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18 August 2017

Kneipen-Weisheit

Wie werde ich glücklich, erfolgreich und schön?  Frage Google.  Google  ist ein reiner Pool für geistige Erneuerung. Dort gibt es mentale Coach*Innen, spirituelle Führer*Innen, Channeler*Innen und Heiler*Innen, die massenhaft das Glück versprechen. >>> Secret-Wiki, das Portal für Persönlichkeitsentwicklung, Spiritualität und Nachhaltigkeit stellt das gesammelte Wissen für eine neue Welt zur Verfügung. So finde ich dort die 17 Unterschiede zwischen armen und reichen Menschen und wie ich mit Hilfe des Gesetzes der Anziehung Reichtum in mein Leben ziehen kann. Mit ankreuzbaren Checklisten kann ich feststellen, ob ich möglicherweise hochsensibel bin, ein Indigomensch oder über einzigartige Fähigkeiten verfüge und es gibt 3-5-8-15-21-Tage-Programme, die mein Leben glücklicher, schöner und lebenswerter machen sollen.
Dabei zeigt die kontinuierlich wachsende Meditationsforschung, dass wir  ein glückliches Leben nicht einfach einkaufen können, sondern das es über viele Jahre hinweg gelernt werden muss.
Auf Initiative des Dalai Lama hin begann in den 1980er Jahren ein regelmäßiger Dialog zwischen dem 14. Dalai Lama Tendzin Gyatsho und führenden westlichen Wissenschaftlern. Sie wollten mit zahlreichen Studien untersuchen, ob und wie sich eine regelmäßige Meditationspraxis auf das Gehirn auswirkt. Dafür haben Mönche  mit vielen tausend Stunden Meditationserfahrung aus einem tibetischen Klosters sich bereit erklärt, die Aktivitäten ihres Gehirnes messen zu lassen. Während ihrer Meditationseinheiten über Liebe und Mitgefühl wurden Gehirnströme und Gehirnaktivitäten mittels MRT und EEG aufgezeichnet. Die Ergebnisse  waren verblüffend deutlich. Es konnte einerseits eine signifikante Zunahme und Verdichtung der Nervenzellkörper im Gehirn lokalisiert werden. Darüber hinaus zeigte sich schon nach wenigen Sekunden der Mediation ein sprunghafter Anstieg der seltenen Gammawellen, die mit geistiger Höchstleistung (peak performance), starker Fokussierung und Konzentration in Verbindung gebracht werden.
 
Demnach gibt es ein absolut sicheres  Rezept für
nachhaltige Glückserfahrungen, echtes Mitgefühl, tiefe Liebe und weniger Hass: 
 einfach einige tausend Stunden meditieren. 
 
Die Fotocollagen setzen sich auf der rechten Seite aus Bildern von einem koptischen Klosters nahe Kairo/ Ägypten zusammen. Die Andachten und Messen dieser koptischen Kirche finden täglich in der Morgen- und Abenddämmerung und statt, dauern etwa drei bis vier Stunden und sind durchaus mit einer regelmäßigen Meditationspraxis vergleichbar.
Auf der linken Seite sind  Beileidsbekundungen für die Opfer eines religiös motivierten Attentates zu sehen - hier nicht für die Opfer des gestrigen Anschlages in Barcelona, sondern für die Menschen aus Manchester, die im Juni diesen Jahres während eines Konzertbesuches einem Selbstmordanschlag zum Opfer gefallen sind - darunter viele Kinder.

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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!
 

28 Juli 2017

TAG des ZORNS - Teil 1

In Jerusalem ist heute von der palästinensischen Fatah der TAG DES ZORNS ausgerufen worden. TAGE DES ZORNS wurden schon oft und in vielen Ländern ausgerufen, jedes Mal verbunden mit Gewalt und meistens im Namen irgendeines Gottes.
Der TAG DES ZORNS heißt auf lateinisch DIES IRAE und ist der Anfang eines christlichen Liedtextes aus dem Mittelalter. Die Melodie des Liedes gleicht einem gregorianischen Gesang und wurde auf Totenmessen, zu Allerheiligen oder im Stundengebet lautstark gesungen. Die ältesten Strophen dieses Liedes stammen aus dem 12. Jahrhundert.
 
DIES IRAE Originalsequenz aus dem 13. Jahrhundert
 
Der Originaltext beschreibt wortgewaltig und poetisch die Schrecken des Jüngsten Gerichtes mit all seinem Wehen und Zagen und Schaudern und Richten. Dieser fast 800 Jahre alte Gesang TAG DES ZORNS bzw. DIES IRAE ist bis heute eine Inspirationsquelle für Komponisten, Filmemacher, Maler und Schriftsteller. So gibt es berühmte DIES-IRAE-Requiems u.a. von Verdi, Mozart oder Benjamin Britten.

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Zorn, Wut und Gewalt scheinen untrennbar mit uns Menschen verbunden zu sein. Kein anderes Lebewesen besitzt die Fähigkeit, sich in diesem Ausmaß gegenseitig wehzutun, zu quälen und zu verstümmeln (höchstens vielleicht Ameisen). Allen Anschein nach mangelt es uns an der Weisheit, unsere Aggression zu kontrollieren und sie im Zaum zu halten.
 
Zitat: Mahatma Ghandhi 
Wut ist ein Geschenk. Wir sollten uns nicht für unsere Wut schämen. Sie ist eine sehr gute und sehr mächtige Sache, die uns motiviert. Aber wofür wir uns schämen müssen, ist die Art, wie wir sie missbrauchen.
 
 
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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
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Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!
"eingesperrte Sonnen"

26 Januar 2017

Adlerschwingen und Flüstertöne

Von der Macht des Geistes und der Kraft der Gedanken sind viele Menschen überzeugt. Es gibt weltweit große geistige und spirituelle Führer, die Glück, Erfolg, Gelassenheit, innere Zufriedenheit und Sinn versprechen. Im Stil des „Time“-Magazins, das jedes Jahr eine Liste der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten zusammenstellt, und des “Forbes”-Magazins, das die Mächtigen der Welt in Rangfolge auflistet, veröffentlicht das englische Magazin “Mind Body Spirit” jährlich eine alternative Liste der 100 spirituell einflussreichsten lebenden Personen. Sie reicht vom Dalai Lama über den Papst bis hin zu Paulo Coelho und Marianne Williamson. Allen gemeinsam ist, dass sie Veranstaltungen in riesige Hallen füllen – gerade und komischerweise in Amerika - sie werden zum gefeierten spirituellen Event und spiegeln die Sehnsucht tausender Menschen, ihr geistiges Chaos zu entwirren.
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Die junge Frau, die ich beim Sterben begleite, wird Angesicht ihres Todes immer hellhöriger für Botschaften aus einer vermeintlich anderen Welt. Sie träumt intensiver und lässt Erinnerungen zu, die sie lange verdrängt hat. Erinnerungen an Gestalten, die sie als Kind gesehen hat, an Träume, die ihr wichtig sind, an Worte, die ihr zugeflüstert worden sind. Ich schreibe dieser Frau nach unseren Treffen immer „Neue Anfänge“ und schicke sie ihr zu. Das ist ein gewachsenes Ritual und die zugeschickten „Neuen Anfänge“ geben ihr die Möglichkeit, die Dinge um sie herum zu ordnen und weiter oder anders darüber nachzudenken.
 
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Auszug aus „Neuer Anfang Nr. 20:

…  Eigentlich begleiten sie mich schon ein Leben lang. Merkwürdig, dass mir das erst jetzt so richtig bewusst wird. Lange Zeit habe ich es einfach ausgeblendet und Strategien entworfen, um nichts zu bemerken. Aber wenn ich genau hinsehe, dann waren sie eigentlich immer um mich herum, haben mich nie alleine gelassen: Stimmen, Gestalten, Schatten.
 
Als Kind sah ich sie in meinem Elternhaus, aber auch draußen, auf Spielplätzen, Straßen und Wäldern. Meine Umgebung war geradezu bevölkert von Gestalten, die immer vom Boden bis zur Decke reichten. Drinnen waren sie schon groß, draußen wuchsen sie ins Unermessliche. Riesenhafte Gestalten mit großen Köpfen und langen Gliedmaßen, die mich ein bisschen an die alten Wäscheklammern meiner Mutter erinnerten. Mit geschlossenen Augen und Mündern standen sie einfach da, beobachtend. Sie waren mir vertraut. Ihre Anwesenheit beruhigte mich nicht nur, sie gehörten einfach dazu, sie waren normal. Sie waren anders als alles, was ich bisher gesehen habe, aber sie waren wunderschön. Sie begleiteten mein Leben. ...
 
 
 
 
 
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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
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Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!
Ein kleiner Junge malt das Blaue vom Himmel herunter.


11 Januar 2017

Der KITSCH_FAKTOR

Überall, wo viele Menschen zusammenkommen, gibt es KITSCH. Kitsch für Fans, Kitsch für Touristen, Kitsch für Liebhaber. Kitsch ist geschmacklos, minderwertig, grell, trivial, sentimental, übertrieben, unecht, banal, sinnlos, billig und verlogen – ABER – er wird massenhaft hergestellt und lässt sich glänzend verkaufen: Gartenzwerge, röhrende Hirsche, Masken aus aller Welt, Fahnen, Wimpel, Postkarten, schnulzige Heimatfilme, volkstümliche Hitparaden, triefende Trivialliteratur, sentimentale Seifenopern. Etwas als Kitsch zu bezeichnen, ist ein vernichtendes Urteil, das sowohl seinen Verehrer als auch das komplette Umfeld trifft. Dabei weiß keiner so recht, was Kitsch eigentlich ist. 

Was für den einen Kitsch ist, ist für den anderen heilig.
Was für den einen Kitsch ist, ist für den anderen kultiger Trash.
Was für den einen Kitsch ist, ist für den anderen ein Lebensinhalt
Was für den einen Kitsch ist, ist für den anderen eine Freude.
Was für den einen Kitsch ist, ist für den anderen (teure) Kunst.
Was im Abendland Kitsch ist, ist im Morgenland eine Rarität (und umgekehrt).
 
Heilige aus dem Westen und dem Osten

Ballon-Dogs von dem hochdotierten Künstler Jeff Koons

Venezianische Masken

Abfälle einer Souvenir-Manufaktur in Ägypten
 
Kitsch polarisiert.
Während die einen darauf schwören, dreht sich bei Anderen, alleine im Angesicht des Wortes "Kitsch", der Magen um. Brauchen wir möglicherweise den Kitsch, um nicht ständig nach dem tieferen Sinn des eigenen Daseins suchen zu müssen?

 
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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
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DANKE!
Zwei junge Mädchen, beide um die 15 Jahre alt,
eine mit und eine ohne Kopftuch,
skizzieren ihre Sehnsucht nach Liebe.
 

02 November 2016

Die NACKTEN und die TOTEN

Die junge Frau, die ich zurzeit im Hospiz begleite, erzählte mit gestern, dass sie gerne ihren Seelenfrieden finden möchte. Sie glaubt, wenn sie ihren Seelenfrieden gefunden hat, könne sie leichter Abschied nehmen und sterben. Sonst würde ihr Sterben zur Qual werden, weil es etwas gibt, das sie hier festhält.
 
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Gestern war der erste November. In den Tagen um den ersten November herum wird überall auf der Welt der Toten (oder der toten Seelen) gedacht  - manchmal grau und ernst so wie hier bei uns, manchmal aber auch grellbunt, ausgelassen und fröhlich. Diese Tage haben so wundersame Namen wie Allerheiligen, Allerseelen oder  auch Tag der Toten. 
In Mexiko wird genau heute und gerade jetzt eben dieser Tag der Toten, der Día de Muertos gefeiert. Es ist eines der wichtigsten Feiertage dort überhaupt und von der UNESCO zum >>> Meisterwerk des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit ernannt. Nach altmexikanischem Glauben kommen die Toten einmal im Jahr zu Besuch aus dem Jenseits und feiern gemeinsam mit den Lebenden ein fröhliches Wiedersehen mit Musik, Tanz und gutem Essen. Der Tag der Toten ist alles andere als trüb und schwermütig. Ganz im Gegenteil, jedes Jahr werden mexikanische Friedhöfe und Hausaltare (ofrendas) mit Geschenken, Essen und Getränken (natürlich Tequila) dekoriert, um die Seelen der Verstorben zurück zur Erde zu locken. Die Seelen finden bei ihrem Besuch auf der Erde also all die Sachen wieder, die ihnen zu Lebzeiten so gut gefallen haben. Auf den Straßen herrscht buntes Treiben. Wohnungen werden prachtvoll mit Blumen, Kerzen und bunten Todessymbolen aller Art dekoriert. Es gibt sogar Totenkopfkekse mit Marzipan und schokoladenüberzogene Zuckerguss-Skelette zum Aufessen. Die lokalen Friedhöfe dienen dabei als Haupt-Austragungsort. Auf den geschmückten Gräbern wird zusammen gegessen, getrunken, musiziert, gesungen und gelacht. .

Alle Dinge sind beseelt.

Thales von Milet
(um 625 - 545 v. Chr.),
griechischer Philosoph und Mathematiker
>>> einer der Sieben Weisen <<<
 
 
 
Genau heute und gerade jetzt startet auch der US-Fotograf Spencer Tunick ein neues Kunstprojekt. Er versammelt zum Tag der Toten und anlässlich des >>> Calaca Festivals in San Miguel 300 nackte Menschen um sich, bekleidet sie mit hauchdünnen, transparenten Stoffen und lässt sie in den trockenen Graslandschaften von Mexiko umhergehen. 


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Es gibt andere Friedhöfe, an denen nicht nur heute, sondern über das ganze Jahr hinweg gespielt, flaniert und ausgeruht wird. Das sind die Friedhöfe im afghanischen Kabul. An den Wochenenden besuchen dort ganze Familien den Kart-e-Sakhi Friedhof. Der Friedhof liegt im Westen Kabuls und gehört zu den größten der Stadt. Er ist eine Oase des Friedens und der Ruhe. Ein Ort, an dem auch Frauen draußen an der frischen Luft sein können, ohne Angst haben zu müssen. Eine Oase des Friedens in einem zutiefst uneinigem Land – ein Ort, an dem man die Seele baumeln lassen kann
 
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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
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Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!

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Die Nackten und die Toten ist der 1948 erschienen Debütroman von Norman Tailer. Er schrieb selber dazu: "Der Riesenerfolg des Buches ,Die Nackten und die Toten' warf mich beträchtlich aus der Bahn, und ich verbrachte die darauffolgenden Jahre damit, das Leben zu verschlingen wie ein siegreicher Mann - obwohl ich noch gar kein Mann war und auch gar kein Talent, das Leben zu genießen. Ich war prominent, und ich war leer. Ich mußte das Leben wieder von vorn anfangen."