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20 August 2019

SEI ENDLICH – Mode mit Sinn

VON DER KUNST, DIE EINMALIGKEIT AUSZUHALTEN
 Jeder Moment ist einmalig. Jeder.
Wenn etwas einmalig ist, dann ist es etwas Besonderes,
etwas Unwiederbringliches, etwas Kostbares.
 
Wir Menschen neigen dazu, der kostbaren Einmaligkeit eines jeden Moments auszuweichen. Einmaligkeit erinnert an Vergänglichkeit und an die panische Angst, etwas zu verlieren. Trotz der immer größer werdenden Sehnsucht nach dem HIER UND JETZT suchen wir nach Berechenbarkeit und Wiederholbarkeit. Wo ist dieses geheimnisvolle JETZT?
 
Alle wissenschaftlichen Entdeckung beruhen auf Versuchsanordnungen, die jederzeit exakt wiederholt werden können. Industrielle durchrationalisierte Produktionsketten garantieren ein immer gleiches Ergebnis. Gesetze und Regelwerke gelten zumindest auf dem Papier für jeden Menschen gleich. Versicherungen grenzen jedes unkalkulierbare Risiko aus und die Gesetze des logischen Denkens strafen jedem intuitiven Gefühl lügen. Wenn etwas wiederholt werden kann, dann wird es sicher, kalkulierbar, ersetzbar – und käuflich.
 
In der Kunst begegnen wir der Einmaligkeit, dem Unikat, der Magie des Augenblicks, dem Musenkuss. Die Kunst besteht darin, die Einmaligkeit zu entdecken, dem flüchtigen Moment einen Raum zu geben, ihn Besonders zu machen, poetisch zu verdichten – und seine Vergänglichkeit auszuhalten.

Es gibt Gebrauchsanweisungen, um das persönliche Glück neu zu finden, wie das Glücks-Tagebuch auf dem Nachttisch, in denen man täglich mindestens drei Dinge hereinschreibt, die gut verlaufen sind und zum eigenem Glück beitragen könnten. Warum nicht ein Buch über die Einmaligkeit eines Tages schreiben, um sich an die Vergänglichkeit und damit an den Wert eines Augenblicks zu erinnern?
Oder ein Mode-Label entwerfen, um sich die Erinnerung an das HIER UND JETZT auf den Körper zu schreiben. Mit Wort-Bildern wie: sei endlich – endlich sein – ganz da – jetzt zeit – be now – hier und jetzt


 
Selbstverständlich mit Biosiegel, nachhaltig produziert und für jedes verkaufte Teil gibt es 5% Spenden an ambulante und stationäre Hospizdienste, Palliativ-Care-Teams und Trauerarbeitsgruppen. 
 
MODE MIT SINN



 

21 März 2019

OM(G)_2.0 >>> Teil I

Glut ist ein Sinnbild für extreme Gefühle. Sie reichen von dem sprichwörtlichen glühenden Zorn bis zur brennenden Liebe. In der Literatur, im Film, in der Philosophie und in der Kunst. Im religiösen Kontexten beschreibt Glut sowohl den vernichtenden Zorn Gottes als auch die hingebungsvolle Zuwendung der Gläubigen.
Im Weltverständnis des frühen vedischen Kultur Indiens ist die Glut – auch Tapas genannt - eine Urenergie, die das Denken und Fühlen bewegt, die lebendig macht und über das hinausführt, was gegeben ist. Sie entsteht aus Reibung zwischen dem Offenbaren und dem Unsichtbaren, dem Wort und dem Geist, dem Atem und dem Ich.
 
Glut symbolisiert die energiegeladene Sprengkraft zwischen einer willkürlichen, alles vernichtenden Urgewalt und der aufbauenden Kraft universeller Hingabe und Liebe. Tatsächlich findet Glut mit ihrer extrem zerstörerischen und gleichsam erneuernden Eigenschaft im Erdinneren ihre Entsprechung. Glühendes Eisen ist zusammen mit Nickel wahrscheinlich der Hauptbestandteil des Erdkerns und erzeugt mit seinen thermischen Kräften im äußeren Kern das Erdmagnetfeld.
 
Um diesem ambivalenten, zutiefst polarisierenden Wesen der Glut auf die Spur zu kommen, habe ich Video-und Klangaufnahmen in einer Eisengießerei machen dürfen. Für die Installation OM(G)_2.0 erforsche ich den Rhythmus und das Wesen der Glut - und den schmalen Grat zwischen Liebe und Wut, wenn es um große Gefühle geht.

Glut-Rhythmus 1. Versuch mit "Schlacke": Film ab + Ton ab
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13 März 2019

VERBLÜHEN & VERWELKEN

KünstlerInnen sind immer ein Stück weit Forscher, wenn auch mit höchst eigenartigen Methoden: Feldforscher, Naturforscher, Gefühlsforscher, Chaosforscher, Erinnerungsforscher. Traumforscher, Wortforscher. Ich erforsche zurzeit das „Wesen der Glut“. Dabei bin ich auf eine Forschungsreihe gestoßen, die ich vor 12 Jahren begonnen habe, die aber nie – obwohl sehr akribisch gemacht – einen Weg in die Öffentlichkeit gefunden hat. Manchmal müssen Ideen reifen wie ein guter Wein.
 
Victor Hugo sagt: Nichts auf der Welt ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist.
 
Und wenn die Zeit gekommen ist, dann muss man sie am Schopfe packen. Das mache ich jetzt und heute und gebe der 12 Jahre zurückliegenden Hibiskus-Forschung einen Raum, betrachte sie als ein Geschenk an mich selbst und stelle ihr das Gedicht „Du musst das Leben nicht verstehen“ zur Seite.

VERBLÜHEN

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Du musst das Leben nicht verstehen,
dann wird es werden wie ein Fest.
Und lass dir jeden Tag geschehen
so wie ein Kind im Weitergehen von jedem Wehen
sich viele Blüten schenken lässt.
 
Sie aufzusammeln und zu sparen,
das kommt dem Kind nicht in den Sinn.
Es löst sie leise aus den Haaren,
drin sie so gern gefangen waren,
und hält den lieben jungen Jahren
nach neuen seine Hände hin.
Rainer Maria Rilke, 8.1.1898, Berlin-Wilmersdorf
 
VERWELKEN

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Und so kann das Ganze als Rauminstallation aussehen:



03 Januar 2018

Die Kraft der Vorstellung >>> Teil I

Auf meiner 33-tägigen Pilgerreise von Pamplona nach Santiago de Compostela habe ich eines gelernt: wenn ich mein Ziel sehe – die Spitze eines Kirchturmes zum Beispiel – dann komme ich auch an, egal, wie weit es bis dahin noch sein mag. Eine Erkenntnis, die durchaus alltagstauglich ist. 

Wenn ich also eine bildliche Vorstellung von dem habe, was ich erreichen möchte, dann besteht eine gute Chance, diese auch in die Tat umsetzen zu können. Je klarer die Vorstellung, desto besser. Vorstellung meint in diesem Fall, ein konkretes inneres Bild vor Augen zu haben und/oder eine erkennbare Vision auf dem Papier zu erstellen. Für mich ist es absolut verblüffend, wie sehr sich die ersten Ideen-Skizzen meiner Installationen in der tatsächlichen Umsetzung wiederfinden. Und wie im Laufe der letzten zehn Jahre diese Art von Visualisierung immer realistischere Formen angenommen hat.
 
 
2008
 
2010

2011

2011/2014

2016/17
 

Vorstellungskraft scheint wie ein Muskel zu sein, den ich trainieren kann.
Wie stelle ich mir also 2018 vor?
 
In diesem Sinne wünsche euch ich ein wunderschön-kreatives neues Jahr
mit vielen schönen, nachhaltigen und tiefgründigen Ideen!

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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte. DANKE!
Kinder aus den Notunterkünften malen gemeinsam an ihren Wunsch nach einem eigenen, geschützten Zuhause.
 

01 Dezember 2017

memento mori >>> Was bleibt?

Nach einer „schöpferischen“ Pause – in der es den Deutschen Installationskunstpreis 2017 in der Kategorie Publikumspreis für die Installation ROTSEHEN in Gera für mich gab – VIELEN LIEBEN DANK DAFÜR, WAS FÜR EINE WUNDERBARE ANERKENNUNG – eine unglaublich beeindruckende Islandreise hinter mir liegt und hoffentlich ein interkulturelles Austauschprojekt in der ägyptischen Wüste vor mir – bin ich jetzt wieder da. Mit neuen Fragen zum Leben, zum Sterben und zur Kunst im Gepäck freue ich mich sehr auf euch!
 

memento mori >>> was bleibt?
Nicht alle aber viele Menschen wünschen sich, über ihren Tod hinaus in möglichst guter Erinnerung zu bleiben. Unzählige Grabsteine mit den Namen oder dem Abbild der Verstorbenen sind Zeugnis dieser Sehnsucht. Dem Wunsch, dass etwas bleibt, unzerstörbar und in Stein gemeißelt: der eigene Name als Teil der persönlichen Identität. 

nomen est omen – der Name ist ein Zeichen


Weltweit gibt es WALL OF NAMES oder WALK OF FAMES, die diese Sehnsucht publikumswirksam sichtbar machen. Begehbare Gedenkorte meist für Kriegsheld*Innen, Holocaust-Opfer, Prominente oder berühmte Wissenschaftler*Innen, Denker*Innen und Künstler*Innen. Menschen, die es aufgrund von außergewöhnlichen Leistungen, Fähigkeiten oder Umständen „zu etwas gebracht haben“, „sich einen Namen gemacht haben“.

 
Menschen, die sich allein dadurch auszeichnen, gute zwischenmenschliche Beziehungen gepflegt zu haben und für ihre Mitmenschen in wertvoller, liebender Erinnerung geblieben sind, die im Zusammenleben oder Zusammensein etwas Besonderes hinterlassen haben – Worte, Gefühle, Gerüche, Eindrücke, Geschichten, Erlebnisse - das möglicherweise über Jahre hinaus für die Hinterbliebenen spürbar sind, bekommen so eine öffentliche Anerkennung nicht.
Warum eigentlich nicht?


Alltagsheld*Innen 
Heilige des Alltags

19 Juli 2017

ANAPHORA >>> das Hochgebet

Letztes Jahr im Sommer habe ich eine Veranstaltung über die Möglichkeiten und Grenzen eines interreligiösen Dialoges besucht. Mich interessiert das Thema zwischen den Religionen sehr, besonders im Hinblick auf die stetig wachsenden Gewalttaten, die im Namen Gottes–Allahs-Jahwe-Buddha-Brahma-ect früher wie heute passieren.
Auf dieser Veranstaltung bin ich von einem koptischen Bischof nach Ägypten eingeladen worden, genauer gesagt in ein koptisches Kloster, das er gegründet hat und das nahe bei Kairo mitten in der Wüste liegt. Es war eine ganz besondere Einladung für mich und sie bildet die Basis für das Kunstprojekt, an dem ich gerade arbeite. Daher bin ich trotz aller Bedenken das Wagnis eingegangen und im Mai dieses Jahres dorthin aufgebrochen.
Die koptischen Christen werden in Ägypten verfolgt, und auch während meines Aufenthaltes dort wurde ganz in der Nähe auf ein ähnliches Kloster ein Anschlag mit vielen Toten und Verletzten verübt.

„Kopte“ heißt nichts anderes als „Ägypter“. Die koptischen Christen gehören der altorientalischen Kirche Ägyptens an, eine der Ostkirchen. Sie hat sich schon sehr früh von der katholischen Kirche abgespalten und hält bis heute urchristliche Rituale lebendig.
Während meines Besuches dort habe ich junge, moderne, aufgeschlossene Mönche und Nonnen kennengelernt. Ich durfte ihre wundervoll gesungenen Liturgien miterleben und die einfache und trotzdem unglaublich kostbare Schönheit dieses Ortes quasi „einatmen“.
 
Die Ruine eines koptischen Klosters.
 
Alle Religionen, ob monotheistische oder poltheistische, erzählen von dem Frieden unter den Menschen, der Freiheit des Geistes und der allgegenwärtigen Liebe Gottes. Warum gibt es gerade im Namen Gottes so viel Krieg Leid, Hass, Unfreiheit, Gewalt und Terror auf der Welt? Verpackt in wundersame Namen wie: Glaubenskrieg, Religionskrieg, Heiliger Krieg, Kreuzzüge, Inquisition, Nahostkonflikt, 30-jähriger Krieg, Nordirlandkonflikt und Dschihad (vollkommen unvollständige Liste) – man könnte meinen, dass sich fast die ganze Welt in einem Religionskrieg befindet. 
 
 
Im WWW braucht man nicht lange nach Bildern der Gewaltsuchen. Sie sind allgegenwärtig, omnipräsent und massenhaft vertreten.
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Ein junger Mann, vermutlich aus dem Irak, zeichnet Hubschrauber, die Bomben abwerfen und daneben eine Jesidische Flagge. Die Jesiden sind eine kurdisch sprechende religiöse Minderheit. Das Jesidentum, auch Ezidi genannt, entstand ca. 3000 Jahre vor Christus, ist also über 5000 Jahre alt. Seit 2014 werden Jesiden, die  im Norden des Iraks leben, auf Grund Ihres Glaubens verfolgt, versklavt, getötet oder zwangsbekehrt. Der Gott der Jesiden heißt EZNA, wobei EZ für Ich und DA für geben steht. EZNA bedeutet also: sich geben oder sich hingeben.
 
Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!
 

13 Juli 2017

ART & ANIMALS

Die Sommerpause ist vorbei. Nach einer unglaublichen (Zeit-)Reise in ein koptisches Kloster nahe bei Kairo/ Ägypten – ein Kunstprojekt darüber ist in Arbeit und wird selbstverständlich hier zusehen sein – einer wundervollen Wanderung in den Schottischen Highlands und drei Ausstellungseröffnungen geht es jetzt weiter mit: 
Kunst mit Tieren ist seit den frühen Höhlenzeichnungen ungebrochen im Trend. Auf der aktuellen documenta in Kassel sind am Sonntag die pittoresken Goldenen Reiter von Ross Birell nach einem 100 Tage langen und 3000 Kilometer weiten Ritt aus Athen angekommen. Von tausenden Besuchern freudig erwartet und umjubelt wurden die „documenta-Reiter“ und der „Götterhengst Hermes“ begeistert in Empfang genommen. Anne Imhoff, die gerade den goldenen Löwen der Biennale in Venedig gewonnen hat, benutzt für ihre wunderbaren Kunstaktionen auch Wachhunde und Esel. Und Joseph Beuys wurde weltberühmt, als er sich in einer New Yorker Galerie mit einem Kojoten zusammen einsperren ließ.
 
Anne Imhoff 2013 - Joseph Beuys 1974 - Ross Birell 2017
Warum ist Kunst mit Tieren so attraktiv? Vielleicht, weil wir Menschen die Tiere insgeheim um ihre Selbstverständlichkeiten beneiden. Sie leben vollkommen im Hier und Jetzt (wenn auch instinktgesteuert), stellen sich selbst und andere nicht in Frage und haben keine Angst vor dem Tod und dem Sterben. 
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Die Kunstinstallation ROTSEHEN – VOM UMGANG MIT DER WUT, die gerade auf der Höhler Biennale in Gera gezeigt wird, hieß ursprünglich „Der Schrei der Esmeralda“. Esmeralda ist ein junges, wildes, freiheitsliebendes Uhuweibchen. Im Zuge der Videoarbeit mit Esmeralda und anderen europäischen Uhus konnte ich ihr natürliches und überlebenswichtiges Aggressionspotential visuell erforschen und es mit den aktuellen „wütenden Zeiten“ in Beziehung zu setzen.
  
HÖHLER BIENNALE 2017 - Gera / Auswahl Deutscher Installationskunstpreis
7-Kanal-Videoinstallation - 1 Raspberry Pi-Netzwerk - 1 Sound Surround System














 
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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet, die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden. Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte. DANKE! 

Kinder und Erwachsene malen und zeichnen immer wieder Fische.
Fischschwärme umgeben von Raubfischen, die Schiffe begleiten. Fluchterfahrungen.

 

13 April 2017

De ira >>> ZORNIGE ZEITEN

Die WUT ist überall. Sie ist greifbar und spürbar in der Politik, in den Religionen, unter Kollegen, unter Nachbarn, in der Familie, zwischen ehemals Liebende, zwischen Eltern und Geschwister, in Fußballteams, unter Chefs und Angestellten. 
Nachrichten ohne WUT und Aggressionen sind langweilig und erst Katastrophen sorgen für hohe Einschaltquoten. Unsere Fernsehlandschaft ist reinste WUT-Kultur. In zahllosen Krimis wird in einer Tour gemordet, getötet, gemetzelt und gestorben, was das Zeug hält. Allerorten liegen Leichen, fließt Blut. Gefolterte, geschändete Frauen, aufgehängte, durchbohrte Leiber, explodierende Autos, gezückte Pistolen, tropfendes, sickerndes, fließendes Blut. 
Hasskommentare und shitstorms in sozialen Netzwerken sind zum Alltag geworden. Mit Rufmord-Kampagnen, übler Nachrede und Mobbing-Attacken werden Männer, Frauen und Kinder an den Rand des Wahnsinns getrieben.
 
 
Man könnte meinen, zurzeit wird über alle verfügbaren Mittel WUT geschürt.
WUT auf das Andere, WUT auf das Fremde, WUT auf sich selbst.
Wozu brauchen wir diese allgegenwärtige WUT?
Ist es uns womöglich zu langweilig geworden, weil alles im Leben so geordnet, abgesichert und festgelegt ist?
Oder ist es die versteckte Sehnsucht nach großen Gefühlen? 
 
ROTSEHEN
Video.js | HTML5 Video Player VOM UMGANG MIT DER WUT
 
 
"De ira – Über die WUT"
ist eine schriftliche Abhandlung von L. Annaeus Seneca,
ein römischer Philosoph, Dramatiker, Naturforscher, Politiker und
einer der meistgelesenen Schriftsteller seiner Zeit.
Er wurde ca. im Jahre 4 v.Chr. geboren und hatte augenscheinlich 
schon damals viel mit dem Phänomen der WUT zutun.

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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!
Kinder und Erwachsene aus Syrien, Afghanistan und dem Kosovo
malen gemeinsam von „stürmischen Zeiten“.

25 März 2017

LICHTBLICKE und andere magische Momente

Auf meiner Pilgerwanderung in Spanien vor drei Jahren habe ich mich mit Sirpa aus Finnland angefreundet. Wie durch Zauberhand sind wir uns in den kuriosesten Situationen über den Weg gelaufen – zuletzt zur Abschlusszeremonie in der Kathedrale von Santiago de Compostela. Zwischen hunderten von Pilgern haben wir uns am Ende unseres Weges rein zufällig getroffen und standen gemeinsam zu Tränen gerührt und tief bewegt, um den Gesängen des Chores zu lauschen. Als wir uns voneinander verabschiedeten, wussten wir nicht, ob wir uns wiedersehen werden.
 
Vor einer Woche ist Sirpa aus Finnland zu ihrem Big Camino aufgebrochen. Von ihrem eigenem Zuhause in einer kleinen Stadt bei Helsinki zuerst 25 km bis zum Hafen, um dann mit der Fähre nach Travemünde überzusetzen. Dort angekommen, machte sie am frühen Montagmorgen den ersten Schritt auf ihrer sechs Monate langen und 3500 km weiten Pilgerwanderung quer durch ganz Deutschland, Frankreich und Spanien bis nach Santiago de Compostela. Mitten im Regen.
Gestern ist sie auf ihrem Weg in Hamburg angekommen und natürlich hat sie bei uns eine Herberge gefunden. Wir haben wundersame gemeinsame Stunden verbracht, um uns am heutigen Tag wieder unter Tränen voneinander zu verabschieden.

Das war ein magischer Augenblick. Einmalig und unwiederbringlich. Pilgerschwestern.
 
Magische Augenblicke gibt es auch in der Kunst. Sie kommen wie aus einer anderen Welt, beinahe ohne eigenes zu tun. Plötzlich passt etwas zusammen, ganz leicht, ohne es zu suchen oder zu wollen. Die Aufnahmen aus diese Bilderserie habe ich vor über zehn Jahren gemacht. Solange haben sie warten müssen, um wie durch Zauberhand in einem Gesangbuch ihren Platz zu finden.
 


















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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!

Während der Aktionen verwandeln sich die Tafeln in lebendige,
sich ständig verändernde Leinwände.

09 März 2017

Sinfonie des Zufalls

Wenn etwas wissenschaftlich bewiesen ist, dann kann man sich darauf verlassen. Wissenschaftliche Erkenntnisse werden experimentelle geprüft und bewiesen. Damit ein Experiment seine Aufgabe erfüllt, muss es messbare Ergebnisse liefern, nachvollziehbar, wiederholbar und objektiv sein. Es muss stets zum selben Ergebnis führen, unabhängig von Ort, Zeit und Personen. 
Wissenschaft bedient also unsere tief sitzende Sehnsucht, alles selbstbestimmt und jederzeit wiederholen zu können - und verdrängt gleichzeitig die ebenso tief sitzende Angst vor dem Unerklärlichen, dem Unfassbaren und vor der der Einmaligkeit der Dinge.
 
„Das, wobei unsere Berechnungen versagen, nennen wir Zufall“, sagt Albert Einstein. Demnach ist jeder Tag neben den ganzen (vermeintlich) berechenbaren Geschehnissen auch ein faszinierendes Spiel mit den Mächten des (unwiederbringlichen) Zufalls. Die Kunst besteht darin, den Wert dieser Einmaligkeiten auch zu erkennen.
  
Sinfonie des Zufalls >>> Zufallsprodukte


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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!
  
 
Ein Junge aus dem Kosovo malt eine zornige Sonne
mit schwarzen Strahlen, erdrückt von einem feuerspeienden Regenbogen.

15 Februar 2017

Das Geheimnis einer Minute

In Silikon Valley wird meditiert und Google hat damit angefangen. Um Innovationen zu fördern, stellt Google alle Ingenieure 20 % ihrer Arbeitszeit frei, damit sie an etwas arbeiten, was nicht mit ihren eigentlichen Projekten zu tun hat. Chade-Meng Tan war als einer der ersten Ingenieure bei Google angestellt, und er nutzte seine 20%, um an seinem großen Lebenswunsch zu arbeiten: dem Weltfrieden. 
Daraus entstanden ist  ein Coaching-Programm, an dem alle Google-Mitarbeiter freiwillig teilnehmen können. Ziel dieses 7-wöchigen Achtsamkeitstrainings ist es, meditative Praktiken in den Arbeitsalltag einzubinden, um kreativer, produktiver und ganz nebenbei glücklicher, gesünder und selbstbestimmter zu werden. 
Und es funktioniert. Die Bewertungen derjenigen, die an dem Programm teilgenommen haben, sind überwältigend. Chade Meng Tan hat ein Buch darüber geschrieben, dass in 21 Sprachen übersetzt wurde und dass selbst der Dalai Lama für gut befunden hat.
 
SEARCH INSIDE YOURSELF – SUCHE IN DIR SELBST
 
Meditative Praktiken in den Alltag einzubinden bedeutet keine stundenlange Versunkenheit, wie man sie von buddhistischen Mönchen her kennt. Eine Minute reicht völlig aus. Eine Minute Stille vor einer wichtigen Sitzung, eine Minute bewusst atmen, eine Minute genussvoll essen, eine Minute lang etwas anschauen, als hätte man es noch nie gesehen. Eine Minute, die die Welt verändert und dem Leben eine andere Richtung geben kann.
 
Chade Meng Tan geht sogar noch weiter. Ihm reichen 6 Sekunden.
Zitat: Sechs Sekunden sind genug. Einmal konzentriert ein- und ausatmen.
Wenn du traurig über etwas bist, bist du in der Vergangenheit,
wenn du etwas befürchtest, bist du in der Zukunft,
aber wenn du deine volle Konzentration auf deinen Atem für sechs Sekunden
richtest, dann bist du frei.
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TANZENDE TULPEN in 60 Sekunden:  
Video.js | HTML5 Video Player
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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!
Ein Mädchen aus Syrien malt von ihrer Mittelmeer-Überfahrt
und später vollständig versunken ein ganzes Blumenmeer.

26 Januar 2017

Adlerschwingen und Flüstertöne

Von der Macht des Geistes und der Kraft der Gedanken sind viele Menschen überzeugt. Es gibt weltweit große geistige und spirituelle Führer, die Glück, Erfolg, Gelassenheit, innere Zufriedenheit und Sinn versprechen. Im Stil des „Time“-Magazins, das jedes Jahr eine Liste der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten zusammenstellt, und des “Forbes”-Magazins, das die Mächtigen der Welt in Rangfolge auflistet, veröffentlicht das englische Magazin “Mind Body Spirit” jährlich eine alternative Liste der 100 spirituell einflussreichsten lebenden Personen. Sie reicht vom Dalai Lama über den Papst bis hin zu Paulo Coelho und Marianne Williamson. Allen gemeinsam ist, dass sie Veranstaltungen in riesige Hallen füllen – gerade und komischerweise in Amerika - sie werden zum gefeierten spirituellen Event und spiegeln die Sehnsucht tausender Menschen, ihr geistiges Chaos zu entwirren.
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Die junge Frau, die ich beim Sterben begleite, wird Angesicht ihres Todes immer hellhöriger für Botschaften aus einer vermeintlich anderen Welt. Sie träumt intensiver und lässt Erinnerungen zu, die sie lange verdrängt hat. Erinnerungen an Gestalten, die sie als Kind gesehen hat, an Träume, die ihr wichtig sind, an Worte, die ihr zugeflüstert worden sind. Ich schreibe dieser Frau nach unseren Treffen immer „Neue Anfänge“ und schicke sie ihr zu. Das ist ein gewachsenes Ritual und die zugeschickten „Neuen Anfänge“ geben ihr die Möglichkeit, die Dinge um sie herum zu ordnen und weiter oder anders darüber nachzudenken.
 
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Auszug aus „Neuer Anfang Nr. 20:

…  Eigentlich begleiten sie mich schon ein Leben lang. Merkwürdig, dass mir das erst jetzt so richtig bewusst wird. Lange Zeit habe ich es einfach ausgeblendet und Strategien entworfen, um nichts zu bemerken. Aber wenn ich genau hinsehe, dann waren sie eigentlich immer um mich herum, haben mich nie alleine gelassen: Stimmen, Gestalten, Schatten.
 
Als Kind sah ich sie in meinem Elternhaus, aber auch draußen, auf Spielplätzen, Straßen und Wäldern. Meine Umgebung war geradezu bevölkert von Gestalten, die immer vom Boden bis zur Decke reichten. Drinnen waren sie schon groß, draußen wuchsen sie ins Unermessliche. Riesenhafte Gestalten mit großen Köpfen und langen Gliedmaßen, die mich ein bisschen an die alten Wäscheklammern meiner Mutter erinnerten. Mit geschlossenen Augen und Mündern standen sie einfach da, beobachtend. Sie waren mir vertraut. Ihre Anwesenheit beruhigte mich nicht nur, sie gehörten einfach dazu, sie waren normal. Sie waren anders als alles, was ich bisher gesehen habe, aber sie waren wunderschön. Sie begleiteten mein Leben. ...
 
 
 
 
 
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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!
Ein kleiner Junge malt das Blaue vom Himmel herunter.


23 November 2016

DIY & ZEN

Back to the roots – zurück zum Handwerk. Viele Menschen entdecken für sich gerade jetzt das Wunder des Handwerkens neu. Do-It-Yourself heißt das Zauberwort, und an vielen Orten wird zusammen gestrickt, genäht, gehäkelt und vieles mehr. Heraus kommen wunderschöne Unikate, die verschenkt, geliebt und bewundert werden können.
Beeindruckende Meister der Handwerkskunst kommen auch aus Japan. Sie beherrschen ihr Handwerk nahezu perfekt und üben es beharrlich und mit unendlicher Geduld aus. So entstehen fantastische Rauminstallationen mit gigantischen Ausmaßen. Vielleicht können solche Künstler nur deshalb aus Japan kommen, weil sie sich dort im ZEN geschult haben.
 
link >>> Chiharu Shiota
link >>> Motoi Yamamoto
 
ZEN in Japan ist weniger eine Glaubensrichtung, sondern vielmehr eine intuitive Lebenseinstellung, die schwer in Worte gefasst werden kann. Annähernd bedeutet ZEN: >>> in der Gegenwart zu leben und diese durch und durch zu erfahren >>> frei von den Ablenkungen und trügerischen Konflikten der materiellen Welt zu sein >>> und sich am grundlegenden Wunder des Lebens selbst zu erfreuen.
Um dieser Geisteshaltung nahezukommen, gibt es handwerkliche Rituale, die mit viel Beharrlichkeit und Hingabe zur Vollkommenheit reifen können: >>> die Kunst des Bogenschießens >>> die Schreibkunst >>> oder die Kunst der Gartengestaltung.
Vollkommenheit hört sich gut an, und so kam die Kunst des ZEN vor ca. 80 Jahren auch bei uns im Westen an. Nur genügten uns die herkömmlichen Ziele aus Japan nicht mehr, sondern wir reicherten sie mit gewinnträchtigeren und lukrativeren Elementen an. So entstanden zahlreiche ZEN-Variationen: von >>> Business-Zen über >>> Therapie-Zen bis zu >>> Wellness-Zen und >>> Street-Zen. Es gibt sogar ein >>> ZEN-DEPOT für ethisch-ökologische Geldanlagen und eine >>> ZEN-Akademie für Führungskräfte, die nachhaltige und kraftvolle Erfolge verspricht.
 
Alle diese ZEN-Angebote haben eines gemeinsam: sie sind unglaublich teuer.
+++
Seit einigen Monaten begleite ich eine junge Frau, die aus Afghanistan geflohen ist.
Sie ist knapp über 20 Jahre alt, hat vor wenigen Wochen eine Tochter bekommen und
bewohnt mit ihrem Mann einen knapp 12 m2 großen Container in einer Flüchtlingsunterkunft.
Sie hat in Kabul ihr Abitur gemacht und dort angefangen zu studieren.
Musste wegen einer Zwangsverheiratung aus dem Land fliehen und
wurde von Mitgliedern der Familie verfolgt, geschlagen und misshandelt. Sie konnte nur
mit Mühe einem Säureangriff entkommen. Trotz der permanenten Bedrohung
hat sie ihr Studium beendet, als Dolmetscherin gearbeitet und konnte schließlich
über viele Stationen hinweg bis nach Deutschland gelangen. Sie hat alle familiären,
kulturellen und persönlichen Wurzeln komplett verloren, hat einen
ungewissen Aufenthaltsstatus und steht vor dem Nichts. Sie ist zutiefst traumatisiert
und glaubt, dass ihr Leben jetzt zu Ende ist.
+++
Schade, dass diese hochdotierten westlichen Zen-Meister nicht einfach mal
komplett umsonst und entgegen jedem unternehmerischen Verstand in die Notunterkünfte
kommen können, um die inneren Wogen der dort wohnenden Menschen zu glätten.
 

Ein kleines Mädchen aus Afghanistan malt immer wieder
Schwärme von Menschen mit weit aufgerissenen Augen und Mündern.
 
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die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!

09 November 2016

HEUTE MAL *** ANDERS/ Teil III

HEUTE MAL >>> anfangen

„Nichts ist leichter als Selbstbetrug, denn was ein Mensch wahrhaben möchte, hält er auch für wahr.“ Das sagte der bedeutende griechische Redner Demosthenes schon vor 2500 Jahren. Manchmal kommt mir der Verdacht, dass wir seit dem kaum noch etwas dazu gelernt haben. Alles, was wir heute über uns wissen, das wussten die klugen Köpfe damals im alten Griechenland auch schon.

Demosthenes sagte ebenfalls: „Kleine Gelegenheiten sind häufig der Anfang großer Unternehmen.“ Übersetzt heißt das wohl, dass es gar nicht die großen Ideen, Projekte, Konzepte und Pläne sind, die die Welt verändern, sondern dass es vielmehr die kleinen, oftmals unbeachteten, manchmal alltäglichen Dinge sind, die einen Berg ins Rollen bringen können. Das könnte man ja ausprobieren: wenn ich an „kleine Gelegenheiten“ denke, dann denke ich zum Beispiel an einige junge Frauen, denen ich auf meiner Pilgerreise nach Santiago de Compostela immer wieder begegnet bin. Sie trugen eine kleine Tasche mit bunten Bändern bei sich. Sobald sie in einer Herberge angekommen sind, haben sie sich ein schönes Plätzchen gesucht und angefangen, aus den bunten Bändern farbenfrohe Freundschaftsbänder zu knüpfen – um diese dann auf ihrem weiteren Weg gleich weiter zu verschenken. Seitdem faszinieren mich diese Bänder – auch, wenn ich ihre Knot-und Knüpftechniken nicht verstehe.
Das wäre eine schöne "kleine Gelegenheit" zum HEUTE MAL>>> anfangen: jeden Tag ein Freundschaftsband knüpfen – und das dann gleich weiter verschenken. Ich bin gespannt, welches große Unternehmen aus dieser kleinen Handlung heraus entstehen könnte. „Sich selbst zu überraschen ist, was das Leben lebenswert macht.“ Das sagte der irische Schriftsteller Oscar Wilde vor 50 Jahren.
 
 
Der Anfang ist gemacht. Das erste geknotete Armband
aus Paketschnur, weißen Baumwollfäden und einer Unterlegscheibe ist fertig.
Nun muss es nur noch verschenkt werden.
 
und so ist das Armband entstanden:
 
Video.js | HTML5 Video Player  
 
Heute fängt auch am anderen Ende der Welt etwas Neues an. Und ich hoffe sehr,
das sich die Sorgen und Befürchtungen so vieler Menschen (auch meiner eigenen) nicht bewahrheiten werden.
 
 
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Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!
Die Botschaft einer jungen Frau aus Afghanistan.
 

02 November 2016

Die NACKTEN und die TOTEN

Die junge Frau, die ich zurzeit im Hospiz begleite, erzählte mit gestern, dass sie gerne ihren Seelenfrieden finden möchte. Sie glaubt, wenn sie ihren Seelenfrieden gefunden hat, könne sie leichter Abschied nehmen und sterben. Sonst würde ihr Sterben zur Qual werden, weil es etwas gibt, das sie hier festhält.
 
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Gestern war der erste November. In den Tagen um den ersten November herum wird überall auf der Welt der Toten (oder der toten Seelen) gedacht  - manchmal grau und ernst so wie hier bei uns, manchmal aber auch grellbunt, ausgelassen und fröhlich. Diese Tage haben so wundersame Namen wie Allerheiligen, Allerseelen oder  auch Tag der Toten. 
In Mexiko wird genau heute und gerade jetzt eben dieser Tag der Toten, der Día de Muertos gefeiert. Es ist eines der wichtigsten Feiertage dort überhaupt und von der UNESCO zum >>> Meisterwerk des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit ernannt. Nach altmexikanischem Glauben kommen die Toten einmal im Jahr zu Besuch aus dem Jenseits und feiern gemeinsam mit den Lebenden ein fröhliches Wiedersehen mit Musik, Tanz und gutem Essen. Der Tag der Toten ist alles andere als trüb und schwermütig. Ganz im Gegenteil, jedes Jahr werden mexikanische Friedhöfe und Hausaltare (ofrendas) mit Geschenken, Essen und Getränken (natürlich Tequila) dekoriert, um die Seelen der Verstorben zurück zur Erde zu locken. Die Seelen finden bei ihrem Besuch auf der Erde also all die Sachen wieder, die ihnen zu Lebzeiten so gut gefallen haben. Auf den Straßen herrscht buntes Treiben. Wohnungen werden prachtvoll mit Blumen, Kerzen und bunten Todessymbolen aller Art dekoriert. Es gibt sogar Totenkopfkekse mit Marzipan und schokoladenüberzogene Zuckerguss-Skelette zum Aufessen. Die lokalen Friedhöfe dienen dabei als Haupt-Austragungsort. Auf den geschmückten Gräbern wird zusammen gegessen, getrunken, musiziert, gesungen und gelacht. .

Alle Dinge sind beseelt.

Thales von Milet
(um 625 - 545 v. Chr.),
griechischer Philosoph und Mathematiker
>>> einer der Sieben Weisen <<<
 
 
 
Genau heute und gerade jetzt startet auch der US-Fotograf Spencer Tunick ein neues Kunstprojekt. Er versammelt zum Tag der Toten und anlässlich des >>> Calaca Festivals in San Miguel 300 nackte Menschen um sich, bekleidet sie mit hauchdünnen, transparenten Stoffen und lässt sie in den trockenen Graslandschaften von Mexiko umhergehen. 


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Es gibt andere Friedhöfe, an denen nicht nur heute, sondern über das ganze Jahr hinweg gespielt, flaniert und ausgeruht wird. Das sind die Friedhöfe im afghanischen Kabul. An den Wochenenden besuchen dort ganze Familien den Kart-e-Sakhi Friedhof. Der Friedhof liegt im Westen Kabuls und gehört zu den größten der Stadt. Er ist eine Oase des Friedens und der Ruhe. Ein Ort, an dem auch Frauen draußen an der frischen Luft sein können, ohne Angst haben zu müssen. Eine Oase des Friedens in einem zutiefst uneinigem Land – ein Ort, an dem man die Seele baumeln lassen kann
 
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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!

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Die Nackten und die Toten ist der 1948 erschienen Debütroman von Norman Tailer. Er schrieb selber dazu: "Der Riesenerfolg des Buches ,Die Nackten und die Toten' warf mich beträchtlich aus der Bahn, und ich verbrachte die darauffolgenden Jahre damit, das Leben zu verschlingen wie ein siegreicher Mann - obwohl ich noch gar kein Mann war und auch gar kein Talent, das Leben zu genießen. Ich war prominent, und ich war leer. Ich mußte das Leben wieder von vorn anfangen."