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21 März 2019

OM(G)_2.0 >>> Teil I

Glut ist ein Sinnbild für extreme Gefühle. Sie reichen von dem sprichwörtlichen glühenden Zorn bis zur brennenden Liebe. In der Literatur, im Film, in der Philosophie und in der Kunst. Im religiösen Kontexten beschreibt Glut sowohl den vernichtenden Zorn Gottes als auch die hingebungsvolle Zuwendung der Gläubigen.
Im Weltverständnis des frühen vedischen Kultur Indiens ist die Glut – auch Tapas genannt - eine Urenergie, die das Denken und Fühlen bewegt, die lebendig macht und über das hinausführt, was gegeben ist. Sie entsteht aus Reibung zwischen dem Offenbaren und dem Unsichtbaren, dem Wort und dem Geist, dem Atem und dem Ich.
 
Glut symbolisiert die energiegeladene Sprengkraft zwischen einer willkürlichen, alles vernichtenden Urgewalt und der aufbauenden Kraft universeller Hingabe und Liebe. Tatsächlich findet Glut mit ihrer extrem zerstörerischen und gleichsam erneuernden Eigenschaft im Erdinneren ihre Entsprechung. Glühendes Eisen ist zusammen mit Nickel wahrscheinlich der Hauptbestandteil des Erdkerns und erzeugt mit seinen thermischen Kräften im äußeren Kern das Erdmagnetfeld.
 
Um diesem ambivalenten, zutiefst polarisierenden Wesen der Glut auf die Spur zu kommen, habe ich Video-und Klangaufnahmen in einer Eisengießerei machen dürfen. Für die Installation OM(G)_2.0 erforsche ich den Rhythmus und das Wesen der Glut - und den schmalen Grat zwischen Liebe und Wut, wenn es um große Gefühle geht.

Glut-Rhythmus 1. Versuch mit "Schlacke": Film ab + Ton ab
Video.js | HTML5 Video Player

18 August 2017

Kneipen-Weisheit

Wie werde ich glücklich, erfolgreich und schön?  Frage Google.  Google  ist ein reiner Pool für geistige Erneuerung. Dort gibt es mentale Coach*Innen, spirituelle Führer*Innen, Channeler*Innen und Heiler*Innen, die massenhaft das Glück versprechen. >>> Secret-Wiki, das Portal für Persönlichkeitsentwicklung, Spiritualität und Nachhaltigkeit stellt das gesammelte Wissen für eine neue Welt zur Verfügung. So finde ich dort die 17 Unterschiede zwischen armen und reichen Menschen und wie ich mit Hilfe des Gesetzes der Anziehung Reichtum in mein Leben ziehen kann. Mit ankreuzbaren Checklisten kann ich feststellen, ob ich möglicherweise hochsensibel bin, ein Indigomensch oder über einzigartige Fähigkeiten verfüge und es gibt 3-5-8-15-21-Tage-Programme, die mein Leben glücklicher, schöner und lebenswerter machen sollen.
Dabei zeigt die kontinuierlich wachsende Meditationsforschung, dass wir  ein glückliches Leben nicht einfach einkaufen können, sondern das es über viele Jahre hinweg gelernt werden muss.
Auf Initiative des Dalai Lama hin begann in den 1980er Jahren ein regelmäßiger Dialog zwischen dem 14. Dalai Lama Tendzin Gyatsho und führenden westlichen Wissenschaftlern. Sie wollten mit zahlreichen Studien untersuchen, ob und wie sich eine regelmäßige Meditationspraxis auf das Gehirn auswirkt. Dafür haben Mönche  mit vielen tausend Stunden Meditationserfahrung aus einem tibetischen Klosters sich bereit erklärt, die Aktivitäten ihres Gehirnes messen zu lassen. Während ihrer Meditationseinheiten über Liebe und Mitgefühl wurden Gehirnströme und Gehirnaktivitäten mittels MRT und EEG aufgezeichnet. Die Ergebnisse  waren verblüffend deutlich. Es konnte einerseits eine signifikante Zunahme und Verdichtung der Nervenzellkörper im Gehirn lokalisiert werden. Darüber hinaus zeigte sich schon nach wenigen Sekunden der Mediation ein sprunghafter Anstieg der seltenen Gammawellen, die mit geistiger Höchstleistung (peak performance), starker Fokussierung und Konzentration in Verbindung gebracht werden.
 
Demnach gibt es ein absolut sicheres  Rezept für
nachhaltige Glückserfahrungen, echtes Mitgefühl, tiefe Liebe und weniger Hass: 
 einfach einige tausend Stunden meditieren. 
 
Die Fotocollagen setzen sich auf der rechten Seite aus Bildern von einem koptischen Klosters nahe Kairo/ Ägypten zusammen. Die Andachten und Messen dieser koptischen Kirche finden täglich in der Morgen- und Abenddämmerung und statt, dauern etwa drei bis vier Stunden und sind durchaus mit einer regelmäßigen Meditationspraxis vergleichbar.
Auf der linken Seite sind  Beileidsbekundungen für die Opfer eines religiös motivierten Attentates zu sehen - hier nicht für die Opfer des gestrigen Anschlages in Barcelona, sondern für die Menschen aus Manchester, die im Juni diesen Jahres während eines Konzertbesuches einem Selbstmordanschlag zum Opfer gefallen sind - darunter viele Kinder.

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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!
 

19 Juli 2017

ANAPHORA >>> das Hochgebet

Letztes Jahr im Sommer habe ich eine Veranstaltung über die Möglichkeiten und Grenzen eines interreligiösen Dialoges besucht. Mich interessiert das Thema zwischen den Religionen sehr, besonders im Hinblick auf die stetig wachsenden Gewalttaten, die im Namen Gottes–Allahs-Jahwe-Buddha-Brahma-ect früher wie heute passieren.
Auf dieser Veranstaltung bin ich von einem koptischen Bischof nach Ägypten eingeladen worden, genauer gesagt in ein koptisches Kloster, das er gegründet hat und das nahe bei Kairo mitten in der Wüste liegt. Es war eine ganz besondere Einladung für mich und sie bildet die Basis für das Kunstprojekt, an dem ich gerade arbeite. Daher bin ich trotz aller Bedenken das Wagnis eingegangen und im Mai dieses Jahres dorthin aufgebrochen.
Die koptischen Christen werden in Ägypten verfolgt, und auch während meines Aufenthaltes dort wurde ganz in der Nähe auf ein ähnliches Kloster ein Anschlag mit vielen Toten und Verletzten verübt.

„Kopte“ heißt nichts anderes als „Ägypter“. Die koptischen Christen gehören der altorientalischen Kirche Ägyptens an, eine der Ostkirchen. Sie hat sich schon sehr früh von der katholischen Kirche abgespalten und hält bis heute urchristliche Rituale lebendig.
Während meines Besuches dort habe ich junge, moderne, aufgeschlossene Mönche und Nonnen kennengelernt. Ich durfte ihre wundervoll gesungenen Liturgien miterleben und die einfache und trotzdem unglaublich kostbare Schönheit dieses Ortes quasi „einatmen“.
 
Die Ruine eines koptischen Klosters.
 
Alle Religionen, ob monotheistische oder poltheistische, erzählen von dem Frieden unter den Menschen, der Freiheit des Geistes und der allgegenwärtigen Liebe Gottes. Warum gibt es gerade im Namen Gottes so viel Krieg Leid, Hass, Unfreiheit, Gewalt und Terror auf der Welt? Verpackt in wundersame Namen wie: Glaubenskrieg, Religionskrieg, Heiliger Krieg, Kreuzzüge, Inquisition, Nahostkonflikt, 30-jähriger Krieg, Nordirlandkonflikt und Dschihad (vollkommen unvollständige Liste) – man könnte meinen, dass sich fast die ganze Welt in einem Religionskrieg befindet. 
 
 
Im WWW braucht man nicht lange nach Bildern der Gewaltsuchen. Sie sind allgegenwärtig, omnipräsent und massenhaft vertreten.
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Ein junger Mann, vermutlich aus dem Irak, zeichnet Hubschrauber, die Bomben abwerfen und daneben eine Jesidische Flagge. Die Jesiden sind eine kurdisch sprechende religiöse Minderheit. Das Jesidentum, auch Ezidi genannt, entstand ca. 3000 Jahre vor Christus, ist also über 5000 Jahre alt. Seit 2014 werden Jesiden, die  im Norden des Iraks leben, auf Grund Ihres Glaubens verfolgt, versklavt, getötet oder zwangsbekehrt. Der Gott der Jesiden heißt EZNA, wobei EZ für Ich und DA für geben steht. EZNA bedeutet also: sich geben oder sich hingeben.
 
Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!