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16 November 2016

NÄHE & DISTANZ - Das Geheimnis der Vögel

Einen Schwarm von Vögeln oder von Fischen zu beobachten ist nicht nur schön, es birgt in sich auch etwas Beruhigendes, etwas Faszinierendes, etwas Unbegreifliches. Ein scheinbar perfektes Zusammenspiel lädt zum Staunen ein. Die ständig sich verändernden Formationen erscheinen wie ein unlösbares, unsichtbares Geheimnis.

 
Wie funktioniert so ein Schwarm? Die Vögel eines Vogelschwarmes – Stare beispielsweise – orientieren sich zunächst an sieben anderen Vögeln um sich herum. So bilden acht Vögel eine Gruppe, die wiederum mit anderen Gruppen des Schwarms vernetzt sind. Diese vielfältig vernetzten Vogel-Gruppen bewegen sich automatisch und instinktiv nach drei Gesetzmäßigkeiten: Zusammenhalt, Trennung und Ausrichtung.
Das Gesetz des Zusammenhaltens (Kohäsion) besagt: Bewege dich in die Richtung des Mittelpunkts derer, die du in deinem Umfeld siehst. Also, >>> hin zu deinen Nachbarn.
Das Gesetz der Trennung (Separation) meint: Halte einen Mindestabstand ein und bewege dich weg, sobald dir jemand zu nahe kommt. Also, >>> weg von deinem Nachbarn.
Das Gesetz der Ausrichtung heißt: Bewege dich in dieselbe Richtung und mit derselben Geschwindigkeit wie diejenigen in deiner Nähe. Also, >>> parallel zu deinen Nachbarn.
 
 
Ein Schwarm hält demnach ein nahezu perfektes Gleichgewicht zwischen Nähe und Distanz.
Das ist eine Eigenschaft, die uns Menschen leider selten gelingt.
 
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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!
Vogel- und Fischschwärme tauchen immer wieder in den
Zeichnungen von geflüchteten Kindern und Jugendlichen auf.
 

21 September 2016

MUT ZUR WUT

Der Adler ist seit jeher ein Inbegriff für Freiheit, innere Kraft, konzentrierte Ruhe und zielgerichtete Aggression. Seine Argusaugen beobachten unermüdlich und über weite Entfernung alles bis ins Kleinste. Über die beinahe übersinnlichen Kräfte des Königs der Lüfte gibt es unzählige Geschichten.

So erwählte der Legende nach Zeus, der höchste aller griechischen Götter, den Adler zu seinem Symboltier. In der hinduistischen Kunst ist Garuda, das Reittier des Gottes Visnu, ein Vogelwesen mit Adlerschnabel. Im Christentum ist der Adler ein Kennzeichen des Evangelisten Johannes sowie zahlreicher anderer Heiliger und ein Sinnbild für die Himmelfahrt Christi. Kaiser Karl der Große entdeckt im Jahre 800 den Adler als kaiserliches Wappentier. Damit galt der Adler für Jahrhunderte als Königssymbol und konnte sich bis heute als Staatssymbol durchsetzen. Als Bundesadler ist er im Staatswappen der Bundesrepublik Deutschland zu sehen – und auf den deutschen 1- und 2-Euro-Münzen hat er es auch geschafft.
 
Greifvögel, allen voran der Adler, aber auch Habichte, Falken und Uhus sind tatsächlich höchst aggressiv und vollkommen unsozial. Das einzige, was sie wirklich interessiert, ist es „Beute zu machen“, um selber satt zu werden oder ihre Jungen zu füttern. Sie haben keinerlei gemeinnütziges Interesse. Wenn zwei Habichte sich so nahe wie auf dem unteren Bild kommen würden, würden sie sich in kürzester Zeit gegenseitig zerfleischen.
 
so guckt ein "entspanntes" Habichtsweibchen
 
Wenn man sich Greifvögeln nähert – beispielsweise bei einer Ausbildung zur FalknerIn, wie ich sie gerade mache – muss man sich dieser wütenden Aggression des Vogels stellen und sie „benutzen“ lernen. Wut und Aggression sind unter Menschen Eigenschaften, die nicht toleriert werden. Wut macht vor allem Angst, ist zerstörerisch und kann gewaltiges Unheil anrichten. Derartige Gefühle werden schon im Kindesalter weitgehend tabuisiert und unterdrückt. Auf der anderen Seite wird in politischen, wirtschaftlichen aber auch geistigen und psychischen Bereichen genau diese zielgerichtete Aggression eines Greifvogels eingesetzt, um eigene Interessen in welcher Form auch immer durchsetzen zu können. 
 
"Greifvogel-Geschüh", das der Falkner anlegt, um den Vogel "abzutragen"

Mir kommt der Verdacht, dass Wut und Aggression eine durchaus erlaubte, vielleicht sogar überlebenswichtige Funktion haben könnten - solange sie kontrolliert eingesetzt und ehrlich angesprochen werden. Und dass die von Kindheit an unterdrückte Wut viel mehr Schaden anrichten könnte, als ein gesundes und kultiviertes „Mut zur Wut“.

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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!

Ein etwa 12-jähriger Junge aus Kabul/ Afghanistan 
zeichnet "rauchende" Panzer, die durch seine Heimat ziehen.


 

08 August 2016

UNPERFEKT II – Charme & Chance

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat zu einem Zukunftsforum II eingeladen, und zwar MICH! Was für ein Zufall – denn die TeilnehmerINNEN wurden tatsächlich per Telefon und über Zufallsgenerator ausgewählt. Ich hatte richtiges GLÜCK.
siehe link >>> zukunft-verstehen <<<

Fünfzig Menschen aus ganz Deutschland durften daran teilnehmen. Wir waren zum Diskutieren eingeladen, konnten Vortage hören, Arbeitsgruppen bilden und ausführlich miteinander reden. Vorweg gab es einen 13-seitigen Reader, für Hotelübernachtungen, Anfahrt und Catering wurde gesorgt. Also alles echt exklusiv, das Bundesministerium hat es sich etwas kosten lassen – kein Wunder, denn diese Bürgerdialogreihe gehören zu einer gut finanzierten Hightech-Strategie, die den gesamten Mittelstand ankurbeln soll, um die Position Deutschlands zu stärken und Innovationsführer zu werden. Da wird viel erwartet. Da geht es bestimmt  um Geld – und Macht. Und dazu wurde ausgerechnet ich eingeladen, eine Künstlerin.
siehe link >>> hightech-strategie <<<

Der Zukunftstag im Berliner betahaus war ein Tag voller Ideen, Visionen, spannender Vorträge und interessanten Menschen. Es ging ums Tauschen, Teilen, Selbermachen – und welche Strategien und Lebensmuster jenseits von Google, Amazon und Co immer präsenter werden. Es ging darum, dass sich etwas verändert, wenn allerorten gebastelt, genäht, gekocht wird und individuelle Produkte mit kleinen Auflagen vermarktet oder getauscht werden. Es ging auch darum, was passiert, wenn Menschen sich ausprobieren, wenn sie sich trauen, ungewöhnliche Geschäftsmodelle auf die Beine zu stellen und ihr neuerworbenes Wissen sofort mit anderen teilen und mitteilen. Natürlich ging es auch darum, wie dafür die digitalen Vernetzungsmöglichkeiten genutzt werden.
Tauschen, Teilen, Selbermachen - allen gemeinsam ist, das der landläufige Hang zum Perfektionismus nicht nur hinterfragt, sondern richtiggehend ausgehebelt wird. Da geht es nichtmehr um die allgegenwärtigen Lebensziele wie Karriere, Position und (die Anhäufung von) Eigentum, sondern vielmehr um Zufriedenheit mit der eigenen Arbeit, Achtsamkeit im Umgang mit Menschen, sinnvolle Beschäftigung und ungebremste Kreativität.
 
Das nehme ich mir gerne mit auf meinen zweiwöchigen Urlaub im Wohnmobil.
Hoffe, der wird richtig schön unperfekt.
 
 
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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!

--- ein Junge, ca. 10 Jahre alt, aus dem Irak, malt auf azurblauen Wasser eine schwarze " Barke" ---
 --- ganz kurz war unter der "Barke" die Umrisse einer Gestalt zu sehen ---
--- die ganz schnell wieder weggewischt worden ist ---
 

26 Juli 2016

EINZELGÄNGER *** Phönix aus der Asche

 
Greifvögel mögen keine Nähe
 
Greifvögel sind stolze Vögel. Sie scheinen unerreichbar, haben Argusaugen, schlagen ihre Beute zielgenau und werden als Krafttiere verehrt. Wer Greifvögel am Himmel kreisen sieht, der kann ein ehrfürchtiges Staunen kaum unterdrücken. Sie sind ein weltweites Symbol für Kraft und Freiheit, verkörpern Autonomie, Stolz und Effizienz und strahlen unverhohlene Aggression aus. Wie gewöhnt man diese stolzen und eigensinnigen Vögel an den Menschen?
 
Falkner(in) für einen Tag. 
 
Auf ihre unglaubliche sympathische Art hat uns Ricarda, die Falknerin und Tierpflegeleiterin des Falkner-Parks Örtze bei Müden, nicht nur die Psychologie der Greifvögel nahegebracht, sondern uns auch unsere Berührungsängste genommen. Nach einer kurzen Einführung ging es los – ganz praktisch: 
 
Abtragen – Ätzung – Freiflug. 
 
Das heißt im Klartext: Handschuh an und Greifvogel ´drauf. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, mit diesen stolzen Tieren durch den Park zu wandern. Später kamen kurze Flüge an der Leine dazu, die Krönung bildete ihr atemberaubender Freiflug – natürlich alles mit der entsprechenden Belohnung, denn sie machen NICHTS umsonst. So lernten wir den Wanderfalken Siwa, die Wüstenbussarde Ron und Hermine, den Adler Tria und den Uhu Esmeralda kennen und lieben. Ganz nebenbei weihte uns Ricarda in die Geheimnisse der Greifvogelmentalität ein: seine Bedürfnisse als Hochleistungssportler, seine natürliche Aggressionsfähigkeit, sein Fressverhalten, seine Auffassungsgabe und sein Verhältnis zum Menschen.
 
 
 
Eine Greifvogelmentalität ist gar nicht so weit entfernt ist von unseren modernen Managerqualitäten:
Zielgenauigkeit, Konzentration, Weitsicht, Selbstbestimmtheit.
>>> Das könnten aber auch die Ziele eines westlichen ZEN-Buddhisten sein <<<
 
Das gibt zu denken.
Mit dem Schwarmverhalten einer Ameise haben Greifvögel jedenfalls rein gar nichts zu tun.

AMAZON´S HORROR.

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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
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Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!
Ein junger Mann aus Syrien, vielleicht 25 Jahre alt,
zeigt mir auf seinem Handy Fotografien von seiner Familie.
Seiner Frau, seinen Kindern, seinen Eltern, seinen Geschwistern.
Sie sind alle nicht mehr da.
Er ist ganz alleine.
 

14 Juli 2016

ME, MYSELF & I _ 24 Stunden ohne ICH

In Deutschland leben knapp 81 Millionen Einwohner. Davon nehmen mindestens 1,6 Millionen Menschen regelmäßig verschreibungspflichtige Schlaf- und Beruhigungsmittel ein, um Angstzustände, Panikattacken und innere Unruhe in den Griff zu bekommen.

Auf der ganzen Welt leben fast 7,5 Milliarden Menschen und alle haben ein eigenes ICH. Jeder für sich ein einzigartiges Individuum, das sich in den meisten Fällen selbst am nächsten steht.
Wenn wir von oben auf diese Welt blicken würden, dann sähen wir also 7,5 Milliarden ICHs, die sich wie Derwische um ihre eigene Achse drehen. Sie kreisen um ihre Bedürfnisse, Wünsche, Sehnsüchte und Vorlieben und mit dem Wort ICH meinen keine zwei Menschen dasselbe.

Dabei kann so ein ICH ziemlich anstrengend sein: Wer bin ich und wenn ja, wie viele? Bin ich gut genug? Geht es noch besser? Habe ich alles richtig gemacht? Bin ich erfolgreich? Habe ich alle Möglichkeiten ausgeschöpft? Bin ich schuld? Tue ich genug für mich? usw. usw. usw.
 
 
Stell dir mal vor, es gäbe ein
Urlaub vom ICH
 >>> 24 Stunden ohne ICH <<<
und so geht es:
Streiche einen Tag lang die Wörter ICH – MIR – MEIN – MEINS
komplett aus deinem Vokabular und aus deiner Gedankenwelt.

 Ab JETZT.
 Gute Erholung wünscht die Ameizon-Hegerin

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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!
Ein kleines Mädchen aus Syrien malt immer wieder dasselbe:
riesige, aufgerissene Augen, offene schreiende Münder