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19 Juli 2017

ANAPHORA >>> das Hochgebet

Letztes Jahr im Sommer habe ich eine Veranstaltung über die Möglichkeiten und Grenzen eines interreligiösen Dialoges besucht. Mich interessiert das Thema zwischen den Religionen sehr, besonders im Hinblick auf die stetig wachsenden Gewalttaten, die im Namen Gottes–Allahs-Jahwe-Buddha-Brahma-ect früher wie heute passieren.
Auf dieser Veranstaltung bin ich von einem koptischen Bischof nach Ägypten eingeladen worden, genauer gesagt in ein koptisches Kloster, das er gegründet hat und das nahe bei Kairo mitten in der Wüste liegt. Es war eine ganz besondere Einladung für mich und sie bildet die Basis für das Kunstprojekt, an dem ich gerade arbeite. Daher bin ich trotz aller Bedenken das Wagnis eingegangen und im Mai dieses Jahres dorthin aufgebrochen.
Die koptischen Christen werden in Ägypten verfolgt, und auch während meines Aufenthaltes dort wurde ganz in der Nähe auf ein ähnliches Kloster ein Anschlag mit vielen Toten und Verletzten verübt.

„Kopte“ heißt nichts anderes als „Ägypter“. Die koptischen Christen gehören der altorientalischen Kirche Ägyptens an, eine der Ostkirchen. Sie hat sich schon sehr früh von der katholischen Kirche abgespalten und hält bis heute urchristliche Rituale lebendig.
Während meines Besuches dort habe ich junge, moderne, aufgeschlossene Mönche und Nonnen kennengelernt. Ich durfte ihre wundervoll gesungenen Liturgien miterleben und die einfache und trotzdem unglaublich kostbare Schönheit dieses Ortes quasi „einatmen“.
 
Die Ruine eines koptischen Klosters.
 
Alle Religionen, ob monotheistische oder poltheistische, erzählen von dem Frieden unter den Menschen, der Freiheit des Geistes und der allgegenwärtigen Liebe Gottes. Warum gibt es gerade im Namen Gottes so viel Krieg Leid, Hass, Unfreiheit, Gewalt und Terror auf der Welt? Verpackt in wundersame Namen wie: Glaubenskrieg, Religionskrieg, Heiliger Krieg, Kreuzzüge, Inquisition, Nahostkonflikt, 30-jähriger Krieg, Nordirlandkonflikt und Dschihad (vollkommen unvollständige Liste) – man könnte meinen, dass sich fast die ganze Welt in einem Religionskrieg befindet. 
 
 
Im WWW braucht man nicht lange nach Bildern der Gewaltsuchen. Sie sind allgegenwärtig, omnipräsent und massenhaft vertreten.
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Ein junger Mann, vermutlich aus dem Irak, zeichnet Hubschrauber, die Bomben abwerfen und daneben eine Jesidische Flagge. Die Jesiden sind eine kurdisch sprechende religiöse Minderheit. Das Jesidentum, auch Ezidi genannt, entstand ca. 3000 Jahre vor Christus, ist also über 5000 Jahre alt. Seit 2014 werden Jesiden, die  im Norden des Iraks leben, auf Grund Ihres Glaubens verfolgt, versklavt, getötet oder zwangsbekehrt. Der Gott der Jesiden heißt EZNA, wobei EZ für Ich und DA für geben steht. EZNA bedeutet also: sich geben oder sich hingeben.
 
Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!
 

13 Juli 2017

ART & ANIMALS

Die Sommerpause ist vorbei. Nach einer unglaublichen (Zeit-)Reise in ein koptisches Kloster nahe bei Kairo/ Ägypten – ein Kunstprojekt darüber ist in Arbeit und wird selbstverständlich hier zusehen sein – einer wundervollen Wanderung in den Schottischen Highlands und drei Ausstellungseröffnungen geht es jetzt weiter mit: 
Kunst mit Tieren ist seit den frühen Höhlenzeichnungen ungebrochen im Trend. Auf der aktuellen documenta in Kassel sind am Sonntag die pittoresken Goldenen Reiter von Ross Birell nach einem 100 Tage langen und 3000 Kilometer weiten Ritt aus Athen angekommen. Von tausenden Besuchern freudig erwartet und umjubelt wurden die „documenta-Reiter“ und der „Götterhengst Hermes“ begeistert in Empfang genommen. Anne Imhoff, die gerade den goldenen Löwen der Biennale in Venedig gewonnen hat, benutzt für ihre wunderbaren Kunstaktionen auch Wachhunde und Esel. Und Joseph Beuys wurde weltberühmt, als er sich in einer New Yorker Galerie mit einem Kojoten zusammen einsperren ließ.
 
Anne Imhoff 2013 - Joseph Beuys 1974 - Ross Birell 2017
Warum ist Kunst mit Tieren so attraktiv? Vielleicht, weil wir Menschen die Tiere insgeheim um ihre Selbstverständlichkeiten beneiden. Sie leben vollkommen im Hier und Jetzt (wenn auch instinktgesteuert), stellen sich selbst und andere nicht in Frage und haben keine Angst vor dem Tod und dem Sterben. 
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Die Kunstinstallation ROTSEHEN – VOM UMGANG MIT DER WUT, die gerade auf der Höhler Biennale in Gera gezeigt wird, hieß ursprünglich „Der Schrei der Esmeralda“. Esmeralda ist ein junges, wildes, freiheitsliebendes Uhuweibchen. Im Zuge der Videoarbeit mit Esmeralda und anderen europäischen Uhus konnte ich ihr natürliches und überlebenswichtiges Aggressionspotential visuell erforschen und es mit den aktuellen „wütenden Zeiten“ in Beziehung zu setzen.
  
HÖHLER BIENNALE 2017 - Gera / Auswahl Deutscher Installationskunstpreis
7-Kanal-Videoinstallation - 1 Raspberry Pi-Netzwerk - 1 Sound Surround System














 
Video.js | HTML5 Video Player
 
 
Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet, die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden. Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte. DANKE! 

Kinder und Erwachsene malen und zeichnen immer wieder Fische.
Fischschwärme umgeben von Raubfischen, die Schiffe begleiten. Fluchterfahrungen.

 

13 April 2017

De ira >>> ZORNIGE ZEITEN

Die WUT ist überall. Sie ist greifbar und spürbar in der Politik, in den Religionen, unter Kollegen, unter Nachbarn, in der Familie, zwischen ehemals Liebende, zwischen Eltern und Geschwister, in Fußballteams, unter Chefs und Angestellten. 
Nachrichten ohne WUT und Aggressionen sind langweilig und erst Katastrophen sorgen für hohe Einschaltquoten. Unsere Fernsehlandschaft ist reinste WUT-Kultur. In zahllosen Krimis wird in einer Tour gemordet, getötet, gemetzelt und gestorben, was das Zeug hält. Allerorten liegen Leichen, fließt Blut. Gefolterte, geschändete Frauen, aufgehängte, durchbohrte Leiber, explodierende Autos, gezückte Pistolen, tropfendes, sickerndes, fließendes Blut. 
Hasskommentare und shitstorms in sozialen Netzwerken sind zum Alltag geworden. Mit Rufmord-Kampagnen, übler Nachrede und Mobbing-Attacken werden Männer, Frauen und Kinder an den Rand des Wahnsinns getrieben.
 
 
Man könnte meinen, zurzeit wird über alle verfügbaren Mittel WUT geschürt.
WUT auf das Andere, WUT auf das Fremde, WUT auf sich selbst.
Wozu brauchen wir diese allgegenwärtige WUT?
Ist es uns womöglich zu langweilig geworden, weil alles im Leben so geordnet, abgesichert und festgelegt ist?
Oder ist es die versteckte Sehnsucht nach großen Gefühlen? 
 
ROTSEHEN
Video.js | HTML5 Video Player VOM UMGANG MIT DER WUT
 
 
"De ira – Über die WUT"
ist eine schriftliche Abhandlung von L. Annaeus Seneca,
ein römischer Philosoph, Dramatiker, Naturforscher, Politiker und
einer der meistgelesenen Schriftsteller seiner Zeit.
Er wurde ca. im Jahre 4 v.Chr. geboren und hatte augenscheinlich 
schon damals viel mit dem Phänomen der WUT zutun.

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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!
Kinder und Erwachsene aus Syrien, Afghanistan und dem Kosovo
malen gemeinsam von „stürmischen Zeiten“.

25 März 2017

LICHTBLICKE und andere magische Momente

Auf meiner Pilgerwanderung in Spanien vor drei Jahren habe ich mich mit Sirpa aus Finnland angefreundet. Wie durch Zauberhand sind wir uns in den kuriosesten Situationen über den Weg gelaufen – zuletzt zur Abschlusszeremonie in der Kathedrale von Santiago de Compostela. Zwischen hunderten von Pilgern haben wir uns am Ende unseres Weges rein zufällig getroffen und standen gemeinsam zu Tränen gerührt und tief bewegt, um den Gesängen des Chores zu lauschen. Als wir uns voneinander verabschiedeten, wussten wir nicht, ob wir uns wiedersehen werden.
 
Vor einer Woche ist Sirpa aus Finnland zu ihrem Big Camino aufgebrochen. Von ihrem eigenem Zuhause in einer kleinen Stadt bei Helsinki zuerst 25 km bis zum Hafen, um dann mit der Fähre nach Travemünde überzusetzen. Dort angekommen, machte sie am frühen Montagmorgen den ersten Schritt auf ihrer sechs Monate langen und 3500 km weiten Pilgerwanderung quer durch ganz Deutschland, Frankreich und Spanien bis nach Santiago de Compostela. Mitten im Regen.
Gestern ist sie auf ihrem Weg in Hamburg angekommen und natürlich hat sie bei uns eine Herberge gefunden. Wir haben wundersame gemeinsame Stunden verbracht, um uns am heutigen Tag wieder unter Tränen voneinander zu verabschieden.

Das war ein magischer Augenblick. Einmalig und unwiederbringlich. Pilgerschwestern.
 
Magische Augenblicke gibt es auch in der Kunst. Sie kommen wie aus einer anderen Welt, beinahe ohne eigenes zu tun. Plötzlich passt etwas zusammen, ganz leicht, ohne es zu suchen oder zu wollen. Die Aufnahmen aus diese Bilderserie habe ich vor über zehn Jahren gemacht. Solange haben sie warten müssen, um wie durch Zauberhand in einem Gesangbuch ihren Platz zu finden.
 


















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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!

Während der Aktionen verwandeln sich die Tafeln in lebendige,
sich ständig verändernde Leinwände.

23 Februar 2017

FREIFLÜGE & ZUFÄLLE

Greifvögel gehören zu den scheuesten und wildesten Geschöpfen dieser Erde, und es ist immer wieder faszinierend, wenn ein abgerichteter Greifvogel nach dem Freiflug zur ausgestreckten Faust zurückkehrt. Das Abtragen von Greifvögeln gilt seit jeher als eine besondere Kunst. Im Mittelalter wurde der Falkner tatsächlich als Künstler angesehen und nicht als Jäger.
Die Kunst der Falknerei besteht darin, einen Wildvogel so an einen Menschen zu "binden", dass er ihm freiwillig folgt und ihn als seinen Partner anerkennt. Diese legendäre Partnerschaft zwischen Greifvogel und Mensch muss jedes Jahr aufs Neue ausgehandelt werden, denn nach ihrer Winter- und Mauserpause sind die Tiere komplett ausgewildert und wollen von uns Menschen nichts mehr wissen. Man fängt quasi von vorne an, und es kostet 2-5 Wochen harte Arbeit, bis die Vögel erneut in die Partnerschaft einwilligen. 
 
Ich habe nun das große Glück, gerade in dieser kritischen Zeit als Falknerin in einer Falknerei einen Adler, mehrere Falken, zwei Wüstenbussarden und einen Uhu begleiten zu dürfen - und ihren Weg vom kompletten Wildvogel bis hin zum ersten Freiflug hautnah mitzuerleben.
 
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Bei dem Uhu handelt es sich um genau das pubertierende Uhu-Weibchen,
das hier bereits mehrfach aufgetaucht ist und deren wunderschöne Augen
mich zu der Installation ROTSEHEN verführt haben.
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Mein Lieblingskuscheltier war vor sehr, sehr vielen Jahren ein Teddy, den ich
Bubo nannte. Der lateinische Name des Uhus lautet ebenfalls Bubo Bubo.
Zufälle gibt`s. 
 

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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!
 
Ein Junge aus dem Kosovo erzählt zeichnend von den Dingen,
die er zuhause zurück gelassen hat: seine Schule, seine Freunde.


 

20 Januar 2017

Heute mal >>> ein 356-Tage Projekt

Handarbeit statt Klettern
Unsere Vorfahren lebten auf Bäumen und liebten das Klettern Als das Leben in den Bäumen allmählich aus der Mode kam, wurde ihre Kletterhand langsam umgebaut, sodass sie das geschickte Hantieren mit Gegenständen und Werkzeugen üben konnten Und genau das machte den Weg frei für die Handarbeit, die noch heute für den Menschen so wichtig ist.

Die Macht der Hand
Handarbeit befriedigt unser das Bedürfnis nach Individualität und Kreativität. Jede Handarbeit besteht aus einer Vielzahl kleiner Schritte, aus denen mit der Zeit das fertige Ergebnis wächst. Aber die Hand ist nicht perfekt und so weiß man nie 100%ig, was letztendlich dabei herauskommt. Das macht ein Großteil der Faszination aus. Die Arbeit mit der Hand ist unvorhersehbar, unperfekt und einzigartig – back to he roots.

Ein kleines Tagwerk verändert die Welt
Konfuzius sagt: "Auch die weiteste Reise beginnt mit dem ersten Schritt." und alle großen Dinge beginnen im Kleinen. Das weiß auch das Internet. Es ist voll von 356-Tage –Projekten. Da wird gebastelt, gemalt, geschrieben und >>> täglich darüber gepostet. Was man dabei macht und dokumentiert, ist vollkommen egal. Alles ist möglich. Hauptsache, man bleibt dran. Man tut jeden Tag etwas, hat aber keine allzu große Aufgabe vor sich. Und wie durch ein Wunder können die vielen kleinen handgemachten Tagwerke etwas ganz unerwartet Neues in Gang bringen.
 
panta rhei – alles fließt – flow
 
Und hier gibt es zwei Beispiele von fertigen, wunderbar einfachen 356-Tage-Projekte:
link >>> 356 Gesichter
 
 
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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!
Ein Mädchen aus Syrien, im Malen von Blumen, Bergen und Flüssen
(vielleicht aus ihrer Heimat) komplett vertieft.
 

11 Januar 2017

Der KITSCH_FAKTOR

Überall, wo viele Menschen zusammenkommen, gibt es KITSCH. Kitsch für Fans, Kitsch für Touristen, Kitsch für Liebhaber. Kitsch ist geschmacklos, minderwertig, grell, trivial, sentimental, übertrieben, unecht, banal, sinnlos, billig und verlogen – ABER – er wird massenhaft hergestellt und lässt sich glänzend verkaufen: Gartenzwerge, röhrende Hirsche, Masken aus aller Welt, Fahnen, Wimpel, Postkarten, schnulzige Heimatfilme, volkstümliche Hitparaden, triefende Trivialliteratur, sentimentale Seifenopern. Etwas als Kitsch zu bezeichnen, ist ein vernichtendes Urteil, das sowohl seinen Verehrer als auch das komplette Umfeld trifft. Dabei weiß keiner so recht, was Kitsch eigentlich ist. 

Was für den einen Kitsch ist, ist für den anderen heilig.
Was für den einen Kitsch ist, ist für den anderen kultiger Trash.
Was für den einen Kitsch ist, ist für den anderen ein Lebensinhalt
Was für den einen Kitsch ist, ist für den anderen eine Freude.
Was für den einen Kitsch ist, ist für den anderen (teure) Kunst.
Was im Abendland Kitsch ist, ist im Morgenland eine Rarität (und umgekehrt).
 
Heilige aus dem Westen und dem Osten

Ballon-Dogs von dem hochdotierten Künstler Jeff Koons

Venezianische Masken

Abfälle einer Souvenir-Manufaktur in Ägypten
 
Kitsch polarisiert.
Während die einen darauf schwören, dreht sich bei Anderen, alleine im Angesicht des Wortes "Kitsch", der Magen um. Brauchen wir möglicherweise den Kitsch, um nicht ständig nach dem tieferen Sinn des eigenen Daseins suchen zu müssen?

 
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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!
Zwei junge Mädchen, beide um die 15 Jahre alt,
eine mit und eine ohne Kopftuch,
skizzieren ihre Sehnsucht nach Liebe.
 

19 Oktober 2016

zwischen AGGRESSIV und KREATIV

Landläufig glaubt man, Adler, Habichte und Falken würden ständig in den Lüften kreisen um nach Beute Ausschau zu halten. Das stimmt so nicht. Greifvögel sind höchstens einmal am Tag aktiv und entwickeln dabei einen Stoffwechsel wie ein Hochleistungssportler. Die Beutejagd verlangt ihnen so viel ab, dass sie sich den Rest des Tages, also 23,5 Stunden, davon erholen müssen, sprich ausruhen. Falkner sagen dazu, sie „stellen“ sich auf. Die meiste Zeit des Tages verbringt der Greifvogel auf einem Baum oder einem Felsen. Still, beobachtend, man könnte fast meinen, er meditiert. Charakteristisch für Greifvögel ist also ihre zielgenaue Aggression in Kombination mit stundenlangen Ruhephasen, die man auch „Greif-Meditation“ nennen könnte.
 
Das Wort Aggression kommt aus dem Lateinischen und ist erst einmal wertneutral. Es setzt sich aus den Silben ag für „zu, nach hin“, gradi für „schreiten, festen Schrittes gehen“ und gradus für „Schritt“ zusammen. Aggression könnte man also von seinem Ursprung her mit „Festen Schrittes zu etwas hingehen“ übersetzen Demnach wäre jede zielgerichtete Aktivität als aggressiv einzustufen. Heute fasst man den Begriff Aggression natürlich wesentlich enger.

Das Wort Meditation kommt ebenfalls aus dem Lateinischen, und heißt übersetzt „nachdenken, nachsinnen, überlegen“. Der Ursprung der Meditation wird im Fernen Osten vermutet, genauer dem heutigen Afghanistan, wo sie vor gut 4000 Jahren als eine Art spirituelle Geistessschulung entwickelt wurde.
Heute befassen sich Neurowissenschaftler mit den Auswirkungen der Meditation auf unser Gehirn. Sie untersuchen beispielsweise die Gehirne von buddhistischen Mönchen während ihrer Meditation in einem MRT. Dabei haben sie festgestellt, dass regelmäßiges meditieren speziell den präfrontalen Kortex aktiviert und stärkt. Das ist der Bereich im Gehirn, der für unsere Entschlossenheit, unsere Handlungsbereitschaft, unser Planungsvermögen und unsere Problemlösungen zuständig ist – und der normalerweise leider eher schlecht entwickelt ist. Außerdem werden während einer Meditation im Gehirn Thetawellen erzeugt. Thetawellen (7 - 4 Hz) sind die Wellen des Unterbewussten. Sie kommen besonders im Traum, in der Meditation, bei Gipfelerfahrungen und während kreativer Zustände vor.
 
Kurz gesagt macht es die Mediation für uns also leichter, 
 kreativ, lösungsorientiert und punktgenau zu handeln.
Vielleicht können Greifvogel nur deshalb so zielgerichtet handeln,
weil sie die meiste Zeit des Tages meditierend zubringen?
 
Die roten Augen eines Uhu-Weibchens wechseln kaum merklich
zwischen unverhohlener Aggression und konzentrierter Beobachtung.

Ein Junge aus Afghanistan/Kabul malt ein feuerrotes Haus ohne Fenster und mit verschlossener Tür.

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die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE! 
 

21 September 2016

MUT ZUR WUT

Der Adler ist seit jeher ein Inbegriff für Freiheit, innere Kraft, konzentrierte Ruhe und zielgerichtete Aggression. Seine Argusaugen beobachten unermüdlich und über weite Entfernung alles bis ins Kleinste. Über die beinahe übersinnlichen Kräfte des Königs der Lüfte gibt es unzählige Geschichten.

So erwählte der Legende nach Zeus, der höchste aller griechischen Götter, den Adler zu seinem Symboltier. In der hinduistischen Kunst ist Garuda, das Reittier des Gottes Visnu, ein Vogelwesen mit Adlerschnabel. Im Christentum ist der Adler ein Kennzeichen des Evangelisten Johannes sowie zahlreicher anderer Heiliger und ein Sinnbild für die Himmelfahrt Christi. Kaiser Karl der Große entdeckt im Jahre 800 den Adler als kaiserliches Wappentier. Damit galt der Adler für Jahrhunderte als Königssymbol und konnte sich bis heute als Staatssymbol durchsetzen. Als Bundesadler ist er im Staatswappen der Bundesrepublik Deutschland zu sehen – und auf den deutschen 1- und 2-Euro-Münzen hat er es auch geschafft.
 
Greifvögel, allen voran der Adler, aber auch Habichte, Falken und Uhus sind tatsächlich höchst aggressiv und vollkommen unsozial. Das einzige, was sie wirklich interessiert, ist es „Beute zu machen“, um selber satt zu werden oder ihre Jungen zu füttern. Sie haben keinerlei gemeinnütziges Interesse. Wenn zwei Habichte sich so nahe wie auf dem unteren Bild kommen würden, würden sie sich in kürzester Zeit gegenseitig zerfleischen.
 
so guckt ein "entspanntes" Habichtsweibchen
 
Wenn man sich Greifvögeln nähert – beispielsweise bei einer Ausbildung zur FalknerIn, wie ich sie gerade mache – muss man sich dieser wütenden Aggression des Vogels stellen und sie „benutzen“ lernen. Wut und Aggression sind unter Menschen Eigenschaften, die nicht toleriert werden. Wut macht vor allem Angst, ist zerstörerisch und kann gewaltiges Unheil anrichten. Derartige Gefühle werden schon im Kindesalter weitgehend tabuisiert und unterdrückt. Auf der anderen Seite wird in politischen, wirtschaftlichen aber auch geistigen und psychischen Bereichen genau diese zielgerichtete Aggression eines Greifvogels eingesetzt, um eigene Interessen in welcher Form auch immer durchsetzen zu können. 
 
"Greifvogel-Geschüh", das der Falkner anlegt, um den Vogel "abzutragen"

Mir kommt der Verdacht, dass Wut und Aggression eine durchaus erlaubte, vielleicht sogar überlebenswichtige Funktion haben könnten - solange sie kontrolliert eingesetzt und ehrlich angesprochen werden. Und dass die von Kindheit an unterdrückte Wut viel mehr Schaden anrichten könnte, als ein gesundes und kultiviertes „Mut zur Wut“.

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Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!

Ein etwa 12-jähriger Junge aus Kabul/ Afghanistan 
zeichnet "rauchende" Panzer, die durch seine Heimat ziehen.


 

06 September 2016

LEBENSTRÄUME & HÜHNERPULLIS

Warum sich Lebensträume nicht gleich erfüllen statt bis zum nächsten Leben damit zu warten? Ich habe am Wochenende damit begonnen und mache endlich eine Ausbildung zur FALKNERIN. An vier aufeinanderfolgenden und bis zum Rand gefüllte Wochenenden lerne ich alles über Greifvögel – von der Aufzucht bis zur Beizjagd – in Theorie und Praxis und natürlich mit Prüfung. Es ist unglaublich spannend.
 
Auf dem Heimweg habe ich einen Bericht im Radio gehört, der zwar gar nichts mit Greifvögeln zu tun hat, aber auch mit Vögeln. Es ging um Hühner und dem Verein „Rettet das Huhn e.V. ".
Dieser Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, ausgediente Legehennen aus Massentierhaltungen zu übernehmen und an solche Menschen weiter zu vermitteln, die ihnen ein artgerechtes, erfülltes Hühnerleben schenken möchten. Dafür holen sie die etwas 1,5 Jahre jungen Legehennen aus großen Legebatterien ab und vermitteln sie an "HühnerliebhaberInnen" weiter. Im Betrieb würden sie einfach „entsorgt“ werden, weil sie ab einem gewissen Alter nicht mehr genug Leistung bringen. Die ehemaligen Hochleistungslegehennen haben oftmals kaum noch Federn und sind komplett abgemagert, weil sie weder ihre natürliche Hackordnung ausleben konnten, noch die Sonne gesehen haben. Zum Schutz vor Kälte und Verletzungen brauchen sie, bis ihr Federkleid wieder nachgewachsen ist. selbstgemachte „Hühnerpullis“. Der Verein hat mittlerweile über 38.000 Legehühner gerettet – also brauchen sie entsprechend viele solcher „Hühnerpullis“ und bitten um Mithilfe. Denn Hühnerpullis kann man nur selber machen, die können nirgends gekauft werden. Auch nicht auf Amazon.

Auf Youtube gibt es eine genaue Nähanleitung, wie und woraus diese Hühnerpullis gemacht werden können:
link >>>  youtube_Nähanleitung_HÜHNERPULLI
Auf ihrer www-Seite kann eine Anleitung als pdf- Datei heruntergeladen werden:
link >>> Nähanleitung_HÜHNERPULLI_pdf
Und hier gibt es aktuelle Informationen zu "Rettet das Huhn e.V.:
link >>> RETTET DAS HUHN



Der Verein freut sich über jeden selbstgemachten HÜHNERPULLI,
der ihnen zugeschickt wird. Wer hat Lust?
Viel Spaß!

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Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!
Ein Mädchen aus dem Iran, ca. 12 Jahre alt, malt am selben Tag,
an dem sie mit 450 weiteren Menschen hier in Hamburg angekommen ist,
hochkonzentriert ihren "Traum von Heimat".

 

30 August 2016

HEUTE MAL ***ANDERS/ Teil II

HEUTE MAL >>> auf dem Stuhl stehen
 
Coaching ist ein Zauberwort, das Internet ist voll davon. Da werden unterschiedlichste Coaching-Methoden angeboten, die alle das Gleiche versprechen. Glück! Glück in der Liebe, im Beruf, in der Familie, unter Freunden. Das Wort „Coaching“ kommt aus dem Englischen und bedeutet ursprünglich „Kutsche“. Coaching ist also, wenn man so will, eine „Kutsche ins Glück“.
Coaching-Methoden sind so unterschiedlich wie die Menschen, die sie brauchen. Eine richtig witzige Methode ist das „auf den Stuhl stehen“. Sie soll dabei helfen, eine neue Sicht der Dinge zu bekommen,  um daraus heraus eigene Lebensmuster besser erkennen zu können. Die Übung geht ganz einfach:
  1. Stelle dich auf einen erhöhten Gegenstand, also einen Stuhl, einen Hocker oder einen Tisch
  2. Bleibe 5 Minuten darauf stehen (3 Minuten sind auch schon ziemlich lang )
  3. Konzentriere dich auf deine neue Perspektive
  4. Wiederhohle diese Übung täglich
Coaching-Methoden und Konzept-Kunst können tatsächlich einiges gemeinsam haben. Denn das „auf den Stuhl stehen“ ist auch eine weltweite Kunstaktion, bei der Menschen dazu animiert werden sollen, sich neben Edward Snowden, Julien Assange and Chelsea Manning auf einen Stuhl zu stellen. Dabei handelt es sich um eine lebensgroße Bronze-Plastik, auf der die drei Whistleblower bereits oben stehen. Der vierte Stuhl ist leer und bildet das Sprachrohr für jeden, der Teil des Kunstwerkes werden möchte. „Stell‘ dich auf den Stuhl, mach’ ein Foto und zeig es der Welt – das ist deine Statue!“ so die Aufforderung. Die Kunstaktion heißt „Anything to say?“ und ist u. a. in Dresden, Berlin, Belgrad, Straßburg, Paris und Slowenien durchgeführt worden.
 
 siehe link >>> ANYTHING TO SAY?
 
HEUTE MAL >>> auf den Stuhl stehen
ist also ein Kunst-Coaching (übersetzt: Kunst-Kutsche) und geht so:
  1. Nimm dir einen Stuhl oder Hocker
  2. Gehe damit nach draußen auf die Straße (>>> zur Not geht es auch im Wohnzimmer<<<)
  3. Stelle ihn auf einen Platz deiner Wahl
  4. Stehe 3 oder 5 Minuten lang auf dem Stuhl und staune über das, was passiert
  5. Wenn du ganz mutig bis, nimmst du noch einen zweiten Hocker mit und fragst eine/n FreundIN, NachbarIN oder PassantIN, ob sie/er Lust hat, mitzumachen
  6. Mache davon ein Selfie/ Foto und zeige es der Welt (oder mir)
  7. VIEL GLÜCK
 
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DANKE!
Ein Junge aus Syrien, ca. 8 Jahre alt, sammelt Farben wie ein Schatz.

 

04 August 2016

AMAZON mag alle Religionen

AMAZON mag alle Religionen, denn bei Amazon kann man die Schmuckstücke und Insignien aller Glaubensrichtungen und spiritueller Geisteshaltungen einfach kaufen. Da gibt es:
    1. Buddhafiguren in allen erdenklichen Variationen
    2. unzählige Schmuck- und Wandkreuze 
    3. Gebetsketten für Muslime, die Misbahe mit 33-99 Perle
    4. Gebetsketten für Buddhisten, die Mata mit 108 Perle
    5. Gebetsketten für Christen der katholischen, protestantischen und orthodoxen Kirche, der Rosenkranz mit 59 Perlen 
    6. Jüdische Kippas 
    7. Islamische Gebetsteppiche
    8. Burkas, Gesichtsschleier und Kopftücher in allen Farben
Bei Amazon wird also genau das friedliche Nebeneinander der Weltreligionen gelebt, von dem Papst Franziskus dieses Jahr am Dreikönigstag in seiner Videobotschaft gesprochen hat:
"Der größte Teil der Erdbevölkerung bezeichnet sich als gläubig. Diese Tatsache sollte zu einem Dialog zwischen den Religionen ermuntern. Wir dürfen nicht aufhören, dafür zu beten, und mit denen zusammenzuarbeiten, die anders denken."
„Ich setze mein Vertrauen in Buddha“  
„Ich glaube an Gott“
„Ich glaube an Jesus Christus“
„Ich glaube an Gott, Allah“
„Ich glaube an Nichts“
„Ich glaube an JHWH“ 
„Ich glaube an Mich“


Oder geht es bei AMAZON doch nur wieder um das Geschäft?

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DANKE!
 
Mädchen, Afghanistan, 7 Jahre alt
 

29 Juli 2016

DAS ANDERE GLÜCK

Über eine Millionen Flüchtlinge sind seit 2015 in Deutschland angekommen, die genaue Zahl weiß keiner. Unterkünfte sind wie Pilze aus dem Boden geschossen und mit ihnen unzählige Initiativen. Über das freiwillige Engagement vieler, vieler Menschen entstanden Kleiderkammern, Deutschkurse, Kochkurse, Patenschaften, Kunstprojekte, Kulturprojekte, Begegnungsprojekte, runde Tische, Helferskreise, Arbeitskreise, Sprachbrücken, Plauderkreise, Lesekreise, Gartenprojekte, Fahrradwerkstätten usw.
 
Glaubt man der Katze vom Dalai Lama, dann gibt es eine mathematische Glücksformel. Diese Formel besagt unter anderem, dass Glück die Nebenwirkung des Engagements für eine Sache darstellt, die größer ist, als man selbst.
Demnach sind die ganzen vielen Menschen, die sich gerade jetzt für die Flüchtlinge engagieren und sich so für eine größere Sache einsetzen, auch selber ein Stück glücklicher. Eben weil sie helfen (dürfen) und sich für eine sinnvolle Sache einbringen können.

Unter diesem Gesichtspunkt sollte man sich bei den vielen tausend Menschen, die hier ein neues zuhause suchen, eigentlich bedanken. Durch sie sind die vielen kunterbunten Initiativen und Projekte überhaupt erst entstanden und das individuelle Glücksempfinden der vielen Helferinnen und Helfer ganz nebenbei aber spürbar angewachsen. Gäbe es ein bundesweites Glücksbarometer, dann wäre der Zeiger deutlich gestiegen – und tut es auch weiterhin. Also:

DANKE!
an die vielen tausend Menschen,
dass ihr zu uns kommt
und wir dadurch etwas glücklicher sein dürfen!
 
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die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
 
 
Tafel der Begegnung
 
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PS: die Glücksformel gibt es wirklich:
 
 

26 Juli 2016

EINZELGÄNGER *** Phönix aus der Asche

 
Greifvögel mögen keine Nähe
 
Greifvögel sind stolze Vögel. Sie scheinen unerreichbar, haben Argusaugen, schlagen ihre Beute zielgenau und werden als Krafttiere verehrt. Wer Greifvögel am Himmel kreisen sieht, der kann ein ehrfürchtiges Staunen kaum unterdrücken. Sie sind ein weltweites Symbol für Kraft und Freiheit, verkörpern Autonomie, Stolz und Effizienz und strahlen unverhohlene Aggression aus. Wie gewöhnt man diese stolzen und eigensinnigen Vögel an den Menschen?
 
Falkner(in) für einen Tag. 
 
Auf ihre unglaubliche sympathische Art hat uns Ricarda, die Falknerin und Tierpflegeleiterin des Falkner-Parks Örtze bei Müden, nicht nur die Psychologie der Greifvögel nahegebracht, sondern uns auch unsere Berührungsängste genommen. Nach einer kurzen Einführung ging es los – ganz praktisch: 
 
Abtragen – Ätzung – Freiflug. 
 
Das heißt im Klartext: Handschuh an und Greifvogel ´drauf. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, mit diesen stolzen Tieren durch den Park zu wandern. Später kamen kurze Flüge an der Leine dazu, die Krönung bildete ihr atemberaubender Freiflug – natürlich alles mit der entsprechenden Belohnung, denn sie machen NICHTS umsonst. So lernten wir den Wanderfalken Siwa, die Wüstenbussarde Ron und Hermine, den Adler Tria und den Uhu Esmeralda kennen und lieben. Ganz nebenbei weihte uns Ricarda in die Geheimnisse der Greifvogelmentalität ein: seine Bedürfnisse als Hochleistungssportler, seine natürliche Aggressionsfähigkeit, sein Fressverhalten, seine Auffassungsgabe und sein Verhältnis zum Menschen.
 
 
 
Eine Greifvogelmentalität ist gar nicht so weit entfernt ist von unseren modernen Managerqualitäten:
Zielgenauigkeit, Konzentration, Weitsicht, Selbstbestimmtheit.
>>> Das könnten aber auch die Ziele eines westlichen ZEN-Buddhisten sein <<<
 
Das gibt zu denken.
Mit dem Schwarmverhalten einer Ameise haben Greifvögel jedenfalls rein gar nichts zu tun.

AMAZON´S HORROR.

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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!
Ein junger Mann aus Syrien, vielleicht 25 Jahre alt,
zeigt mir auf seinem Handy Fotografien von seiner Familie.
Seiner Frau, seinen Kindern, seinen Eltern, seinen Geschwistern.
Sie sind alle nicht mehr da.
Er ist ganz alleine.
 

14 Juli 2016

ME, MYSELF & I _ 24 Stunden ohne ICH

In Deutschland leben knapp 81 Millionen Einwohner. Davon nehmen mindestens 1,6 Millionen Menschen regelmäßig verschreibungspflichtige Schlaf- und Beruhigungsmittel ein, um Angstzustände, Panikattacken und innere Unruhe in den Griff zu bekommen.

Auf der ganzen Welt leben fast 7,5 Milliarden Menschen und alle haben ein eigenes ICH. Jeder für sich ein einzigartiges Individuum, das sich in den meisten Fällen selbst am nächsten steht.
Wenn wir von oben auf diese Welt blicken würden, dann sähen wir also 7,5 Milliarden ICHs, die sich wie Derwische um ihre eigene Achse drehen. Sie kreisen um ihre Bedürfnisse, Wünsche, Sehnsüchte und Vorlieben und mit dem Wort ICH meinen keine zwei Menschen dasselbe.

Dabei kann so ein ICH ziemlich anstrengend sein: Wer bin ich und wenn ja, wie viele? Bin ich gut genug? Geht es noch besser? Habe ich alles richtig gemacht? Bin ich erfolgreich? Habe ich alle Möglichkeiten ausgeschöpft? Bin ich schuld? Tue ich genug für mich? usw. usw. usw.
 
 
Stell dir mal vor, es gäbe ein
Urlaub vom ICH
 >>> 24 Stunden ohne ICH <<<
und so geht es:
Streiche einen Tag lang die Wörter ICH – MIR – MEIN – MEINS
komplett aus deinem Vokabular und aus deiner Gedankenwelt.

 Ab JETZT.
 Gute Erholung wünscht die Ameizon-Hegerin

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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!
Ein kleines Mädchen aus Syrien malt immer wieder dasselbe:
riesige, aufgerissene Augen, offene schreiende Münder
 
 

05 Januar 2016

WEGE & UMWEGE - weitergehen

Liebe AMEIZON-Freund(-innen), Nacht-Schwärmer(-innen) und Lebenskünstler(-innen)
 
Das AMEIZON-Projekt neigt sich nach 15 Monaten dem Ende. Durch die vielen Einträge und Veröffentlichungen über „Ameisenschwärmen, Pilgerwegen und Internetgiganten wie Amazon“ durfte ich in dem vergangenen Jahr viel mit und von euch lernen:
 
  • Ohne diesen blog wäre meine Teilnahme an dem bundesweiten Pilotprojekt für Künstler zu dem Thema DIVERSITÄT an der Bundesakademie in Remscheid nicht möglich gewesen
  • Die daraus entstandenen Kunstaktionen vor Hamburger Notunterkünften mit geflüchteten Menschen aus aller Welt, aus der so viele unglaubliche Bilder entstanden sind, haben darin ihren Ursprung
  • Auf der Ameisenwarte in Bayern durfte ich alles über Ameisen erfahren und bin jetzt stolze und zertifizierte (Stadt-)Ameisenhegerin mit einem offiziellem „Ameisenhegeschein“
  • Natürlich konnte ich meiner Lust am Schreiben endlich einmal richtig frönen
  • und viele Ideen zu Ende denken
  • Die Blog-Aktion Foot-Shooting skizzierte meine neue Installation über
    (eigene+fremde)(flucht+pilger)WEGE
  • Und letztendlich durfte ich mit diesem kleinen Ausflug in die Gefilde des „social-media“  Möglichkeiten und Grenzen hautnah erleben. 
 
Jetzt werde ich mich auf meine kommende Ausstellung konzentrieren. Sie findet im Flandernbunker/ Kiel statt – ein sehr markanter Ausstellungsort – und wird am 8. Mai eröffnet. Ich kenne diesen Bunker gut, denn ich habe dort schon vor 25 Jahren „gearbeitet“, also Rauminstallationen entworfen, fotografiert, gefilmt, vertont, collagiert. 
 
BUNKER#HEIMAT
wird die Ausstellung heißen und ein Logo gibt es auch schon dazu. 
 
 
Natürlich werden dort auch Themen, die in diesem blog vorgekommen sind, auftauchen. Vieles davon wird mit einfließen. Daher bedanke ich mich besonders für die vielen wertvollen Kommentare, für eure Treue und für eure Anregungen. 
 
 
 Ich würde mich sehr freuen, euch auf der Ausstellung im Mai begrüßen zu dürfen.
Mit einem großen DANKESCHÖN! verabschiedet sich die AMEIZON-Hegerin

mit einem Lieblingszitat von der Königen.

Zu einem guten Ende gehört ein guter Anfang
Konfuzius

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alle weiteren Informationen:
  

22 Juli 2015

ZATAARI & DADAAB _ Schlafstätten

Letzte Woche habe ich eine Zeltstadt für „Flüchtlinge“ besucht. Zeltstädte werden gerade überall in Hamburg errichtet, damit die vielen Menschen, die hier täglich ankommen, einen Platz zum Schlafen finden können. Die, die ich besucht habe, steht im Moorpark. Dort werden in den kommenden Monaten um die 500 Menschen ein vorläufiges zuhause finden.



Dabei konnte ich einen Blick ins Innere dieser Zelte erhaschen - was gar nicht so einfach ist, weil sie von einem blickdichten Zäunen umgeben sind. Stockbetten, eng nebeneinander, 16 Schlafplätze in einem Zelt. Von Privatleben keine Spur.



Das erinnerte mich an die teilweise sehr engen Unterkünfte auf dem Jakobsweg, in denen ich auf meiner Pilgerreise übernachtet habe. Auch da gab es keine Privatsphäre – aber PilgerInnen wollen es genauso und nicht anders.


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 Zeltstädte und andere Notunterkünfte werden in Hamburg immer größer.
Die größten Flüchtlingslager dieser Welt gibt es allerdings nicht bei uns in Hamburg
oder in anderen reichen Großstädten, sondern in den ärmsten Ländern dieser Welt.
Ihre Namen klingen wie Geschichten aus 1001 Nacht: Zataari & Dadaab
Es sind gigantische Flüchtlingslager; Zelt- und Containermetropolen.
 
 
Zaatari ist in Jordanien nahe der syrischen Grenze. Dort leben heute über 85.000 Menschen
 
 
Dadaab liegt in Kenia und bietet Platz für fast 500.000 Flüchtlingen aus Somalia.

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Wieviel Privatsphäre braucht ein Mensch? Und wann stirbt die Hoffnung?
 
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Wer in Zelten leben kann, steht sich am besten.
Johann Wolfgang von Goethe 
 
Was Goethe damit gemeint haben könnte?