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05 Juli 2018

MUMMENSCHANZ

Nach einer kleinen Pause – in der eine Reise nach Anafora in Ägypten, ein Aufbau der Installation ROTSEHEN auf der Nordart und eine Einladung nach Ulaanbaatar in der Mongolei meine ganze Aufmerksamkeit gefordert hat – geht es jetzt endlich weiter mit
 
DENKEN IN BILDERN
und der Frage
Warum ist das Vermummen auf Demonstrationen verboten und auf Prozessionen erlaubt?

Auf Demonstrationen muss die Identität jedes einzelnen nachgewiesen werden können. Wenn das nicht möglich ist, droht eine einjährige Haftstrafe. Das gilt jedoch nur für die Teilnehmer, nicht für die begleitenden Polizisten. Die dürfen unerkannt bleiben.
Bei Prozessionen ist das Vermummen und Verschleiern ausdrücklich erlaubt und gewünscht. Prozessionen gibt es seit tausenden von Jahren, sie sind ein wesentlicher Bestandteil vieler Religionen, eine Art ritueller Fußmarsch zu einem bestimmten Ort. Auf Prozessionen wird maskiert, verschleiert, vermummt und es entstehen große Gruppen von Menschen, die alle gleich aussehen. Rein optisch gesehen gibt es kaum noch einen Unterschied zwischen Nonnen, Mönchen Burka-Trägerinnen, und anderen Teilnehmern. Alles sieht sich zum Verwechseln ähnlich. Auf der Prozession auf La Palma zur Heiligen Woche sehen die Büßer wie Mitglieder des rassistischen und gewalttätigen Ku-Klux-Klans aus. Unter den Verschleierungen scheinen sich alle Religionen, Weltanschauungen und Überzeugungen optisch zu vermischen.
 
Die Individualität des Einzelnen rückt in den Hintergrund und es ist nicht mehr wichtig, dass wir als ein einzigartiges Wesen gesehen und anerkannt zu werden. Stattdessen werden wir Teil eines Ganzen, das in sich eine eigenständige Kraft hat und ein faszinierendes Eigenleben entwickeln kann. Eine Eigendynamik, die kaum aufzuhalten ist. Wir bekommen sie spielerisch auf Flashmobs und Critical-Mass-Aktionen zu spüren und ganz elementar dann, wenn viele Menschen etwas gemeinsam wollen und ihre eigenen Bedürfnisse, Wünsche und Besonderheiten dahinter zurückstellen.
 
Vermummte
Polizisten
Katholische Nonnen
Burka-Trägerinnen
Katholische Nonnen
Mönche Pathos
Buddhistische Mönche
Kardinäle
 
Das kann Angst machen - muss aber nicht.
 
Heilige Woche La Palma

01 März 2017

Heute mal ***NICHTSTUN

Inspiration ist ein Zauberwort. Schon als die Menschheit am Anfang stand, ließ sie sich von der Natur und ihren Mitmenschen inspirieren. So entstanden unzählige Werkzeuge, erstaunliche Kunstwerke, überlieferte Geschichten und das Feuer.

Inspiration ist etwas Schönes, hat aber einen ausgesprochenen Nachteil. Meisten erwischt sie uns beim absoluten NICHTSTUN. Beim einfach-nur-da-sitzen und Löcher-in-die-Luft-starren. Dann kommt möglicherweise irgendwann und komplett unerwartet dieser eine Gedanke, dieses eine Bild oder was auch immer, das uns entführt und uns auf eine Reise schickt, deren Ziel wir noch nicht kennen.
Dabei hat das Nichtstun alias Langeweile einen ziemlich schlechten Ruf. In der Regel wird über Stress geklagt - Arbeitsstress, Freizeitstress, Familienstress. Aber insgeheim ist manch einer stolz auf seinen Stress. Stress adelt, ist Ausweis von Leistung, die an die Grenze geht. Wer Stress hat, ist wichtig. Gelangweilte wissen nichts mit sich anzufangen, "nutzen ihr Potenzial nicht", verschwenden ihre Zeit und ihr Leben.

Das ist eine weit verbreitete Haltung - aber dass diese ständige Betriebsamkeit, Erreichbarkeit und Zielstrebigkeit gute Ideen eher vernichtet als sie voranbringt, ist kein großes Geheimnis. In London gibt es seit 2010 tatsächlich eine jährlich stattfindende Boring-Conference. Gesucht werden auf dieser Konferenz der Langenweile Menschen, die Vorträge zu den langweiligsten Themen der Welt halten. So wird über die "Seriennummern von U-Bahn-Waggons", die "Frühstücksauswahl amerikanischer Kettenrestaurants" und über "Londoner Ladenfassaden" referiert. Wenn man Teilnehmer der Veranstaltungen am Ende danach fragte, wie sie die Konferenz der Langenweile fanden, bekam man die erstaunliche Antwort. „Es war sehr interessant!"

 
Auf den Jakobswegen in Spanien gibt es vielerorts kleine und große Steinhaufen, auf denen Pilger ihre Botschaften hinterlassen haben - Wünsche, Träume, Erinnerungen. Für mich war es ungeheuer inspirierend,
in diesen Hinterlassenschaften nach den Geschichten zu suchen, die sie mir erzählen könnten.

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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!
>>> gemeinsam sein <<<
 

23 Februar 2017

FREIFLÜGE & ZUFÄLLE

Greifvögel gehören zu den scheuesten und wildesten Geschöpfen dieser Erde, und es ist immer wieder faszinierend, wenn ein abgerichteter Greifvogel nach dem Freiflug zur ausgestreckten Faust zurückkehrt. Das Abtragen von Greifvögeln gilt seit jeher als eine besondere Kunst. Im Mittelalter wurde der Falkner tatsächlich als Künstler angesehen und nicht als Jäger.
Die Kunst der Falknerei besteht darin, einen Wildvogel so an einen Menschen zu "binden", dass er ihm freiwillig folgt und ihn als seinen Partner anerkennt. Diese legendäre Partnerschaft zwischen Greifvogel und Mensch muss jedes Jahr aufs Neue ausgehandelt werden, denn nach ihrer Winter- und Mauserpause sind die Tiere komplett ausgewildert und wollen von uns Menschen nichts mehr wissen. Man fängt quasi von vorne an, und es kostet 2-5 Wochen harte Arbeit, bis die Vögel erneut in die Partnerschaft einwilligen. 
 
Ich habe nun das große Glück, gerade in dieser kritischen Zeit als Falknerin in einer Falknerei einen Adler, mehrere Falken, zwei Wüstenbussarden und einen Uhu begleiten zu dürfen - und ihren Weg vom kompletten Wildvogel bis hin zum ersten Freiflug hautnah mitzuerleben.
 
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Bei dem Uhu handelt es sich um genau das pubertierende Uhu-Weibchen,
das hier bereits mehrfach aufgetaucht ist und deren wunderschöne Augen
mich zu der Installation ROTSEHEN verführt haben.
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Mein Lieblingskuscheltier war vor sehr, sehr vielen Jahren ein Teddy, den ich
Bubo nannte. Der lateinische Name des Uhus lautet ebenfalls Bubo Bubo.
Zufälle gibt`s. 
 

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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!
 
Ein Junge aus dem Kosovo erzählt zeichnend von den Dingen,
die er zuhause zurück gelassen hat: seine Schule, seine Freunde.


 

15 Februar 2017

Das Geheimnis einer Minute

In Silikon Valley wird meditiert und Google hat damit angefangen. Um Innovationen zu fördern, stellt Google alle Ingenieure 20 % ihrer Arbeitszeit frei, damit sie an etwas arbeiten, was nicht mit ihren eigentlichen Projekten zu tun hat. Chade-Meng Tan war als einer der ersten Ingenieure bei Google angestellt, und er nutzte seine 20%, um an seinem großen Lebenswunsch zu arbeiten: dem Weltfrieden. 
Daraus entstanden ist  ein Coaching-Programm, an dem alle Google-Mitarbeiter freiwillig teilnehmen können. Ziel dieses 7-wöchigen Achtsamkeitstrainings ist es, meditative Praktiken in den Arbeitsalltag einzubinden, um kreativer, produktiver und ganz nebenbei glücklicher, gesünder und selbstbestimmter zu werden. 
Und es funktioniert. Die Bewertungen derjenigen, die an dem Programm teilgenommen haben, sind überwältigend. Chade Meng Tan hat ein Buch darüber geschrieben, dass in 21 Sprachen übersetzt wurde und dass selbst der Dalai Lama für gut befunden hat.
 
SEARCH INSIDE YOURSELF – SUCHE IN DIR SELBST
 
Meditative Praktiken in den Alltag einzubinden bedeutet keine stundenlange Versunkenheit, wie man sie von buddhistischen Mönchen her kennt. Eine Minute reicht völlig aus. Eine Minute Stille vor einer wichtigen Sitzung, eine Minute bewusst atmen, eine Minute genussvoll essen, eine Minute lang etwas anschauen, als hätte man es noch nie gesehen. Eine Minute, die die Welt verändert und dem Leben eine andere Richtung geben kann.
 
Chade Meng Tan geht sogar noch weiter. Ihm reichen 6 Sekunden.
Zitat: Sechs Sekunden sind genug. Einmal konzentriert ein- und ausatmen.
Wenn du traurig über etwas bist, bist du in der Vergangenheit,
wenn du etwas befürchtest, bist du in der Zukunft,
aber wenn du deine volle Konzentration auf deinen Atem für sechs Sekunden
richtest, dann bist du frei.
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TANZENDE TULPEN in 60 Sekunden:  
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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!
Ein Mädchen aus Syrien malt von ihrer Mittelmeer-Überfahrt
und später vollständig versunken ein ganzes Blumenmeer.

08 Februar 2017

UNTER DIE RÄDER GEKOMMEN - Die Geschichte von Nesrin

Seit vier Monaten begleite ich über eine Hilfsorganisation eine junge afghanische Frau. Damit ihre Anonymität gewahrt bleibt, nenne ich sie hier Nesrin.

DIE GESCHICHTE VON NESRIN
 
Nach ihrer Ankunft in Deutschland vor gut einem Jahr verbrachte Nesrin mit ihrem Mann die ersten Monate in einem leergeräumten Baumarkt im Süden von Hamburg. Danach kam sie in ein überfülltes Containerdorf am anderen Ende der Stadt. Immerhin mit einem abschließbaren Zimmer. Dort besuche ich sie regelmäßig.
Im Herbst letzten Jahres brachte sie eine Tochter zur Welt.
 
Was ich in den letzten Monaten mit Nesrin erlebt habe, hat mich oft sprachlos gemacht. Natürlich waren da ihre Geschichten von der Flucht aus Afghanistan. Sie musste das Land wegen Androhung einer Zwangsheirat und einem innerfamiliären Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten verlassen. Zuerst nach Indien, dann auf Grund von anhaltender Verfolgung über das Mittelmeer nach Deutschland. Trotz allem haben Nesrin und ihr Mann es geschafft, erfolgreich ein BWL-Studium in Neu Delhi abzuschließen.
Beide sprechen fließend englisch und sind erst 23 Jahre alt.
 
Natürlich sind die Erzählungen von Nesrin über die Umstände ihrer Flucht dramatisch. Was mich allerdings vielmehr erschreckt, sind die Bedingungen, unter denen sie jetzt hier in Deutschland leben muss. Um eine Vorstellung davon zu bekommen, beschreibe ich hier in Eckpunkten aber sehr verkürzt,
was ich seit vier Monaten mit Nesrin erlebt habe.
 
Da Nesrin einen akademischen Abschluss hat und in Indien eine Zeitlang als Dolmetscherin gearbeitet hat, ist ihr hier eine Integrations-Maßnahme speziell für Frauen angeboten worden, an der sie hätte teilnehmen können. Sie bräuchte dazu lediglich eine Bestätigung von der zuständigen Agentur für Arbeit. Um diese Bestätigung zu bekommen, bin ich mit ihr zu der nächstliegenden Agentur gefahren. Dort wurden wir mit unserem Anliegen von einer Sachbearbeiterin zur nächsten geschickt und es hat mich sehr viel Mühe gekostet, dass sich überhaupt irgendjemand zuständig fühlte und sich genauer mit der Integrations-Maßnahme befasst hat. Nach einigen Stunden wurde unser Anliegen an die Zentrale in Hamburg Mitte weitergeleitet. Nesrin sollte auf einen Termin warten, der ihr über den Postweg zugesandt wird. Drei Wochen später hatten wir endlich den erhofften Termin bei einer Sachbearbeiterin, die als kleines Mädchen aus Afghanistan nach Hamburg geflüchtet ist und somit die afghanische Muttersprache Dari beherrscht. Allerdings ist sie selber nie in Afghanistan gewesen und ihr Dari ist so schlecht gewesen, das Nesrin sich nur mit Mühe verständlich machen konnte. Eine Tatsache, die von außen kaum erkennbar war und an der sicherlich viele andere afghanische „Kunden“ verzweifelt sind. Die Sachbearbeiterin hört sich alles an, gab uns ein paar Aufträge mit, die sie für eine Weiterbearbeitung des Anliegens bräuchte. Sie gab uns eine E-mail-Adresse mit, an die wir die erforderlichen Unterlagen dann schicken sollten und entließ uns mit dem Versprechen, sich weiter zu kümmern und einen baldigen, zeitnahen Termin zu vereinbaren. Wir hatten die erforderlichen Unterlagen schnell zusammen. Es stellt sich jedoch heraus, dass die angegebene E-mail-Adresse der Sachbearbeiterin erstens privat und zweitens falsch gewesen ist. Da sie so weder telefonisch noch per E-mail erreichbar war, hatten wir von unserer Seite aus keine Möglichkeit mehr, mit ihr in Kontakt zu treten. Wir mussten darauf warten, dass sie aktiv wird und sich wieder meldet – und das, obwohl die Zeit drängte und die gewünschte Integrationsmaßnahme schon angefangen hatte.
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Die Sachbearbeiterin hat sich nicht mehr bei Nesrin gemeldet.
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Seit der Geburt ihrer Tochter hatte Nesrin starke Schmerzen. Das Sozial-Management ihrer Unterkunft organisierte für sie die notwendigen Arzttermine. Trotz ihrer starken Schmerzen lagen diese aber Wochen entfernt. Ein engagierter Arzt von der Notaufnahme eines Krankenhauses, in das sie aufgrund der anhaltenden starken Schmerzen gehen musste, veranlasste eine MRT, um nach den Ursprung der Schmerzen suchen zu können. Leider hieß es am nächsten Tag, dass ihr Aufenthaltsstatus nur noch bis März gelte und daher auch das MRT bis dahin nicht gemacht werden könnte.
Sie solle trotz ihrer starker Schmerzen einfach abwarten. 
 
Erst nach wiederholten Einlieferungen in die Notaufnahme, bei denen sie jedes Mal eine stundenlange intensiv-intravenöse Schmerzbehandlung bekam, wurde eine Darmspiegelung gemacht. Dabei wurde eine hochgradige Entzündung festgestellt und endlich die richtigen Medikamente verabreicht. Nach drei Monaten Schmerzen.
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Das ist nur ein kleiner Ausschnitt von den Dingen, die ich mit Nesrin erlebt habe. Ich habe mich selten so ohnmächtig gegenüber Ämtern, Ärzten und Behörden gefühlt. So ein Verhalten kenne ich als Deutsche hier in Deutschland nicht. Ich war entsetzt, fassungslos. Aus dieser Fassungslosigkeit heraus entstand die Idee zu der Installation:
 
UNTER DIE RÄDER GEKOMMEN
Visualisierung einer Ausstellung
Beschreibung
Zu sehen sind Aufnahmen im Hochformat von den Orten, an denen ich mit Nesrin gewesen bin. Flure der Agentur für Arbeit, Flure von der Notaufnahmen, Flure von Erstunterkünften, Flure von Wartesälen. Viele Flure überall dort, wo Menschen wie Nesrin nach Hilfe suchen, warten müssen, vertröstet werden.
Hochkant wie die großen Plakate, die für das iPhone 6 werben. Sie sind an vielen Hausfassaden zu sehen mit dem Slogan „Fotografiert mit einem iPhone 6“. Im Internet werden Bilder dieser Kampagne unter der  iPhone 6 world Gallery präsentiert.
Über diese Foto-Aufnahmen werden alte Autoreifen montiert, als Ausdruck des ohnmächtigen Gefühls, buchstäblich „unter die Räder“ gekommen zu sein.
 
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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!

Viele Kinder und Erwachsene malen und zeichnen Bilder von ihrer Überfahrt in den Westen.
Auch Nesrin ist über das Mittelmehr geflüchtet. Eng aneinandergedrängt,
vollkommen durchnässt und die ganze Zeit schreiend vor Angst.

02 Februar 2017

HEUTE MAL *** die Blumen tanzen lassen

Die meisten großen Taten, die meisten großen Gedanken haben einen belächelnswerten Anfang.
Albert Camus
 

Das Buch der verschollenen Geschichten nannte JRR Tolkien ein kleines Notizbuch, in dem er fantastischen Geschichten aufschrieb. Aus diesem kleinen Notizbuch sollten 20 Jahre später Der kleine Hobbit und 32 Jahre später Der Herr der Ringe hervorgehen. Seine Fantasy-Romane, in denen er vollkommen neue Welten entstehen lässt, setzten Meilensteine und prägen bis heute das Genre der Phantastik. Das Imperium von StarWars, die Zauberwelten des Harry Potter, die Chroniken von Narnia, Fernsehserien wie Game of Thrones und Computerspiele wie World of Warcraft werden von vielen Millionen Fans geliebt, bis ins kleinste Details erforscht und nachgelebt.
Für Tolkien waren Märchen, Mythen, fantastische Erzählungen aber auch die Geschichten aus der Bibel das Lebensthema. Er sah es als seine Aufgabe an, aus der Fantasie heraus komplexe „Sekundärwelten“ zu erschaffen, bevölkert mit Hobbits, Balrogs und Elben. Fantasie war für ihn ein zutiefst menschliches Bedürfnis, das gestillt werden musste. Seine entscheidenden Qualitätskriterien an einen guten Fantasy-Roman waren eine eigenständige, für sich selbst stehende neue Welt und ein erklärtes happy ending, also einen guten Ausgang aus der Geschichte. Er prägte den aus dem Griechischen stammende Begriff  Eukatastrophe, das mit „Wendung zum Guten“ übersetzt werden kann - im Gegensatz zur Katastrophe als „Wendung zum Niedergang“.

In seinem berühmten Vortrag „On Fairy-Stories“ über die menschliche Fähigkeit, Märchen, Legenden und fantastische Geschichten zu erfinden, sagte er: „…Geschichte und Fantasie gehen immer weiter und sollen weiter gehen. … Das Geschenk, das ihm (dem Menschen) überreicht wurde, ist so groß, dass er wohl annehmen darf, durch Fantasie wirklich beitragen zu können zum Schmuck und zur vielfachen Bereicherung der Schöpfung“
 
Gemessen an Tolkiens Qualitätskriterien sind unsere heutigen Nachrichten zum aktuellen Tagesgeschehen überwiegend katastrophenorientiert - auch die der "alternativen Fakten" - und damit ausgesprochen fantasielos.
 
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HEUTE MAL*** die Blumen tanzen lassen
 
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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!
Ein Mädchen aus dem Irak malt eine "blaue Blume".
In der Romantik ist so eine blaue Blume ein zentrales Symbol.
Sie steht für Sehnsucht und Liebe

 

26 Januar 2017

Adlerschwingen und Flüstertöne

Von der Macht des Geistes und der Kraft der Gedanken sind viele Menschen überzeugt. Es gibt weltweit große geistige und spirituelle Führer, die Glück, Erfolg, Gelassenheit, innere Zufriedenheit und Sinn versprechen. Im Stil des „Time“-Magazins, das jedes Jahr eine Liste der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten zusammenstellt, und des “Forbes”-Magazins, das die Mächtigen der Welt in Rangfolge auflistet, veröffentlicht das englische Magazin “Mind Body Spirit” jährlich eine alternative Liste der 100 spirituell einflussreichsten lebenden Personen. Sie reicht vom Dalai Lama über den Papst bis hin zu Paulo Coelho und Marianne Williamson. Allen gemeinsam ist, dass sie Veranstaltungen in riesige Hallen füllen – gerade und komischerweise in Amerika - sie werden zum gefeierten spirituellen Event und spiegeln die Sehnsucht tausender Menschen, ihr geistiges Chaos zu entwirren.
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Die junge Frau, die ich beim Sterben begleite, wird Angesicht ihres Todes immer hellhöriger für Botschaften aus einer vermeintlich anderen Welt. Sie träumt intensiver und lässt Erinnerungen zu, die sie lange verdrängt hat. Erinnerungen an Gestalten, die sie als Kind gesehen hat, an Träume, die ihr wichtig sind, an Worte, die ihr zugeflüstert worden sind. Ich schreibe dieser Frau nach unseren Treffen immer „Neue Anfänge“ und schicke sie ihr zu. Das ist ein gewachsenes Ritual und die zugeschickten „Neuen Anfänge“ geben ihr die Möglichkeit, die Dinge um sie herum zu ordnen und weiter oder anders darüber nachzudenken.
 
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Auszug aus „Neuer Anfang Nr. 20:

…  Eigentlich begleiten sie mich schon ein Leben lang. Merkwürdig, dass mir das erst jetzt so richtig bewusst wird. Lange Zeit habe ich es einfach ausgeblendet und Strategien entworfen, um nichts zu bemerken. Aber wenn ich genau hinsehe, dann waren sie eigentlich immer um mich herum, haben mich nie alleine gelassen: Stimmen, Gestalten, Schatten.
 
Als Kind sah ich sie in meinem Elternhaus, aber auch draußen, auf Spielplätzen, Straßen und Wäldern. Meine Umgebung war geradezu bevölkert von Gestalten, die immer vom Boden bis zur Decke reichten. Drinnen waren sie schon groß, draußen wuchsen sie ins Unermessliche. Riesenhafte Gestalten mit großen Köpfen und langen Gliedmaßen, die mich ein bisschen an die alten Wäscheklammern meiner Mutter erinnerten. Mit geschlossenen Augen und Mündern standen sie einfach da, beobachtend. Sie waren mir vertraut. Ihre Anwesenheit beruhigte mich nicht nur, sie gehörten einfach dazu, sie waren normal. Sie waren anders als alles, was ich bisher gesehen habe, aber sie waren wunderschön. Sie begleiteten mein Leben. ...
 
 
 
 
 
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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!
Ein kleiner Junge malt das Blaue vom Himmel herunter.


20 Januar 2017

Heute mal >>> ein 356-Tage Projekt

Handarbeit statt Klettern
Unsere Vorfahren lebten auf Bäumen und liebten das Klettern Als das Leben in den Bäumen allmählich aus der Mode kam, wurde ihre Kletterhand langsam umgebaut, sodass sie das geschickte Hantieren mit Gegenständen und Werkzeugen üben konnten Und genau das machte den Weg frei für die Handarbeit, die noch heute für den Menschen so wichtig ist.

Die Macht der Hand
Handarbeit befriedigt unser das Bedürfnis nach Individualität und Kreativität. Jede Handarbeit besteht aus einer Vielzahl kleiner Schritte, aus denen mit der Zeit das fertige Ergebnis wächst. Aber die Hand ist nicht perfekt und so weiß man nie 100%ig, was letztendlich dabei herauskommt. Das macht ein Großteil der Faszination aus. Die Arbeit mit der Hand ist unvorhersehbar, unperfekt und einzigartig – back to he roots.

Ein kleines Tagwerk verändert die Welt
Konfuzius sagt: "Auch die weiteste Reise beginnt mit dem ersten Schritt." und alle großen Dinge beginnen im Kleinen. Das weiß auch das Internet. Es ist voll von 356-Tage –Projekten. Da wird gebastelt, gemalt, geschrieben und >>> täglich darüber gepostet. Was man dabei macht und dokumentiert, ist vollkommen egal. Alles ist möglich. Hauptsache, man bleibt dran. Man tut jeden Tag etwas, hat aber keine allzu große Aufgabe vor sich. Und wie durch ein Wunder können die vielen kleinen handgemachten Tagwerke etwas ganz unerwartet Neues in Gang bringen.
 
panta rhei – alles fließt – flow
 
Und hier gibt es zwei Beispiele von fertigen, wunderbar einfachen 356-Tage-Projekte:
link >>> 356 Gesichter
 
 
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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!
Ein Mädchen aus Syrien, im Malen von Blumen, Bergen und Flüssen
(vielleicht aus ihrer Heimat) komplett vertieft.
 

11 Januar 2017

Der KITSCH_FAKTOR

Überall, wo viele Menschen zusammenkommen, gibt es KITSCH. Kitsch für Fans, Kitsch für Touristen, Kitsch für Liebhaber. Kitsch ist geschmacklos, minderwertig, grell, trivial, sentimental, übertrieben, unecht, banal, sinnlos, billig und verlogen – ABER – er wird massenhaft hergestellt und lässt sich glänzend verkaufen: Gartenzwerge, röhrende Hirsche, Masken aus aller Welt, Fahnen, Wimpel, Postkarten, schnulzige Heimatfilme, volkstümliche Hitparaden, triefende Trivialliteratur, sentimentale Seifenopern. Etwas als Kitsch zu bezeichnen, ist ein vernichtendes Urteil, das sowohl seinen Verehrer als auch das komplette Umfeld trifft. Dabei weiß keiner so recht, was Kitsch eigentlich ist. 

Was für den einen Kitsch ist, ist für den anderen heilig.
Was für den einen Kitsch ist, ist für den anderen kultiger Trash.
Was für den einen Kitsch ist, ist für den anderen ein Lebensinhalt
Was für den einen Kitsch ist, ist für den anderen eine Freude.
Was für den einen Kitsch ist, ist für den anderen (teure) Kunst.
Was im Abendland Kitsch ist, ist im Morgenland eine Rarität (und umgekehrt).
 
Heilige aus dem Westen und dem Osten

Ballon-Dogs von dem hochdotierten Künstler Jeff Koons

Venezianische Masken

Abfälle einer Souvenir-Manufaktur in Ägypten
 
Kitsch polarisiert.
Während die einen darauf schwören, dreht sich bei Anderen, alleine im Angesicht des Wortes "Kitsch", der Magen um. Brauchen wir möglicherweise den Kitsch, um nicht ständig nach dem tieferen Sinn des eigenen Daseins suchen zu müssen?

 
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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!
Zwei junge Mädchen, beide um die 15 Jahre alt,
eine mit und eine ohne Kopftuch,
skizzieren ihre Sehnsucht nach Liebe.
 

23 November 2016

DIY & ZEN

Back to the roots – zurück zum Handwerk. Viele Menschen entdecken für sich gerade jetzt das Wunder des Handwerkens neu. Do-It-Yourself heißt das Zauberwort, und an vielen Orten wird zusammen gestrickt, genäht, gehäkelt und vieles mehr. Heraus kommen wunderschöne Unikate, die verschenkt, geliebt und bewundert werden können.
Beeindruckende Meister der Handwerkskunst kommen auch aus Japan. Sie beherrschen ihr Handwerk nahezu perfekt und üben es beharrlich und mit unendlicher Geduld aus. So entstehen fantastische Rauminstallationen mit gigantischen Ausmaßen. Vielleicht können solche Künstler nur deshalb aus Japan kommen, weil sie sich dort im ZEN geschult haben.
 
link >>> Chiharu Shiota
link >>> Motoi Yamamoto
 
ZEN in Japan ist weniger eine Glaubensrichtung, sondern vielmehr eine intuitive Lebenseinstellung, die schwer in Worte gefasst werden kann. Annähernd bedeutet ZEN: >>> in der Gegenwart zu leben und diese durch und durch zu erfahren >>> frei von den Ablenkungen und trügerischen Konflikten der materiellen Welt zu sein >>> und sich am grundlegenden Wunder des Lebens selbst zu erfreuen.
Um dieser Geisteshaltung nahezukommen, gibt es handwerkliche Rituale, die mit viel Beharrlichkeit und Hingabe zur Vollkommenheit reifen können: >>> die Kunst des Bogenschießens >>> die Schreibkunst >>> oder die Kunst der Gartengestaltung.
Vollkommenheit hört sich gut an, und so kam die Kunst des ZEN vor ca. 80 Jahren auch bei uns im Westen an. Nur genügten uns die herkömmlichen Ziele aus Japan nicht mehr, sondern wir reicherten sie mit gewinnträchtigeren und lukrativeren Elementen an. So entstanden zahlreiche ZEN-Variationen: von >>> Business-Zen über >>> Therapie-Zen bis zu >>> Wellness-Zen und >>> Street-Zen. Es gibt sogar ein >>> ZEN-DEPOT für ethisch-ökologische Geldanlagen und eine >>> ZEN-Akademie für Führungskräfte, die nachhaltige und kraftvolle Erfolge verspricht.
 
Alle diese ZEN-Angebote haben eines gemeinsam: sie sind unglaublich teuer.
+++
Seit einigen Monaten begleite ich eine junge Frau, die aus Afghanistan geflohen ist.
Sie ist knapp über 20 Jahre alt, hat vor wenigen Wochen eine Tochter bekommen und
bewohnt mit ihrem Mann einen knapp 12 m2 großen Container in einer Flüchtlingsunterkunft.
Sie hat in Kabul ihr Abitur gemacht und dort angefangen zu studieren.
Musste wegen einer Zwangsverheiratung aus dem Land fliehen und
wurde von Mitgliedern der Familie verfolgt, geschlagen und misshandelt. Sie konnte nur
mit Mühe einem Säureangriff entkommen. Trotz der permanenten Bedrohung
hat sie ihr Studium beendet, als Dolmetscherin gearbeitet und konnte schließlich
über viele Stationen hinweg bis nach Deutschland gelangen. Sie hat alle familiären,
kulturellen und persönlichen Wurzeln komplett verloren, hat einen
ungewissen Aufenthaltsstatus und steht vor dem Nichts. Sie ist zutiefst traumatisiert
und glaubt, dass ihr Leben jetzt zu Ende ist.
+++
Schade, dass diese hochdotierten westlichen Zen-Meister nicht einfach mal
komplett umsonst und entgegen jedem unternehmerischen Verstand in die Notunterkünfte
kommen können, um die inneren Wogen der dort wohnenden Menschen zu glätten.
 

Ein kleines Mädchen aus Afghanistan malt immer wieder
Schwärme von Menschen mit weit aufgerissenen Augen und Mündern.
 
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DANKE!

16 November 2016

NÄHE & DISTANZ - Das Geheimnis der Vögel

Einen Schwarm von Vögeln oder von Fischen zu beobachten ist nicht nur schön, es birgt in sich auch etwas Beruhigendes, etwas Faszinierendes, etwas Unbegreifliches. Ein scheinbar perfektes Zusammenspiel lädt zum Staunen ein. Die ständig sich verändernden Formationen erscheinen wie ein unlösbares, unsichtbares Geheimnis.

 
Wie funktioniert so ein Schwarm? Die Vögel eines Vogelschwarmes – Stare beispielsweise – orientieren sich zunächst an sieben anderen Vögeln um sich herum. So bilden acht Vögel eine Gruppe, die wiederum mit anderen Gruppen des Schwarms vernetzt sind. Diese vielfältig vernetzten Vogel-Gruppen bewegen sich automatisch und instinktiv nach drei Gesetzmäßigkeiten: Zusammenhalt, Trennung und Ausrichtung.
Das Gesetz des Zusammenhaltens (Kohäsion) besagt: Bewege dich in die Richtung des Mittelpunkts derer, die du in deinem Umfeld siehst. Also, >>> hin zu deinen Nachbarn.
Das Gesetz der Trennung (Separation) meint: Halte einen Mindestabstand ein und bewege dich weg, sobald dir jemand zu nahe kommt. Also, >>> weg von deinem Nachbarn.
Das Gesetz der Ausrichtung heißt: Bewege dich in dieselbe Richtung und mit derselben Geschwindigkeit wie diejenigen in deiner Nähe. Also, >>> parallel zu deinen Nachbarn.
 
 
Ein Schwarm hält demnach ein nahezu perfektes Gleichgewicht zwischen Nähe und Distanz.
Das ist eine Eigenschaft, die uns Menschen leider selten gelingt.
 
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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!
Vogel- und Fischschwärme tauchen immer wieder in den
Zeichnungen von geflüchteten Kindern und Jugendlichen auf.
 

09 November 2016

HEUTE MAL *** ANDERS/ Teil III

HEUTE MAL >>> anfangen

„Nichts ist leichter als Selbstbetrug, denn was ein Mensch wahrhaben möchte, hält er auch für wahr.“ Das sagte der bedeutende griechische Redner Demosthenes schon vor 2500 Jahren. Manchmal kommt mir der Verdacht, dass wir seit dem kaum noch etwas dazu gelernt haben. Alles, was wir heute über uns wissen, das wussten die klugen Köpfe damals im alten Griechenland auch schon.

Demosthenes sagte ebenfalls: „Kleine Gelegenheiten sind häufig der Anfang großer Unternehmen.“ Übersetzt heißt das wohl, dass es gar nicht die großen Ideen, Projekte, Konzepte und Pläne sind, die die Welt verändern, sondern dass es vielmehr die kleinen, oftmals unbeachteten, manchmal alltäglichen Dinge sind, die einen Berg ins Rollen bringen können. Das könnte man ja ausprobieren: wenn ich an „kleine Gelegenheiten“ denke, dann denke ich zum Beispiel an einige junge Frauen, denen ich auf meiner Pilgerreise nach Santiago de Compostela immer wieder begegnet bin. Sie trugen eine kleine Tasche mit bunten Bändern bei sich. Sobald sie in einer Herberge angekommen sind, haben sie sich ein schönes Plätzchen gesucht und angefangen, aus den bunten Bändern farbenfrohe Freundschaftsbänder zu knüpfen – um diese dann auf ihrem weiteren Weg gleich weiter zu verschenken. Seitdem faszinieren mich diese Bänder – auch, wenn ich ihre Knot-und Knüpftechniken nicht verstehe.
Das wäre eine schöne "kleine Gelegenheit" zum HEUTE MAL>>> anfangen: jeden Tag ein Freundschaftsband knüpfen – und das dann gleich weiter verschenken. Ich bin gespannt, welches große Unternehmen aus dieser kleinen Handlung heraus entstehen könnte. „Sich selbst zu überraschen ist, was das Leben lebenswert macht.“ Das sagte der irische Schriftsteller Oscar Wilde vor 50 Jahren.
 
 
Der Anfang ist gemacht. Das erste geknotete Armband
aus Paketschnur, weißen Baumwollfäden und einer Unterlegscheibe ist fertig.
Nun muss es nur noch verschenkt werden.
 
und so ist das Armband entstanden:
 
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Heute fängt auch am anderen Ende der Welt etwas Neues an. Und ich hoffe sehr,
das sich die Sorgen und Befürchtungen so vieler Menschen (auch meiner eigenen) nicht bewahrheiten werden.
 
 
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die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!
Die Botschaft einer jungen Frau aus Afghanistan.
 

02 November 2016

Die NACKTEN und die TOTEN

Die junge Frau, die ich zurzeit im Hospiz begleite, erzählte mit gestern, dass sie gerne ihren Seelenfrieden finden möchte. Sie glaubt, wenn sie ihren Seelenfrieden gefunden hat, könne sie leichter Abschied nehmen und sterben. Sonst würde ihr Sterben zur Qual werden, weil es etwas gibt, das sie hier festhält.
 
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Gestern war der erste November. In den Tagen um den ersten November herum wird überall auf der Welt der Toten (oder der toten Seelen) gedacht  - manchmal grau und ernst so wie hier bei uns, manchmal aber auch grellbunt, ausgelassen und fröhlich. Diese Tage haben so wundersame Namen wie Allerheiligen, Allerseelen oder  auch Tag der Toten. 
In Mexiko wird genau heute und gerade jetzt eben dieser Tag der Toten, der Día de Muertos gefeiert. Es ist eines der wichtigsten Feiertage dort überhaupt und von der UNESCO zum >>> Meisterwerk des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit ernannt. Nach altmexikanischem Glauben kommen die Toten einmal im Jahr zu Besuch aus dem Jenseits und feiern gemeinsam mit den Lebenden ein fröhliches Wiedersehen mit Musik, Tanz und gutem Essen. Der Tag der Toten ist alles andere als trüb und schwermütig. Ganz im Gegenteil, jedes Jahr werden mexikanische Friedhöfe und Hausaltare (ofrendas) mit Geschenken, Essen und Getränken (natürlich Tequila) dekoriert, um die Seelen der Verstorben zurück zur Erde zu locken. Die Seelen finden bei ihrem Besuch auf der Erde also all die Sachen wieder, die ihnen zu Lebzeiten so gut gefallen haben. Auf den Straßen herrscht buntes Treiben. Wohnungen werden prachtvoll mit Blumen, Kerzen und bunten Todessymbolen aller Art dekoriert. Es gibt sogar Totenkopfkekse mit Marzipan und schokoladenüberzogene Zuckerguss-Skelette zum Aufessen. Die lokalen Friedhöfe dienen dabei als Haupt-Austragungsort. Auf den geschmückten Gräbern wird zusammen gegessen, getrunken, musiziert, gesungen und gelacht. .

Alle Dinge sind beseelt.

Thales von Milet
(um 625 - 545 v. Chr.),
griechischer Philosoph und Mathematiker
>>> einer der Sieben Weisen <<<
 
 
 
Genau heute und gerade jetzt startet auch der US-Fotograf Spencer Tunick ein neues Kunstprojekt. Er versammelt zum Tag der Toten und anlässlich des >>> Calaca Festivals in San Miguel 300 nackte Menschen um sich, bekleidet sie mit hauchdünnen, transparenten Stoffen und lässt sie in den trockenen Graslandschaften von Mexiko umhergehen. 


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Es gibt andere Friedhöfe, an denen nicht nur heute, sondern über das ganze Jahr hinweg gespielt, flaniert und ausgeruht wird. Das sind die Friedhöfe im afghanischen Kabul. An den Wochenenden besuchen dort ganze Familien den Kart-e-Sakhi Friedhof. Der Friedhof liegt im Westen Kabuls und gehört zu den größten der Stadt. Er ist eine Oase des Friedens und der Ruhe. Ein Ort, an dem auch Frauen draußen an der frischen Luft sein können, ohne Angst haben zu müssen. Eine Oase des Friedens in einem zutiefst uneinigem Land – ein Ort, an dem man die Seele baumeln lassen kann
 
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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
die in Hamburg angekommen sind. Sie sind auf
Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
DANKE!

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Die Nackten und die Toten ist der 1948 erschienen Debütroman von Norman Tailer. Er schrieb selber dazu: "Der Riesenerfolg des Buches ,Die Nackten und die Toten' warf mich beträchtlich aus der Bahn, und ich verbrachte die darauffolgenden Jahre damit, das Leben zu verschlingen wie ein siegreicher Mann - obwohl ich noch gar kein Mann war und auch gar kein Talent, das Leben zu genießen. Ich war prominent, und ich war leer. Ich mußte das Leben wieder von vorn anfangen."

19 Oktober 2016

zwischen AGGRESSIV und KREATIV

Landläufig glaubt man, Adler, Habichte und Falken würden ständig in den Lüften kreisen um nach Beute Ausschau zu halten. Das stimmt so nicht. Greifvögel sind höchstens einmal am Tag aktiv und entwickeln dabei einen Stoffwechsel wie ein Hochleistungssportler. Die Beutejagd verlangt ihnen so viel ab, dass sie sich den Rest des Tages, also 23,5 Stunden, davon erholen müssen, sprich ausruhen. Falkner sagen dazu, sie „stellen“ sich auf. Die meiste Zeit des Tages verbringt der Greifvogel auf einem Baum oder einem Felsen. Still, beobachtend, man könnte fast meinen, er meditiert. Charakteristisch für Greifvögel ist also ihre zielgenaue Aggression in Kombination mit stundenlangen Ruhephasen, die man auch „Greif-Meditation“ nennen könnte.
 
Das Wort Aggression kommt aus dem Lateinischen und ist erst einmal wertneutral. Es setzt sich aus den Silben ag für „zu, nach hin“, gradi für „schreiten, festen Schrittes gehen“ und gradus für „Schritt“ zusammen. Aggression könnte man also von seinem Ursprung her mit „Festen Schrittes zu etwas hingehen“ übersetzen Demnach wäre jede zielgerichtete Aktivität als aggressiv einzustufen. Heute fasst man den Begriff Aggression natürlich wesentlich enger.

Das Wort Meditation kommt ebenfalls aus dem Lateinischen, und heißt übersetzt „nachdenken, nachsinnen, überlegen“. Der Ursprung der Meditation wird im Fernen Osten vermutet, genauer dem heutigen Afghanistan, wo sie vor gut 4000 Jahren als eine Art spirituelle Geistessschulung entwickelt wurde.
Heute befassen sich Neurowissenschaftler mit den Auswirkungen der Meditation auf unser Gehirn. Sie untersuchen beispielsweise die Gehirne von buddhistischen Mönchen während ihrer Meditation in einem MRT. Dabei haben sie festgestellt, dass regelmäßiges meditieren speziell den präfrontalen Kortex aktiviert und stärkt. Das ist der Bereich im Gehirn, der für unsere Entschlossenheit, unsere Handlungsbereitschaft, unser Planungsvermögen und unsere Problemlösungen zuständig ist – und der normalerweise leider eher schlecht entwickelt ist. Außerdem werden während einer Meditation im Gehirn Thetawellen erzeugt. Thetawellen (7 - 4 Hz) sind die Wellen des Unterbewussten. Sie kommen besonders im Traum, in der Meditation, bei Gipfelerfahrungen und während kreativer Zustände vor.
 
Kurz gesagt macht es die Mediation für uns also leichter, 
 kreativ, lösungsorientiert und punktgenau zu handeln.
Vielleicht können Greifvogel nur deshalb so zielgerichtet handeln,
weil sie die meiste Zeit des Tages meditierend zubringen?
 
Die roten Augen eines Uhu-Weibchens wechseln kaum merklich
zwischen unverhohlener Aggression und konzentrierter Beobachtung.

Ein Junge aus Afghanistan/Kabul malt ein feuerrotes Haus ohne Fenster und mit verschlossener Tür.

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Meine blog-Einträge werden mit Zeichnungen von geflüchteten Menschen begleitet,
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Kunstaktionen vor ihren Notunterkünften entstanden.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich dabei fotografieren durfte.
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