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01 Dezember 2017

memento mori >>> Was bleibt?

Nach einer „schöpferischen“ Pause – in der es den Deutschen Installationskunstpreis 2017 in der Kategorie Publikumspreis für die Installation ROTSEHEN in Gera für mich gab – VIELEN LIEBEN DANK DAFÜR, WAS FÜR EINE WUNDERBARE ANERKENNUNG – eine unglaublich beeindruckende Islandreise hinter mir liegt und hoffentlich ein interkulturelles Austauschprojekt in der ägyptischen Wüste vor mir – bin ich jetzt wieder da. Mit neuen Fragen zum Leben, zum Sterben und zur Kunst im Gepäck freue ich mich sehr auf euch!
 

memento mori >>> was bleibt?
Nicht alle aber viele Menschen wünschen sich, über ihren Tod hinaus in möglichst guter Erinnerung zu bleiben. Unzählige Grabsteine mit den Namen oder dem Abbild der Verstorbenen sind Zeugnis dieser Sehnsucht. Dem Wunsch, dass etwas bleibt, unzerstörbar und in Stein gemeißelt: der eigene Name als Teil der persönlichen Identität. 

nomen est omen – der Name ist ein Zeichen


Weltweit gibt es WALL OF NAMES oder WALK OF FAMES, die diese Sehnsucht publikumswirksam sichtbar machen. Begehbare Gedenkorte meist für Kriegsheld*Innen, Holocaust-Opfer, Prominente oder berühmte Wissenschaftler*Innen, Denker*Innen und Künstler*Innen. Menschen, die es aufgrund von außergewöhnlichen Leistungen, Fähigkeiten oder Umständen „zu etwas gebracht haben“, „sich einen Namen gemacht haben“.

 
Menschen, die sich allein dadurch auszeichnen, gute zwischenmenschliche Beziehungen gepflegt zu haben und für ihre Mitmenschen in wertvoller, liebender Erinnerung geblieben sind, die im Zusammenleben oder Zusammensein etwas Besonderes hinterlassen haben – Worte, Gefühle, Gerüche, Eindrücke, Geschichten, Erlebnisse - das möglicherweise über Jahre hinaus für die Hinterbliebenen spürbar sind, bekommen so eine öffentliche Anerkennung nicht.
Warum eigentlich nicht?


Alltagsheld*Innen 
Heilige des Alltags

08 Februar 2017

UNTER DIE RÄDER GEKOMMEN - Die Geschichte von Nesrin

Seit vier Monaten begleite ich über eine Hilfsorganisation eine junge afghanische Frau. Damit ihre Anonymität gewahrt bleibt, nenne ich sie hier Nesrin.

DIE GESCHICHTE VON NESRIN
 
Nach ihrer Ankunft in Deutschland vor gut einem Jahr verbrachte Nesrin mit ihrem Mann die ersten Monate in einem leergeräumten Baumarkt im Süden von Hamburg. Danach kam sie in ein überfülltes Containerdorf am anderen Ende der Stadt. Immerhin mit einem abschließbaren Zimmer. Dort besuche ich sie regelmäßig.
Im Herbst letzten Jahres brachte sie eine Tochter zur Welt.
 
Was ich in den letzten Monaten mit Nesrin erlebt habe, hat mich oft sprachlos gemacht. Natürlich waren da ihre Geschichten von der Flucht aus Afghanistan. Sie musste das Land wegen Androhung einer Zwangsheirat und einem innerfamiliären Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten verlassen. Zuerst nach Indien, dann auf Grund von anhaltender Verfolgung über das Mittelmeer nach Deutschland. Trotz allem haben Nesrin und ihr Mann es geschafft, erfolgreich ein BWL-Studium in Neu Delhi abzuschließen.
Beide sprechen fließend englisch und sind erst 23 Jahre alt.
 
Natürlich sind die Erzählungen von Nesrin über die Umstände ihrer Flucht dramatisch. Was mich allerdings vielmehr erschreckt, sind die Bedingungen, unter denen sie jetzt hier in Deutschland leben muss. Um eine Vorstellung davon zu bekommen, beschreibe ich hier in Eckpunkten aber sehr verkürzt,
was ich seit vier Monaten mit Nesrin erlebt habe.
 
Da Nesrin einen akademischen Abschluss hat und in Indien eine Zeitlang als Dolmetscherin gearbeitet hat, ist ihr hier eine Integrations-Maßnahme speziell für Frauen angeboten worden, an der sie hätte teilnehmen können. Sie bräuchte dazu lediglich eine Bestätigung von der zuständigen Agentur für Arbeit. Um diese Bestätigung zu bekommen, bin ich mit ihr zu der nächstliegenden Agentur gefahren. Dort wurden wir mit unserem Anliegen von einer Sachbearbeiterin zur nächsten geschickt und es hat mich sehr viel Mühe gekostet, dass sich überhaupt irgendjemand zuständig fühlte und sich genauer mit der Integrations-Maßnahme befasst hat. Nach einigen Stunden wurde unser Anliegen an die Zentrale in Hamburg Mitte weitergeleitet. Nesrin sollte auf einen Termin warten, der ihr über den Postweg zugesandt wird. Drei Wochen später hatten wir endlich den erhofften Termin bei einer Sachbearbeiterin, die als kleines Mädchen aus Afghanistan nach Hamburg geflüchtet ist und somit die afghanische Muttersprache Dari beherrscht. Allerdings ist sie selber nie in Afghanistan gewesen und ihr Dari ist so schlecht gewesen, das Nesrin sich nur mit Mühe verständlich machen konnte. Eine Tatsache, die von außen kaum erkennbar war und an der sicherlich viele andere afghanische „Kunden“ verzweifelt sind. Die Sachbearbeiterin hört sich alles an, gab uns ein paar Aufträge mit, die sie für eine Weiterbearbeitung des Anliegens bräuchte. Sie gab uns eine E-mail-Adresse mit, an die wir die erforderlichen Unterlagen dann schicken sollten und entließ uns mit dem Versprechen, sich weiter zu kümmern und einen baldigen, zeitnahen Termin zu vereinbaren. Wir hatten die erforderlichen Unterlagen schnell zusammen. Es stellt sich jedoch heraus, dass die angegebene E-mail-Adresse der Sachbearbeiterin erstens privat und zweitens falsch gewesen ist. Da sie so weder telefonisch noch per E-mail erreichbar war, hatten wir von unserer Seite aus keine Möglichkeit mehr, mit ihr in Kontakt zu treten. Wir mussten darauf warten, dass sie aktiv wird und sich wieder meldet – und das, obwohl die Zeit drängte und die gewünschte Integrationsmaßnahme schon angefangen hatte.
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Die Sachbearbeiterin hat sich nicht mehr bei Nesrin gemeldet.
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Seit der Geburt ihrer Tochter hatte Nesrin starke Schmerzen. Das Sozial-Management ihrer Unterkunft organisierte für sie die notwendigen Arzttermine. Trotz ihrer starken Schmerzen lagen diese aber Wochen entfernt. Ein engagierter Arzt von der Notaufnahme eines Krankenhauses, in das sie aufgrund der anhaltenden starken Schmerzen gehen musste, veranlasste eine MRT, um nach den Ursprung der Schmerzen suchen zu können. Leider hieß es am nächsten Tag, dass ihr Aufenthaltsstatus nur noch bis März gelte und daher auch das MRT bis dahin nicht gemacht werden könnte.
Sie solle trotz ihrer starker Schmerzen einfach abwarten. 
 
Erst nach wiederholten Einlieferungen in die Notaufnahme, bei denen sie jedes Mal eine stundenlange intensiv-intravenöse Schmerzbehandlung bekam, wurde eine Darmspiegelung gemacht. Dabei wurde eine hochgradige Entzündung festgestellt und endlich die richtigen Medikamente verabreicht. Nach drei Monaten Schmerzen.
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Das ist nur ein kleiner Ausschnitt von den Dingen, die ich mit Nesrin erlebt habe. Ich habe mich selten so ohnmächtig gegenüber Ämtern, Ärzten und Behörden gefühlt. So ein Verhalten kenne ich als Deutsche hier in Deutschland nicht. Ich war entsetzt, fassungslos. Aus dieser Fassungslosigkeit heraus entstand die Idee zu der Installation:
 
UNTER DIE RÄDER GEKOMMEN
Visualisierung einer Ausstellung
Beschreibung
Zu sehen sind Aufnahmen im Hochformat von den Orten, an denen ich mit Nesrin gewesen bin. Flure der Agentur für Arbeit, Flure von der Notaufnahmen, Flure von Erstunterkünften, Flure von Wartesälen. Viele Flure überall dort, wo Menschen wie Nesrin nach Hilfe suchen, warten müssen, vertröstet werden.
Hochkant wie die großen Plakate, die für das iPhone 6 werben. Sie sind an vielen Hausfassaden zu sehen mit dem Slogan „Fotografiert mit einem iPhone 6“. Im Internet werden Bilder dieser Kampagne unter der  iPhone 6 world Gallery präsentiert.
Über diese Foto-Aufnahmen werden alte Autoreifen montiert, als Ausdruck des ohnmächtigen Gefühls, buchstäblich „unter die Räder“ gekommen zu sein.
 
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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!

Viele Kinder und Erwachsene malen und zeichnen Bilder von ihrer Überfahrt in den Westen.
Auch Nesrin ist über das Mittelmehr geflüchtet. Eng aneinandergedrängt,
vollkommen durchnässt und die ganze Zeit schreiend vor Angst.

23 November 2016

DIY & ZEN

Back to the roots – zurück zum Handwerk. Viele Menschen entdecken für sich gerade jetzt das Wunder des Handwerkens neu. Do-It-Yourself heißt das Zauberwort, und an vielen Orten wird zusammen gestrickt, genäht, gehäkelt und vieles mehr. Heraus kommen wunderschöne Unikate, die verschenkt, geliebt und bewundert werden können.
Beeindruckende Meister der Handwerkskunst kommen auch aus Japan. Sie beherrschen ihr Handwerk nahezu perfekt und üben es beharrlich und mit unendlicher Geduld aus. So entstehen fantastische Rauminstallationen mit gigantischen Ausmaßen. Vielleicht können solche Künstler nur deshalb aus Japan kommen, weil sie sich dort im ZEN geschult haben.
 
link >>> Chiharu Shiota
link >>> Motoi Yamamoto
 
ZEN in Japan ist weniger eine Glaubensrichtung, sondern vielmehr eine intuitive Lebenseinstellung, die schwer in Worte gefasst werden kann. Annähernd bedeutet ZEN: >>> in der Gegenwart zu leben und diese durch und durch zu erfahren >>> frei von den Ablenkungen und trügerischen Konflikten der materiellen Welt zu sein >>> und sich am grundlegenden Wunder des Lebens selbst zu erfreuen.
Um dieser Geisteshaltung nahezukommen, gibt es handwerkliche Rituale, die mit viel Beharrlichkeit und Hingabe zur Vollkommenheit reifen können: >>> die Kunst des Bogenschießens >>> die Schreibkunst >>> oder die Kunst der Gartengestaltung.
Vollkommenheit hört sich gut an, und so kam die Kunst des ZEN vor ca. 80 Jahren auch bei uns im Westen an. Nur genügten uns die herkömmlichen Ziele aus Japan nicht mehr, sondern wir reicherten sie mit gewinnträchtigeren und lukrativeren Elementen an. So entstanden zahlreiche ZEN-Variationen: von >>> Business-Zen über >>> Therapie-Zen bis zu >>> Wellness-Zen und >>> Street-Zen. Es gibt sogar ein >>> ZEN-DEPOT für ethisch-ökologische Geldanlagen und eine >>> ZEN-Akademie für Führungskräfte, die nachhaltige und kraftvolle Erfolge verspricht.
 
Alle diese ZEN-Angebote haben eines gemeinsam: sie sind unglaublich teuer.
+++
Seit einigen Monaten begleite ich eine junge Frau, die aus Afghanistan geflohen ist.
Sie ist knapp über 20 Jahre alt, hat vor wenigen Wochen eine Tochter bekommen und
bewohnt mit ihrem Mann einen knapp 12 m2 großen Container in einer Flüchtlingsunterkunft.
Sie hat in Kabul ihr Abitur gemacht und dort angefangen zu studieren.
Musste wegen einer Zwangsverheiratung aus dem Land fliehen und
wurde von Mitgliedern der Familie verfolgt, geschlagen und misshandelt. Sie konnte nur
mit Mühe einem Säureangriff entkommen. Trotz der permanenten Bedrohung
hat sie ihr Studium beendet, als Dolmetscherin gearbeitet und konnte schließlich
über viele Stationen hinweg bis nach Deutschland gelangen. Sie hat alle familiären,
kulturellen und persönlichen Wurzeln komplett verloren, hat einen
ungewissen Aufenthaltsstatus und steht vor dem Nichts. Sie ist zutiefst traumatisiert
und glaubt, dass ihr Leben jetzt zu Ende ist.
+++
Schade, dass diese hochdotierten westlichen Zen-Meister nicht einfach mal
komplett umsonst und entgegen jedem unternehmerischen Verstand in die Notunterkünfte
kommen können, um die inneren Wogen der dort wohnenden Menschen zu glätten.
 

Ein kleines Mädchen aus Afghanistan malt immer wieder
Schwärme von Menschen mit weit aufgerissenen Augen und Mündern.
 
***
Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!

12 Oktober 2016

SINN & UNSINN - alles von Bedeutung

Am Wochenende habe ich an einem wunderbaren social-media-Seminar bei #katarinaHH teilgenommen und viel über Facebook, Twitter, Instagramm und Google+ gelernt.
Zum Beispiel, dass es, wenn ich erfolgreich im social-media-Bereich tätig sein möchte, auf meine innere Haltung ankommt. Dass ich ganz klar zwischen meinen privaten Belangen (also, dass, was ich für mich behalten möchte), meinen persönlichen Interessen (also dem, was ich anderen mitteilen möchte) und meinem öffentliches Leben (also meine beruflichen Ambitionen) unterscheiden muss. Dass ich mit meinen Beiträgen möglichst authentisch sein sollte und dass das Teilen und Kommentieren anderer Beiträge genauso wichtig ist wie meine eigenen Aktivitäten. 

Wie im richtigen Leben also. 
>>> ... <<< 

Das Dumme ist nur, dass nicht ich oder die anderen Teilnehmer in den sozialen Netzwerken entscheiden, was wichtig und wertvoll genug erscheint, um von vielen gelesen zu werden. Das entscheidet allein ein Algorithmus. Facebook hat ihn, Google hat ihn und Amazon mit Sicherheit auch. 
Dieser Algorithmus ist ein wohlbehütetes Geschäftsgeheimnis und wird permanent  überarbeitet, denn er soll in kürzester Zeit darüber entscheiden, was von Relevanz, sprich von Bedeutung ist - und was nicht. Er entscheidet, welche Beiträge an viele andere Teilnehmer verteilt werden und welche hintenüber fallen. Jede Dienstagnacht werden beispielsweise auf Facebook kleine, beinahe unmerkliche Veränderungen im Programmcode eingepflegt, um bedeutende Beiträge besser herauszukristallisieren  damit sie möglichst oft weitergeleitet werden.. 
Aber wer entscheidet nun, was auf Facebook und Co von Bedeutung ist? Das sind die vielen Verkaufsplattformen, die dort werben dürfen. Je besser es gelingt, zum richtigen Zeitpunkt und am richtigen Ort den richtigen „User“ mit einer passenden Werbung zusammenzubringen, desto effizienter arbeitet der Algorithmus - und desto mehr wird verkauft.
 
So einfach ist das. Auch wie im richtigen Leben.
>>> ... <<< 

Viele Menschen suchten letztes Jahr in Hamburg Schutz.
Hamburg hat daraufhin große Containerdörfer errichten lassen und entsprechend
viele Container auf Jahre hin angemietet.
Aufgrund eines Bürgervertrages mit den Flüchtlingsinitiativen dürfen heute
aber keine großen Unterkünfte mehr gebaut oder bezogen werden.
Daher stehen viele dieser angemieteten und bereits aufgestellten Container einfach leer.
(und kosten natürlich Monat für Monat richtig viel Unterhalt und Miete)
 
Diese vielen leeren Container könnten doch ein lebendiger Ort für
verschiedenste Begegnungen mit den neu Angekommenen werden:
 zum Geschichten erzählen und zum gegenseitigen Kennenlernen.  

Leerstehende Container
 als spannende Begegnungsstätten und
offene Spiel-Räume für (interkulturelle) Kunst natürlich auch.

Das wär doch was.
 
"Tafel der Begegnung" vor einer Flüchtlingsunterkunft 
 
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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE! 
 

05 Oktober 2016

Der Zorn der Sterbenden


darüber spricht man nicht

 
Sterbende Menschen können manchmal richtig wütend werden. Dabei ist wütend noch eine harmlose Bezeichnung. Wutentbrannter oder blinder Zorn trifft es besser. Ich habe diese Wut, sterben zu müssen, mehrfach erlebt. Merkwürdigerweise betrifft das häufig Menschen, die in ihrem Leben Führungspositionen innehatten. Die es also gewohnt waren, weitreichende Entscheidungen zu treffen und dadurch das Leben vieler anderen Menschen nachhaltig mitzubestimmen. Menschen aus dem Management, der Wirtschaft, der Politik.
 
Sterbende halten ihre Wut am Lebensende nicht mehr zurück, sondern leben sie rückhaltlos aus. Sie zeigt sich in hochaggressiven verbalen Attacken, theatralischen Schimpftriaden, permanentem Nörgeln oder streitsüchtigen Bemerkungen. Kurz, sterbende Menschen können manchmal unausstehlich, hinterlistig und durchtrieben sein. Keiner ist davor sicher, weder Freunde, Familie, Kollegen oder andere nahestehende Menschen. 
 
Viele Angehörige und Wegbegleiter sind darauf in keiner Weise vorbereitet – wie auch – nehmen die aggressive Wut persönlich und wenden sich ab. Sie ist auch schwer zu ertragen, doch dahinter steht oftmals der Neid auf alle diejenigen, die nicht in absehbarer Zeit sterben müssen und weiterhin ihre Träume und Wünsche realisieren können.
 
Vor allem aber auch die Angst davor, dass es kein gutes Bild von ihnen geben wird,
das nach ihrem Tod in der Erinnerung der Hinterbliebenen einen Platz finden könnte. 
 
Welches Bild von mir möchte ich in den Köpfen der Menschen wissen, die mir wichtig sind?
 
Die Blüte des Zornes ist die Raserei.
Euripides

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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!  
Milan, 8 Jahre alt, malt ein grellrotes Flugzeug,
einen Spähpanzer und ein Haus  mit einer grünen Tür.
Grün ist die Farbe der Hoffnung.
 

29 Juli 2016

DAS ANDERE GLÜCK

Über eine Millionen Flüchtlinge sind seit 2015 in Deutschland angekommen, die genaue Zahl weiß keiner. Unterkünfte sind wie Pilze aus dem Boden geschossen und mit ihnen unzählige Initiativen. Über das freiwillige Engagement vieler, vieler Menschen entstanden Kleiderkammern, Deutschkurse, Kochkurse, Patenschaften, Kunstprojekte, Kulturprojekte, Begegnungsprojekte, runde Tische, Helferskreise, Arbeitskreise, Sprachbrücken, Plauderkreise, Lesekreise, Gartenprojekte, Fahrradwerkstätten usw.
 
Glaubt man der Katze vom Dalai Lama, dann gibt es eine mathematische Glücksformel. Diese Formel besagt unter anderem, dass Glück die Nebenwirkung des Engagements für eine Sache darstellt, die größer ist, als man selbst.
Demnach sind die ganzen vielen Menschen, die sich gerade jetzt für die Flüchtlinge engagieren und sich so für eine größere Sache einsetzen, auch selber ein Stück glücklicher. Eben weil sie helfen (dürfen) und sich für eine sinnvolle Sache einbringen können.

Unter diesem Gesichtspunkt sollte man sich bei den vielen tausend Menschen, die hier ein neues zuhause suchen, eigentlich bedanken. Durch sie sind die vielen kunterbunten Initiativen und Projekte überhaupt erst entstanden und das individuelle Glücksempfinden der vielen Helferinnen und Helfer ganz nebenbei aber spürbar angewachsen. Gäbe es ein bundesweites Glücksbarometer, dann wäre der Zeiger deutlich gestiegen – und tut es auch weiterhin. Also:

DANKE!
an die vielen tausend Menschen,
dass ihr zu uns kommt
und wir dadurch etwas glücklicher sein dürfen!
 
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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
 
 
Tafel der Begegnung
 
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PS: die Glücksformel gibt es wirklich: