar mit uns Menschen verbunden zu sein. Kein anderes Lebewesen besitzt die Fähigkeit, sich in diesem Ausmaß gegenseitig wehzutun, zu quälen und zu verstümmeln (höchstens vielleicht Ameisen). Allen Anschein nach mangelt es uns an der Weisheit, unsere Aggression zu kontrollieren und sie im Zaum zu halten.
 
Zitat: Mahatma Ghandhi 
Wut ist ein Geschenk. Wir sollten uns nicht für unsere Wut schämen. Sie ist eine sehr gute und sehr mächtige Sache, die uns motiviert. Aber wofür wir uns schämen müssen, ist die Art, wie wir sie missbrauchen.
 
 
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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!
"eingesperrte Sonnen"

13 Juli 2017

ART & ANIMALS

Die Sommerpause ist vorbei. Nach einer unglaublichen (Zeit-)Reise in ein koptisches Kloster nahe bei Kairo/ Ägypten – ein Kunstprojekt darüber ist in Arbeit und wird selbstverständlich hier zusehen sein – einer wundervollen Wanderung in den Schottischen Highlands und drei Ausstellungseröffnungen geht es jetzt weiter mit: 
Kunst mit Tieren ist seit den frühen Höhlenzeichnungen ungebrochen im Trend. Auf der aktuellen documenta in Kassel sind am Sonntag die pittoresken Goldenen Reiter von Ross Birell nach einem 100 Tage langen und 3000 Kilometer weiten Ritt aus Athen angekommen. Von tausenden Besuchern freudig erwartet und umjubelt wurden die „documenta-Reiter“ und der „Götterhengst Hermes“ begeistert in Empfang genommen. Anne Imhoff, die gerade den goldenen Löwen der Biennale in Venedig gewonnen hat, benutzt für ihre wunderbaren Kunstaktionen auch Wachhunde und Esel. Und Joseph Beuys wurde weltberühmt, als er sich in einer New Yorker Galerie mit einem Kojoten zusammen einsperren ließ.
 
Anne Imhoff 2013 - Joseph Beuys 1974 - Ross Birell 2017
Warum ist Kunst mit Tieren so attraktiv? Vielleicht, weil wir Menschen die Tiere insgeheim um ihre Selbstverständlichkeiten beneiden. Sie leben vollkommen im Hier und Jetzt (wenn auch instinktgesteuert), stellen sich selbst und andere nicht in Frage und haben keine Angst vor dem Tod und dem Sterben. 
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Die Kunstinstallation ROTSEHEN – VOM UMGANG MIT DER WUT, die gerade auf der Höhler Biennale in Gera gezeigt wird, hieß ursprünglich „Der Schrei der Esmeralda“. Esmeralda ist ein junges, wildes, freiheitsliebendes Uhuweibchen. Im Zuge der Videoarbeit mit Esmeralda und anderen europäischen Uhus konnte ich ihr natürliches und überlebenswichtiges Aggressionspotential visuell erforschen und es mit den aktuellen „wütenden Zeiten“ in Beziehung zu setzen.
  
HÖHLER BIENNALE 2017 - Gera / Auswahl Deutscher Installationskunstpreis
7-Kanal-Videoinstallation - 1 Raspberry Pi-Netzwerk - 1 Sound Surround System














 
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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet, die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden. Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte. DANKE! 

Kinder und Erwachsene malen und zeichnen immer wieder Fische.
Fischschwärme umgeben von Raubfischen, die Schiffe begleiten. Fluchterfahrungen.

 

09 März 2017

Sinfonie des Zufalls

Wenn etwas wissenschaftlich bewiesen ist, dann kann man sich darauf verlassen. Wissenschaftliche Erkenntnisse werden experimentelle geprüft und bewiesen. Damit ein Experiment seine Aufgabe erfüllt, muss es messbare Ergebnisse liefern, nachvollziehbar, wiederholbar und objektiv sein. Es muss stets zum selben Ergebnis führen, unabhängig von Ort, Zeit und Personen. 
Wissenschaft bedient also unsere tief sitzende Sehnsucht, alles selbstbestimmt und jederzeit wiederholen zu können - und verdrängt gleichzeitig die ebenso tief sitzende Angst vor dem Unerklärlichen, dem Unfassbaren und vor der der Einmaligkeit der Dinge.
 
„Das, wobei unsere Berechnungen versagen, nennen wir Zufall“, sagt Albert Einstein. Demnach ist jeder Tag neben den ganzen (vermeintlich) berechenbaren Geschehnissen auch ein faszinierendes Spiel mit den Mächten des (unwiederbringlichen) Zufalls. Die Kunst besteht darin, den Wert dieser Einmaligkeiten auch zu erkennen.
  
Sinfonie des Zufalls >>> Zufallsprodukte


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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!
  
 
Ein Junge aus dem Kosovo malt eine zornige Sonne
mit schwarzen Strahlen, erdrückt von einem feuerspeienden Regenbogen.

01 März 2017

Heute mal ***NICHTSTUN

Inspiration ist ein Zauberwort. Schon als die Menschheit am Anfang stand, ließ sie sich von der Natur und ihren Mitmenschen inspirieren. So entstanden unzählige Werkzeuge, erstaunliche Kunstwerke, überlieferte Geschichten und das Feuer.

Inspiration ist etwas Schönes, hat aber einen ausgesprochenen Nachteil. Meisten erwischt sie uns beim absoluten NICHTSTUN. Beim einfach-nur-da-sitzen und Löcher-in-die-Luft-starren. Dann kommt möglicherweise irgendwann und komplett unerwartet dieser eine Gedanke, dieses eine Bild oder was auch immer, das uns entführt und uns auf eine Reise schickt, deren Ziel wir noch nicht kennen.
Dabei hat das Nichtstun alias Langeweile einen ziemlich schlechten Ruf. In der Regel wird über Stress geklagt - Arbeitsstress, Freizeitstress, Familienstress. Aber insgeheim ist manch einer stolz auf seinen Stress. Stress adelt, ist Ausweis von Leistung, die an die Grenze geht. Wer Stress hat, ist wichtig. Gelangweilte wissen nichts mit sich anzufangen, "nutzen ihr Potenzial nicht", verschwenden ihre Zeit und ihr Leben.

Das ist eine weit verbreitete Haltung - aber dass diese ständige Betriebsamkeit, Erreichbarkeit und Zielstrebigkeit gute Ideen eher vernichtet als sie voranbringt, ist kein großes Geheimnis. In London gibt es seit 2010 tatsächlich eine jährlich stattfindende Boring-Conference. Gesucht werden auf dieser Konferenz der Langenweile Menschen, die Vorträge zu den langweiligsten Themen der Welt halten. So wird über die "Seriennummern von U-Bahn-Waggons", die "Frühstücksauswahl amerikanischer Kettenrestaurants" und über "Londoner Ladenfassaden" referiert. Wenn man Teilnehmer der Veranstaltungen am Ende danach fragte, wie sie die Konferenz der Langenweile fanden, bekam man die erstaunliche Antwort. „Es war sehr interessant!"

 
Auf den Jakobswegen in Spanien gibt es vielerorts kleine und große Steinhaufen, auf denen Pilger ihre Botschaften hinterlassen haben - Wünsche, Träume, Erinnerungen. Für mich war es ungeheuer inspirierend,
in diesen Hinterlassenschaften nach den Geschichten zu suchen, die sie mir erzählen könnten.

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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!
>>> gemeinsam sein <<<
 

08 Februar 2017

UNTER DIE RÄDER GEKOMMEN - Die Geschichte von Nesrin

Seit vier Monaten begleite ich über eine Hilfsorganisation eine junge afghanische Frau. Damit ihre Anonymität gewahrt bleibt, nenne ich sie hier Nesrin.

DIE GESCHICHTE VON NESRIN
 
Nach ihrer Ankunft in Deutschland vor gut einem Jahr verbrachte Nesrin mit ihrem Mann die ersten Monate in einem leergeräumten Baumarkt im Süden von Hamburg. Danach kam sie in ein überfülltes Containerdorf am anderen Ende der Stadt. Immerhin mit einem abschließbaren Zimmer. Dort besuche ich sie regelmäßig.
Im Herbst letzten Jahres brachte sie eine Tochter zur Welt.
 
Was ich in den letzten Monaten mit Nesrin erlebt habe, hat mich oft sprachlos gemacht. Natürlich waren da ihre Geschichten von der Flucht aus Afghanistan. Sie musste das Land wegen Androhung einer Zwangsheirat und einem innerfamiliären Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten verlassen. Zuerst nach Indien, dann auf Grund von anhaltender Verfolgung über das Mittelmeer nach Deutschland. Trotz allem haben Nesrin und ihr Mann es geschafft, erfolgreich ein BWL-Studium in Neu Delhi abzuschließen.
Beide sprechen fließend englisch und sind erst 23 Jahre alt.
 
Natürlich sind die Erzählungen von Nesrin über die Umstände ihrer Flucht dramatisch. Was mich allerdings vielmehr erschreckt, sind die Bedingungen, unter denen sie jetzt hier in Deutschland leben muss. Um eine Vorstellung davon zu bekommen, beschreibe ich hier in Eckpunkten aber sehr verkürzt,
was ich seit vier Monaten mit Nesrin erlebt habe.
 
Da Nesrin einen akademischen Abschluss hat und in Indien eine Zeitlang als Dolmetscherin gearbeitet hat, ist ihr hier eine Integrations-Maßnahme speziell für Frauen angeboten worden, an der sie hätte teilnehmen können. Sie bräuchte dazu lediglich eine Bestätigung von der zuständigen Agentur für Arbeit. Um diese Bestätigung zu bekommen, bin ich mit ihr zu der nächstliegenden Agentur gefahren. Dort wurden wir mit unserem Anliegen von einer Sachbearbeiterin zur nächsten geschickt und es hat mich sehr viel Mühe gekostet, dass sich überhaupt irgendjemand zuständig fühlte und sich genauer mit der Integrations-Maßnahme befasst hat. Nach einigen Stunden wurde unser Anliegen an die Zentrale in Hamburg Mitte weitergeleitet. Nesrin sollte auf einen Termin warten, der ihr über den Postweg zugesandt wird. Drei Wochen später hatten wir endlich den erhofften Termin bei einer Sachbearbeiterin, die als kleines Mädchen aus Afghanistan nach Hamburg geflüchtet ist und somit die afghanische Muttersprache Dari beherrscht. Allerdings ist sie selber nie in Afghanistan gewesen und ihr Dari ist so schlecht gewesen, das Nesrin sich nur mit Mühe verständlich machen konnte. Eine Tatsache, die von außen kaum erkennbar war und an der sicherlich viele andere afghanische „Kunden“ verzweifelt sind. Die Sachbearbeiterin hört sich alles an, gab uns ein paar Aufträge mit, die sie für eine Weiterbearbeitung des Anliegens bräuchte. Sie gab uns eine E-mail-Adresse mit, an die wir die erforderlichen Unterlagen dann schicken sollten und entließ uns mit dem Versprechen, sich weiter zu kümmern und einen baldigen, zeitnahen Termin zu vereinbaren. Wir hatten die erforderlichen Unterlagen schnell zusammen. Es stellt sich jedoch heraus, dass die angegebene E-mail-Adresse der Sachbearbeiterin erstens privat und zweitens falsch gewesen ist. Da sie so weder telefonisch noch per E-mail erreichbar war, hatten wir von unserer Seite aus keine Möglichkeit mehr, mit ihr in Kontakt zu treten. Wir mussten darauf warten, dass sie aktiv wird und sich wieder meldet – und das, obwohl die Zeit drängte und die gewünschte Integrationsmaßnahme schon angefangen hatte.
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Die Sachbearbeiterin hat sich nicht mehr bei Nesrin gemeldet.
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Seit der Geburt ihrer Tochter hatte Nesrin starke Schmerzen. Das Sozial-Management ihrer Unterkunft organisierte für sie die notwendigen Arzttermine. Trotz ihrer starken Schmerzen lagen diese aber Wochen entfernt. Ein engagierter Arzt von der Notaufnahme eines Krankenhauses, in das sie aufgrund der anhaltenden starken Schmerzen gehen musste, veranlasste eine MRT, um nach den Ursprung der Schmerzen suchen zu können. Leider hieß es am nächsten Tag, dass ihr Aufenthaltsstatus nur noch bis März gelte und daher auch das MRT bis dahin nicht gemacht werden könnte.
Sie solle trotz ihrer starker Schmerzen einfach abwarten. 
 
Erst nach wiederholten Einlieferungen in die Notaufnahme, bei denen sie jedes Mal eine stundenlange intensiv-intravenöse Schmerzbehandlung bekam, wurde eine Darmspiegelung gemacht. Dabei wurde eine hochgradige Entzündung festgestellt und endlich die richtigen Medikamente verabreicht. Nach drei Monaten Schmerzen.
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Das ist nur ein kleiner Ausschnitt von den Dingen, die ich mit Nesrin erlebt habe. Ich habe mich selten so ohnmächtig gegenüber Ämtern, Ärzten und Behörden gefühlt. So ein Verhalten kenne ich als Deutsche hier in Deutschland nicht. Ich war entsetzt, fassungslos. Aus dieser Fassungslosigkeit heraus entstand die Idee zu der Installation:
 
UNTER DIE RÄDER GEKOMMEN
Visualisierung einer Ausstellung
Beschreibung
Zu sehen sind Aufnahmen im Hochformat von den Orten, an denen ich mit Nesrin gewesen bin. Flure der Agentur für Arbeit, Flure von der Notaufnahmen, Flure von Erstunterkünften, Flure von Wartesälen. Viele Flure überall dort, wo Menschen wie Nesrin nach Hilfe suchen, warten müssen, vertröstet werden.
Hochkant wie die großen Plakate, die für das iPhone 6 werben. Sie sind an vielen Hausfassaden zu sehen mit dem Slogan „Fotografiert mit einem iPhone 6“. Im Internet werden Bilder dieser Kampagne unter der  iPhone 6 world Gallery präsentiert.
Über diese Foto-Aufnahmen werden alte Autoreifen montiert, als Ausdruck des ohnmächtigen Gefühls, buchstäblich „unter die Räder“ gekommen zu sein.
 
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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!

Viele Kinder und Erwachsene malen und zeichnen Bilder von ihrer Überfahrt in den Westen.
Auch Nesrin ist über das Mittelmehr geflüchtet. Eng aneinandergedrängt,
vollkommen durchnässt und die ganze Zeit schreiend vor Angst.

20 Januar 2017

Heute mal >>> ein 356-Tage Projekt

Handarbeit statt Klettern
Unsere Vorfahren lebten auf Bäumen und liebten das Klettern Als das Leben in den Bäumen allmählich aus der Mode kam, wurde ihre Kletterhand langsam umgebaut, sodass sie das geschickte Hantieren mit Gegenständen und Werkzeugen üben konnten Und genau das machte den Weg frei für die Handarbeit, die noch heute für den Menschen so wichtig ist.

Die Macht der Hand
Handarbeit befriedigt unser das Bedürfnis nach Individualität und Kreativität. Jede Handarbeit besteht aus einer Vielzahl kleiner Schritte, aus denen mit der Zeit das fertige Ergebnis wächst. Aber die Hand ist nicht perfekt und so weiß man nie 100%ig, was letztendlich dabei herauskommt. Das macht ein Großteil der Faszination aus. Die Arbeit mit der Hand ist unvorhersehbar, unperfekt und einzigartig – back to he roots.

Ein kleines Tagwerk verändert die Welt
Konfuzius sagt: "Auch die weiteste Reise beginnt mit dem ersten Schritt." und alle großen Dinge beginnen im Kleinen. Das weiß auch das Internet. Es ist voll von 356-Tage –Projekten. Da wird gebastelt, gemalt, geschrieben und >>> täglich darüber gepostet. Was man dabei macht und dokumentiert, ist vollkommen egal. Alles ist möglich. Hauptsache, man bleibt dran. Man tut jeden Tag etwas, hat aber keine allzu große Aufgabe vor sich. Und wie durch ein Wunder können die vielen kleinen handgemachten Tagwerke etwas ganz unerwartet Neues in Gang bringen.
 
panta rhei – alles fließt – flow
 
Und hier gibt es zwei Beispiele von fertigen, wunderbar einfachen 356-Tage-Projekte:
link >>> 356 Gesichter
 
 
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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!
Ein Mädchen aus Syrien, im Malen von Blumen, Bergen und Flüssen
(vielleicht aus ihrer Heimat) komplett vertieft.
 

03 Januar 2017

ROTSEHEN - vom Umgang mit der Wut

Rot gilt als Farbe des Feuers oder des Blutes. Im Hebräischen haben die Worte Blut und Rot den gleichen Ursprung: Rot heißt "adom" und Blut heißt "dam". Mit Blut und Feuer verbinden wir positive und negative Eigenschaften. Dem Hass, dem Krieg, der Aggression und dem Blutvergießen stehen die Kraft, die Liebe, die Wärme und die Leidenschaft gegenüber. Rot ist ebenfalls die Farbe wilder Gefühlsausbrüche: Wenn man sich schämt oder wenn man wütend wird, errötet man. Wer die Kontrolle über sich selbst verliert, "sieht rot" und das, worauf wir gereizt oder aggressiv reagieren, wird zum „roten Tuch“. 
Die tief rot-orangenen Augen von dem Uhu Esmeralda haben mich zu der Installation ROTSEHEN inspiriert. Jetzt freue ich mich sehr darüber, dass diese Installation im neuen Jahr auf der Gera-Höhler Biennale in Gera zu sehen sein wird. Ein guter Start für 2017! Die Höhler in Gera gehören zu einem fantastischen, unterirdischen Tunnelsystem direkt unter der Altstadt. Genau das richtige Ambiente für die Installation, in deren Mittelpunkt die Augen eines Uhus stehen.
 
Bei einer internationalen Ausschreibung wie die für die Gera Höhler-Biennale reichen viele gute Künstler ihre Vorschläge, Ideen und Konzepte ein. Es ist eine attraktive Ausstellungsmöglichkeit, nicht nur, weil dort der Deutsche Installationskunst-Preis vergeben wird. Genommen werden am Ende von den vielen hundert internationalen  Bewerbungen ca. 20 Künstlerinnen. Daher werde ich hier Auszüge aus dem Konzept "ROTSEHEN - vom Umgang mir der Wut", einzelne Schritte der Realisierung und natürlich das Ergebnis, das Mitte Juni auf der Gera-Höhler-Biennale zusehen sein wird, hereinstellen.

Fotoskizzen aus dem Konzept: Materialproben - Inspirationsquelle - Simulation
 
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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!
Ein kleiner Junge aus Syrien, ca.5 Jahre alt, "hortet" rote Farben
aus Angst, sie könnten ihm wieder genommen werden.
Ein etwa gleich alter Junge aus Afghanistan malt einen ganzen Bereich der Tafel
hochkonzentriert und akribisch genau rot an.

23 November 2016

DIY & ZEN

Back to the roots – zurück zum Handwerk. Viele Menschen entdecken für sich gerade jetzt das Wunder des Handwerkens neu. Do-It-Yourself heißt das Zauberwort, und an vielen Orten wird zusammen gestrickt, genäht, gehäkelt und vieles mehr. Heraus kommen wunderschöne Unikate, die verschenkt, geliebt und bewundert werden können.
Beeindruckende Meister der Handwerkskunst kommen auch aus Japan. Sie beherrschen ihr Handwerk nahezu perfekt und üben es beharrlich und mit unendlicher Geduld aus. So entstehen fantastische Rauminstallationen mit gigantischen Ausmaßen. Vielleicht können solche Künstler nur deshalb aus Japan kommen, weil sie sich dort im ZEN geschult haben.
 
link >>> Chiharu Shiota
link >>> Motoi Yamamoto
 
ZEN in Japan ist weniger eine Glaubensrichtung, sondern vielmehr eine intuitive Lebenseinstellung, die schwer in Worte gefasst werden kann. Annähernd bedeutet ZEN: >>> in der Gegenwart zu leben und diese durch und durch zu erfahren >>> frei von den Ablenkungen und trügerischen Konflikten der materiellen Welt zu sein >>> und sich am grundlegenden Wunder des Lebens selbst zu erfreuen.
Um dieser Geisteshaltung nahezukommen, gibt es handwerkliche Rituale, die mit viel Beharrlichkeit und Hingabe zur Vollkommenheit reifen können: >>> die Kunst des Bogenschießens >>> die Schreibkunst >>> oder die Kunst der Gartengestaltung.
Vollkommenheit hört sich gut an, und so kam die Kunst des ZEN vor ca. 80 Jahren auch bei uns im Westen an. Nur genügten uns die herkömmlichen Ziele aus Japan nicht mehr, sondern wir reicherten sie mit gewinnträchtigeren und lukrativeren Elementen an. So entstanden zahlreiche ZEN-Variationen: von >>> Business-Zen über >>> Therapie-Zen bis zu >>> Wellness-Zen und >>> Street-Zen. Es gibt sogar ein >>> ZEN-DEPOT für ethisch-ökologische Geldanlagen und eine >>> ZEN-Akademie für Führungskräfte, die nachhaltige und kraftvolle Erfolge verspricht.
 
Alle diese ZEN-Angebote haben eines gemeinsam: sie sind unglaublich teuer.
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Seit einigen Monaten begleite ich eine junge Frau, die aus Afghanistan geflohen ist.
Sie ist knapp über 20 Jahre alt, hat vor wenigen Wochen eine Tochter bekommen und
bewohnt mit ihrem Mann einen knapp 12 m2 großen Container in einer Flüchtlingsunterkunft.
Sie hat in Kabul ihr Abitur gemacht und dort angefangen zu studieren.
Musste wegen einer Zwangsverheiratung aus dem Land fliehen und
wurde von Mitgliedern der Familie verfolgt, geschlagen und misshandelt. Sie konnte nur
mit Mühe einem Säureangriff entkommen. Trotz der permanenten Bedrohung
hat sie ihr Studium beendet, als Dolmetscherin gearbeitet und konnte schließlich
über viele Stationen hinweg bis nach Deutschland gelangen. Sie hat alle familiären,
kulturellen und persönlichen Wurzeln komplett verloren, hat einen
ungewissen Aufenthaltsstatus und steht vor dem Nichts. Sie ist zutiefst traumatisiert
und glaubt, dass ihr Leben jetzt zu Ende ist.
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Schade, dass diese hochdotierten westlichen Zen-Meister nicht einfach mal
komplett umsonst und entgegen jedem unternehmerischen Verstand in die Notunterkünfte
kommen können, um die inneren Wogen der dort wohnenden Menschen zu glätten.
 

Ein kleines Mädchen aus Afghanistan malt immer wieder
Schwärme von Menschen mit weit aufgerissenen Augen und Mündern.
 
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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!