Ich bin eigentlich ganz anders, aber ich komme selten dazu. Ödön von Horvath
Mein Tag ist geprägt von Mustern: Denkmuster, Essmuster, Glaubensmuster, Wahrnehmungsmuster, Beziehungsmuster, Tagesmuster, Bewegungsmuster. Sie ziehen eine Spur durch mein Leben und beeinflussen meine Handlungsmöglichkeiten.
Wieviel am Tag gestalte ich eigentlich noch selbst – und wieviel vom Tag ist einfach nur ein sich ständig wiederholendes Muster?
HEUTE MAL >>> anfangen „Nichts ist leichter als Selbstbetrug, denn was ein Mensch wahrhaben möchte, hält er auch für wahr.“Das sagte der bedeutende griechische Redner Demosthenes schon vor 2500 Jahren. Manchmal kommt mir der Verdacht, dass wir seit dem kaum noch etwas dazu gelernt haben. Alles, was wir heute über uns wissen, das wussten die klugen Köpfe damals im alten Griechenland auch schon.
Demosthenes sagte ebenfalls: „Kleine Gelegenheiten sind häufig der Anfang großer Unternehmen.“ Übersetzt heißt das wohl, dass es gar nicht die großen Ideen, Projekte, Konzepte und Pläne sind, die die Welt verändern, sondern dass es vielmehr die kleinen, oftmals unbeachteten, manchmal alltäglichen Dinge sind, die einen Berg ins Rollen bringen können. Das könnte man ja ausprobieren: wenn ich an „kleine Gelegenheiten“ denke, dann denke ich zum Beispiel an einige junge Frauen, denen ich auf meiner Pilgerreise nach Santiago de Compostela immer wieder begegnet bin. Sie trugen eine kleine Tasche mit bunten Bändern bei sich. Sobald sie in einer Herberge angekommen sind, haben sie sich ein schönes Plätzchen gesucht und angefangen, aus den bunten Bändern farbenfrohe Freundschaftsbänder zu knüpfen – um diese dann auf ihrem weiteren Weg gleich weiter zu verschenken. Seitdem faszinieren mich diese Bänder – auch, wenn ich ihre Knot-und Knüpftechniken nicht verstehe.
Das wäre eine schöne "kleine Gelegenheit"zum HEUTE MAL>>> anfangen: jeden Tag ein Freundschaftsband knüpfen – und das dann gleich weiter verschenken. Ich bin gespannt, welches große Unternehmen aus dieser kleinen Handlung heraus entstehen könnte. „Sich selbst zu überraschen ist, was das Leben lebenswert macht.“ Das sagte der irische Schriftsteller Oscar Wilde vor 50 Jahren.
Der Anfang ist gemacht. Das erste geknotete Armband
aus Paketschnur, weißen Baumwollfäden und einer Unterlegscheibe ist fertig.
Nun muss es nur noch verschenkt werden.
und so ist das Armband entstanden:
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Heute fängt auch am anderen Ende der Welt etwas Neues an. Und ich hoffe sehr,
das sich die Sorgen und Befürchtungen so vieler Menschen (auch meiner eigenen) nicht bewahrheiten werden.
***
Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
Liebe AMEIZON-Freund(-innen), Nacht-Schwärmer(-innen) und Lebenskünstler(-innen)
Das AMEIZON-Projekt neigt sich nach 15 Monaten dem Ende. Durch die vielen Einträge und Veröffentlichungen über „Ameisenschwärmen, Pilgerwegen und Internetgiganten wie Amazon“ durfte ich in dem vergangenen Jahr viel mit und von euch lernen:
Ohne diesen blog wäre meine Teilnahme an dem bundesweiten Pilotprojekt für Künstler zu dem Thema DIVERSITÄT an der Bundesakademie in Remscheid nicht möglich gewesen
Die daraus entstandenen Kunstaktionen vor Hamburger Notunterkünften mit geflüchteten Menschen aus aller Welt, aus der so viele unglaubliche Bilder entstanden sind, haben darin ihren Ursprung
Auf der Ameisenwarte in Bayern durfte ich alles über Ameisen erfahren und bin jetzt stolze und zertifizierte(Stadt-)Ameisenhegerin mit einem offiziellem „Ameisenhegeschein“
Natürlich konnte ich meiner Lust am Schreiben endlich einmal richtig frönen
und viele Ideen „zu Ende denken“
Die Blog-Aktion „Foot-Shooting“ skizzierte meine neue Installation über (eigene+fremde)(flucht+pilger)WEGE
Und letztendlich durfte ich mit diesem kleinen Ausflug in die Gefilde des „social-media“ Möglichkeiten und Grenzen hautnah erleben.
Jetzt werde ich mich auf meine kommende Ausstellung konzentrieren. Sie findet im Flandernbunker/ Kiel statt – ein sehr markanter Ausstellungsort – und wird am 8. Mai eröffnet. Ich kenne diesen Bunker gut, denn ich habe dort schon vor 25 Jahren „gearbeitet“, also Rauminstallationen entworfen, fotografiert, gefilmt, vertont, collagiert.
BUNKER#HEIMAT
wird die Ausstellung heißen und ein Logo gibt es auch schon dazu.
Natürlich werden dort auch Themen, die in diesem blog vorgekommen sind, auftauchen. Vieles davon wird mit einfließen. Daher bedanke ich mich besonders für die vielen wertvollen Kommentare, für eure Treue und für eure Anregungen.
Ich würde mich sehr freuen, euch auf der Ausstellung im Mai begrüßen zu dürfen.
Mit einem großen DANKESCHÖN! verabschiedet sich die AMEIZON-Hegerin
Einmal in der Woche etwas Ungewohntes tun – sich auf den Weg machen – ist Jogging für die Seele. Gewohnheiten hinter sich zu lassen und neues Terrain zu betreten ist anstrengend. Es erfordert die ganze Aufmerksamkeit, kann bedrohlich oder verunsichernd wirken.
Ich habe mich auf den Weg gemacht und für ein Wochenende neues Terrain betreten. Dort, wo zurzeit viele Menschen ankommen, komme auch ich an. Sehe und erlebe Menschen, die schon seit Wochen keine Gewohnheiten mehr haben, nur noch Ungewohntes tun und auf dem Weg sind.
Ankommen in einer Notunterkunft: Duschen nur für Frauen - Sichtschutz aus Pappkartons
Einen neuen Weg betreten, durch eine unbekannte Tür gehen, sich einer befremdlichen Situation stellen – das schult die Wahrnehmung. Die Sicht auf die Dinge verändert sich.
Syrisches Mädchen, ca. 5 Jahre alt - Hoffnung
Man sieht oft etwas hundert Mal, tausend Mal,
ehe man es zum allerersten Mal wirklich sieht
Christian Morgenstern
Tagebucheintrag Ich fahre mit dem Gefühl nach Hause, etwas gesehen zu haben, was normalerweise nicht gesehen wird. Etwas Unerhörtes gehört zu haben. In der Nacht wache ich auf, und die vielen Geschichten geistern in meinem Kopf herum.
Meine blog-Einträge werden jetzt mit Zeichnungen von Menschen aus
Notunterkünften in Hamburg begleitet.
Sie entstehen vor Zelt- und Containerdörfern auf "Tafeln der Begegnung". Während einer Kunst-Aktionen verwandeln sich vorbereitete Tafeln in eine lebendige, sich ständig verändernde Leinwand aus Geschichten, Wünschen und Hoffnungen. Sie vermitteln eine Ahnung davon, was die Menschen aus den Notunterkünften erlebt haben könnten, geben aber auch einen Eindruck
von den unterschiedlichen Bedingungen in den Unterkünften.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!
Zwei Menschen, gesichtslos und ohne Arme, nur Beine und Füsse; ein Fuß „hängt fest“.
Viele Menschen können viel bewegen. Dazu braucht es gar nicht viel. Es genügt oftmals nur eine kleine Geste, eine Handbewegung, einen Fingerzeig, ein Fußabdruck. Aber diese kleinen Gesten - von vielen gemacht - können im wahrsten Sinne des Wortes Zäune zum Einstürzen bringen.
Wie in Paris: fast eine Million Vorhängeschlösser mit einem Gesamtgewicht von 45 Tonnen haben Liebespaare im Laufe der Jahre an (nicht nur) das Geländer der Pariser Fußgängerbrücke Pont des Arts gehängt. Letztes Jahr ist das Gelände unter dem Gewicht der Liebesbeweise eingestürzt.
Auf dem Jakobsweg gibt eine absolut beeindruckende Etappe, die an einer Autobahn entlangführt. Über viele Kilometer hinweg ist der Weg mit einem Maschendrahtzaun abgesperrt, Diesen Zaun schmücken tausende von Kreuzen, die die Pilger hinterlassen haben. Alle unterschiedlich, alle einzigartig. Ein Weg der Zeichen.
Was braucht es, damit viele Menschen an einem Strang ziehen und dadurch
mit nur kleinen einzigartigen Gesten viel bewegen können?
Dieser Pilgerpass ist für mich nicht nur eine Eintrittskarte in die vielen Pilger-Herbergen gewesen. Am Ende meiner 33-tägigen Pilgerreise war diese Stempelsammlung das Wertvollste,
was ich in meinen Händen hielt – und mein ganzer Stolz.
AMAZON SAMMELT MITARBEITER
Bad Hersfeld ist mit zwei Logistikzentren der älteste Amazon Standort in Deutschland. Hier wurde im August 1999 das erste deutsche Logistikzentrum eröffnet.
Ab sofort stellt das Unternehmen für das erwartete lebhafte Saisongeschäft zusätzlich mehrere Hundert Lager- und Versandmitarbeiter ein. (siehe Pressemeldung)
Offene Bewerbertage finden immer von Dienstag bis Donnerstag zwischen 09:00 – 15:00 Uhr statt, an denen sich interessierte Bewerber ebenfalls ohne Anmeldung vorstellen können.
Sie meiden das Licht - Licht macht sie nervös. Sie bauen mit allem, was ihnen zur Verfügung steht, Lichtschutzräume. So entfliehen sie dem Licht und genießen ihre Dunkelheit.
Ob unsere zunehmende Lichtverschmutzung auch ihnen Probleme bereitet?
"Lichtverschmutzung" beschreibt die negativen Einflüsse künstlicher Lichtquellen, die die Nacht durch Straßenbeleuchtung, Leuchtreklamen, Videowände, Flutlichtanlagen und Industriebeleuchtung erhellen. Die vielen Pressemitteilungen dazu klingen beinahe poetisch:
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Lieblingsfrage der Königin im April Im Dunkeln ist gut munkeln. OVID ---> (43 v. Chr. - 17 n. Chr.), eigentlich Publius Ovidius Naso, römischer Epiker
Was der wohl vor über 2000 Jahren mit "munkeln" gemeint haben könnte?
Mittwoch wollte ich nach Berlin fahren. Mit dem Zug,
aber die Zugfahrer haben gestreikt. So bin ich zu Hause geblieben, denn ich
hatte keine Lust auf Warten, volle Straßen und Staus.
Am Donnerstag haben die Piloten gestreikt. Also bin ich
wiederzu Hause geblieben, denn ich
hatte wieder keine Lust auf Warten, volle Straßen und Staus.
Auch bei Amazon wurde gestreikt, im September. Ein
bestreiktes Amazon-Versandzentrum liegt in Bad Hersfeld - ebenfalls in Bad Hersfeld liegt das größte Yoga-Zentrum von Deutschland, das sich auch Ashram nennt. Ashram heißt übersetzt "Ort der Anstrengung" ---> eine ungewöhnliche Nachbarschaft. Wenn bei Amazon gestreikt wird, dann werden die
Straßen wahrscheinlich zuerst leerer sein, weil nicht so viele Pakete hin-und
her transportiert werden müssen. Der Stau kommt dann hinterher.
Ameisen stehen nie im Stau. Obwohl dort im Verhältnis
vielmehr Verkehr fließt, funktionieren Ameisenstraßen meistens
reibungslos. Ameisenforscher versuchen herauszufinden, wie die Ameisen das
machen. Inzwischen
ist ihre Forschung so weit vorangeschritten, dass die so genannten Ameisenalgorithmen
Probleme lösen, an denen die menschliche Intelligenz lange Zeit scheiterte. Sie
helfen zum Beispiel dabei, Fahrstühle so zu programmieren, dass sie die
Passagiere aus verschiedenen Stockwerken möglichst schnell transportieren. Sie werden genutzt für flexible Transportrouten bei Amazon, für einen pünktlichen Busverkehr, für die Müllabfuhr und für die
Post.
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Was würde wohl passieren, wenn Pilger streiken? Zum
Beispiel die 2,5 Millionen Pilger, die sich jährlich auf dem Weg nach Mekka
befinden? Oder die 250.000 Pilger auf dem Jakobsweg nach Santiago de
Compostela?
Ameisen laufen hin und her, vor und zurück. Sie laufen
ständig im Kreis. Heben etwas auf, um es gleich wieder fallen zu lassen. Ohne
Sinn und Verstand. Ein System ist nicht zu erkennen. Auch kein Sinn. Vorerst. Absolut
ineffizient.
Aber --- ::: --- sehr effektiv.
Denn trotzdem setzten sie mit ihrer scheinbar planlosen Art riesige Mengen in Bewegung. Am Ende eines Tages scheint alles
geplant, kalkuliert und von irgendeinem dubiosen Willen gesteuert.
vorher - nachher
Vielleicht sollte man viel öfter komplett ineffizient sein wollen,